Die Schön­heit des Ver­gäng­li­chen

Heu­te Abend wird im Gar­ten­kunst­mu­se­um die Aus­stel­lung „Flo­res del Mal“er­öff­net. Sie zeigt Fo­to­gra­fi­en des ar­gen­ti­ni­schen Künst­lers Fa­bio Bor­quez, der Mo­dels mit Blu­men ge­konnt in Sze­ne setzt.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - BENRATHER TAGEBLATT - VON ANDREA RÖHRIG

BEN­RATH Charles Bau­de­lai­re (1821 bis 1867), der 1857 sei­nen Ge­dicht­band „Les Fleurs du Mal“her­aus­ge­ge­ben hat, hät­te sich zur da­ma­li­gen Zeit wahr­schein­lich nicht vor­stel­len kön­nen, dass sein Werk den Fo­to­gra­fen Fa­bio Bor­quez ein­mal zu ei­ner Fo­to­rei­he in­spi­rie­ren soll­te, die Por­traits zeigt von Men­schen mit au­ßer­ge­wöhn­li­chem Blu­men­schmuck – von der Hor­ten­sie bis zur Ar­ti­scho­cke. Zu Leb­zei­ten des Schrift­stel­lers steck­te die Fo­to­gra­fie in den Kin­der­schu­hen. In­zwi­schen hat sie sich zu ei­ner ernst­zu­neh­men­den Kunst­form ent­wi­ckelt.

Bis zum 5. Ja­nu­ar zeigt das Gar­ten­kunst­mu­se­um im Ben­ra­ther Schloss die Fo­to-aus­stel­lung, die als Hom­mage an Bau­de­lai­re den glei­chen Na­men trägt, „Flo­res del Mal“(Die Blu­men des Bö­sen). Wer sich sel­ber ein Bild ma­chen will, ist zur Aus­stel­lungs­er­öff­nung heu­te Abend (19 bis 23 Uhr, Ein­tritt frei) im Ost­flü­gel ein­ge­la­den.

Mit der Erst­aus­ga­be sei­nes Ge­dicht­ban­des fand sich Bau­de­lai­re we­gen Ver­let­zung der öf­fent­li­chen Moral vor Ge­richt wie­der. Und auch das, was Fa­bio Bor­quez auf den Fo­to­chip bann­te, hät­te zur da­ma­li­gen Zeit wohl ei­nen hand­fes­ten Skan­dal aus­ge­löst. Denn da­mit in An­leh­nung an Bau­de­lai­re die Men­schen auf den Por­traits auch die The­men dunk­le Ver­lo­ckung und Ver­gäng­lich­keit der Na­tur wi­der­spie­geln ist viel nack­te Haut zu se­hen. Doch der Fo­kus beim Be­trach­ten der Mo­ti­ve liegt auf der Sym­bio­se, die die Mo­dels mit dem Blu­men­schmuck ein­ge­hen. Den steu­er­te die Neus­ser Flo­ris­tin Ni­na Ben­der bei. Und was sich hier so un­spek­ta­ku­lär liest, ist in Wirk­lich­keit ei­ne sinn­li­che Rei­se für die Au­gen.

Schon vor vier Jah­ren hat­te der in Ar­gen­ti­ni­en ge­bo­re­ne Fo­to­graf, der 2001 der Lie­be we­gen nach Deutsch­land zog, die Idee zu die­ser be­son­de­ren Fo­to­rei­he. In der Neus­ser Flo­ris­tin Ben­der hat­te er da­mals auch schon das pas­sen­de Ge­gen­stück ge­fun­den. „Ich ken­ne das Blu­men­ge­schäft der Fa­mi­lie schon seit vie­len Jah­ren“, er­zählt der 55-Jäh­ri­ge. Zur Hoch­zeit und zur Ge­burt sei­nes Soh­nes er­stand er dort Flo­ra­les und auch den Kranz zum Tod der Groß­mut­ter sei­ner Frau. Das The­ma Ver­gäng­lich­keit spie­gelt sich aber nicht nur dar­in wi­der. So bald man ei­ne Blü­te von ih­rem Stän­gel ent­fernt, ist sie dem Tod ge­weiht, ge­nau in die­sem Mo­ment, sagt der Fo­to­künst­ler, zei­ge sie je­doch ih­re größ­te Schön­heit.

Hand in Hand ar­bei­te­ten Bor­quez und Ben­der für das Pro­jekt. Abends, ANDRE­AS ENDERMANN

wenn das Blu­men­ge­schäft ge­schlos­sen hat­te, traf man sich zum Fo­to­gra­fie­ren. Nicht im­mer lief al­les glatt. Für ein hoch­schwan­ge­res Mo­del hat­te die Flo­ris­tin ein be­son­ders Blu­men­band her­ge­stellt, das um ih­ren Bauch ge­wi­ckelt wer­den soll­te. Doch wäh­rend der Auf­nah­men platz­te die Frucht­bla­se, Bor­quez be­glei­te­te die wer­den­de Mut­ter ins Kran­ken­haus und wur­de bis zur Ab­lö­sung durch den Ehe­mann für den Kinds­va­ter ge­hal­ten. Da für das Fo­to­shoo­ting aber al­les be­reit lag, such­te Ni­na Ben­der un­ter­des­sen für ei­nen Er­satz – und wur­de fün­dig bei ei­ner Freun­din, die ge­ra­de zu Hau­se auf dem So­fa lag und Lan­ge­wei­le hat­te. Auch die­ses Fo­to ist in der von Bern­hard Jan­sen ku­ra­tier­ten Aus­stel­lung zu se­hen – es hängt im letz­ten Raum. Auf das Ti­tel­bild zur Aus­stel­lung hat es ein Werk ge­schafft, das Bor­guez’ Fo­to­und Ben­ders Blu­men­kunst auf be­son­de­re Wei­se ver­ei­nigt: Ei­ne Asia­tin, die ei­nen Kopf­schmuck aus Nel­ken­blü­ten­blät­tern trägt.

RP-FO­TO:

Hand in Hand ha­ben Fo­to­graf Fa­bio Bor­quez und Ni­na Ben­der für die Aus­stel­lung „Flo­res del mal“ge­ar­bei­tet. Die Flo­ris­tin ge­stal­te­te für die Por­traits den Blu­men­schmuck.

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