Was tun, wenn es brennt?

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - MITTELSTAN­DSFINANZIE­RUNG - VON GI­AN HESSAMI

Das Le­ben ist kein Wunsch­kon­zert. Wenn es mal nicht nach Plan läuft und ein Un­ter­neh­mer in die ro­ten Zah­len rutscht, gilt es, küh­len Kopf zu be­wah­ren. Wenn je­doch die Li­qui­di­tät zur Nei­ge geht, wird es eng. Schließ­lich muss das Ge­schäft wei­ter lau­fen. Was al­so tun? Als ers­tes liegt es na­he, mit dem Bank­be­ra­ter ein Fi­nan­zie­rungs­ge­spräch zu ver­ein­ba­ren. Un­ter­neh­mer soll­ten sich akri­bisch auf die­sen wich­ti­gen Ter­min vor­be­rei­ten. Nicht nur, um der Bank ak­tu­el­le Ge­schäfts­zah­len und Bi­lan­zen vor­zu­le­gen. Die Re­fle­xi­on der ei­ge­nen Si­tua­ti­on und die Per­spek­ti­ve des Kre­dit­ge­bers spie­len eben­falls ei­ne wich­ti­ge – wenn nicht so­gar ei­ne ent­schei­den­de – Rol­le.

Letzt­lich geht es der Bank dar­um zu klä­ren, ob das zu fi­nan­zie­ren­de Un­ter­neh­men zu­kunfts­fä­hig ist. Vor dem Ge­spräch soll­te sich der Fir­men­chef mit ver­schie­de­nen Fra­gen be­schäf­ti­gen. Et­wa: Was ist mein un­ter­neh­me­ri­sches Ziel und was macht mei­ne Fir­ma aus? Wer sind mei­ne Kun­den, wer sind mei­ne Wett­be­wer­ber und was ist das Al­lein­stel­lungs­merk­mal mei­ner Fir­ma? Ein Fi­nan­zie­rungs­ge­spräch dreht sich nicht nur um die Stär­ken, son­dern auch um mög­li­che Schwä­chen des Un­ter­neh­mens. Of­fen­heit kommt beim Geld­in­sti­tut oft bes­ser an als Ver­schwie­gen­heit. Ban­ken mö­gen kei­ne ne­ga­ti­ven Über­ra­schun­gen. Je kla­rer und trans­pa­ren­ter je­mand sei­ne Fir­ma dar­stellt, des­to zu­ver­läs­si­ger wirkt er und des­to grö­ße­res Ver­trau­en hat die Bank in ihn. „Un­ter­neh­mer soll­ten sich in ih­re fi­nan­zie­ren­de Bank hin­ein­ver­set­zen“, sagt Wolf­gang Krie­sen, un­ab­hän­gi­ger Fi­nanz­be­ra­ter für den Mit­tel­stand in Mün­chen. Da­bei hel­fe die Fra­ge: Was könn­te die Bank für die Ge­wäh­rung ei­nes Kre­dits wis­sen wol­len?

Für Kre­dit­ge­ber ist es ent­schei­dend si­cher­zu­stel­len, dass sie ne­ben der Til­gung auch re­gel­mä­ßi­ge Zins­zah­lun­gen er­hal­ten. „Des­we­gen soll­te man der Bank ein plau­si­bles Kon­zept vor­le­gen und er­läu­tern“, so der Ex­per­te. Da­bei gilt es, auf die Chan­cen, aber auch auf die Ri­si­ken sei­nes Vor­ha­bens ein­zu­ge­hen. Wich­tig sei, dass der Fi­nan­cier die Zu­sam­men­hän­ge in der je­wei­li­gen Bran­che ver­ste­he.

Hilf­reich sei es da­bei, den Blick­win­kel und die Ge­dan­ken der Ban­ker zu ken­nen und ein­zu­schät­zen, so Krie­sen. Denn: „Die Bank steht ge­wis­ser­ma­ßen am En­de der Nah­rungs­ket­te. So kann es durch­aus vor­kom­men, dass Kun­den oder Lie­fe­ran­ten schon lan­ge mit­be­kom­men ha­ben, dass es ei­nem Un­ter­neh­men schlecht geht – aber die Haus­bank erst viel spä­ter da­von er­fährt.“Da­her ist es nur all­zu ver­ständ­lich, dass die Bank gro­ßen Wert auf die trans­pa­ren­te Darstel­lung des Un­ter­neh­mens legt.

Krie­sen hat sel­ber vie­le Jah­re lang in ei­ner gro­ßen Bank als Fir­men­kun­den­be­treu­er ge­ar­bei­tet und weiß da­her um die Ab­läu­fe bei der Kre­dit­ver­ga­be. Zu­nächst muss der Un­ter­neh­mer sei­nen Be­ra­ter vom Pro­jekt über­zeu­gen. Auf Ba­sis der In­for­ma­tio­nen er­stellt die­ser den Kre­dit­an­trag, den er an sei­ne Kol­le­gen aus der Kre­dit­ab­tei­lung, der so­ge­nann­ten Markt­fol­ge zur wei­te­ren Be­ar­bei­tung gibt. Dort er­folgt die Ana­ly­se des Kre­dit­an­trags und der dar­in ge­sam­mel­ten Fak­ten. Dar­auf er­folgt dann die Ent­schei­dung, ob der Kre­dit tat­säch­lich ge­währt wird oder nicht.

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