Duis­bur­ger VHS in der Ers­ten Li­ga

Mit ei­nem lan­gen, aber ge­lun­ge­nen Fest­akt fei­er­te am Frei­tag im Stadt­thea­ter die Duis­bur­ger Volks­hoch­schu­le ih­re Grün­dung vor 100 Jah­ren. Da­bei wur­de auch ge­jo­delt.

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„Nee, nee, das ist nur für heu­te“, ge­stand Volks­hoch­schul­di­rek­tor Vol­ker Heck­ner dem ne­ben ihm sit­zen­den RP-RE­dak­teur. „Ei­nen Jo­del­kurs gibt es bei uns nicht.“Das Wort „noch“möch­te man da hin­zu­fü­gen, denn der „Ge­burts­tags­jod­ler“für die Volks­hoch­schu­le, vor­ge­tra­gen von den Ge­s­angs­so­lis­ten der Duis­bur­ger Mu­sik- und Kunst­schu­le, war sen­sa­tio­nell gut und wur­de zu­recht vom Pu­bli­kum im gut be­setz­ten Stadt­thea­ter be­ju­belt. Das „In­ter­mez­zo“ge­hör­te mit zum Pro­gramm des wirk­lich ge­lun­ge­nen Fest­ak­tes, den die Duis­bur­ger Volks­hoch­schu­le am Frei­tag­nach­mit­tag fei­er­te. Der Grund der Fei­er ist mitt­ler­wei­le wohl be­kannt: Vor 100 Jah­ren wur­den in der jun­gen Wei­ma­rer Re­pu­blik in vie­len Städ­ten Volks­hoch­schu­len ge­grün­det. Ihr Wir­ken be­kam dank ei­ner Ver­ord­nung vom 14. Au­gust 1919 so­gar Ver­fas­sungs­rang. Ober­bür­ger­meis­ter Karl Jar­res sorg­te da­für, dass am 21. Ok­to­ber 1919 auch in Duis­burg die Grün­dung ei­ner Volks­hoch­schu­le be­schlos­sen wur­de.

Da­für kön­ne er sei­nem Amts­vor­gän­ger dank­bar sein, ließ Ober­bür­ger­meis­ter Sö­ren Link in sei­ner An­spra­che durch­bli­cken. Für die Stadt war so kurz nach dem ers­ten Welt­krieg die Grün­dung ei­ner VHS durch­aus ein Kraft­akt, da al­lein die Kom­mu­ne für die Fi­nan­zie­rung zu­stän­dig war. Die Volks­hoch­schu­len wa­ren in Ber­lin ge­wollt, die Gel­der muss­ten aber die Städ­te sel­ber auf­trei­ben. In Duis­burg gab es am 5. De­zem­ber 1919 die ers­te Vhs-ver­an­stal­tung. „Die Zeit­span­ne zwi­schen Be­schluss und Rea­li­sie­rung war aus heu­ti­ger Sicht sehr kurz“, mein­te Link un­ter hör­ba­rer Zu­stim­mung des Pu­bli­kums.

Aus dem Mi­nis­te­ri­um für Kul­tur und Wis­sen­schaft des Lan­des kam von Staats­se­kre­tär Klaus Kai­ser gro­ßes Lob: Die Duis­bur­ger Volks­hoch­schu­le spie­le in der „ers­ten Li­ga al­ler Volks­hoch­schu­len“. Un­ter Ge­läch­ter und zar­ten Buh­ru­fen des Pu­bli­kums füg­te er hin­zu: „... was man nicht von al­len Duis­bur­ger Ein­rich­tun­gen be­haup­ten darf.“Kai­ser hat­te das ak­tu­el­le Pro­gramm der VHS of­fen­bar gut stu­diert; er lob­te die gro­ße Spann­brei­te des An­ge­bots, zi­tier­te den ehe­ma­li­gen Bun­des­prä­si­den­ten Joa­chim Gauck, der die Volks­hoch­schu­len als „Werk­stät­ten der De­mo­kra­tie“be­zeich­net hat­te, stutz­te al­ler­dings beim Kurs „Die Kü­che Groß­bri­tan­ni­ens“. In ei­ner Talk­run­de stell­ten sich Klaus Kai­ser, De­zer­nent Tho­mas Krütz­berg und Vol­ker Heck­ner den Fra­gen der Jour­na­lis­tin Kris­ti­na zur Müh­len. Da­bei wur­den ver­schie­de­ne Her­aus­for­de­run­gen der ak­tu­el­len Vhs-ar­beit kurz be­leuch­tet. Klaus Kai­ser mein­te un­ter an­de­rem, dass „ei­ne Mehr­wert­steu­er nicht zur VHS passt“, wo­mit er auf ei­ne im Lan­de ge­führ­te Dis­kus­si­on an­spiel­te.

Die Fe­st­re­de hielt der Psych­ia­ter und Ge­hirn­for­scher Dr. Vol­ker Busch, der un­ge­mein un­ter­halt­sam und in­for­ma­tiv Er­geb­nis­se aus der ak­tu­el­len Ge­hirn­for­schung all­ge­mein­ver­ständ­lich dar­stel­len kann. Für sei­nen Vor­trag mit Schau­bil­dern wähl­te er die Über­schrift: „Bau­stel­le Ge­hirn – Glück und Ge­sund­heit durch le­bens­lan­ges Ler­nen.“Sei­ne Kern­aus­sa­ge war, dass das Ge­hirn kei­ne Fest­plat­te ist, die ir­gend­wann so ge­füllt ist, dass Neu­es nicht mehr auf­ge­nom­men wer­den kann. Viel­mehr sei das Ge­hirn ein neu­ro­plas­ti­sches Or­gan, das vom le­bens­lan­gen Ler­nen nur pro­fi­tie­ren kön­ne. Das Ver­net­zen von Ner­ven­zel­len ma­che In­tel­li­genz aus. Wenn das Ge­hirn ge­for­dert wird, stär­ke das die Fä­hig­keit, Ner­ven­zel­len zu ver­net­zen. Glück und Ge­sund­heit wür­den durch ei­ne her­aus­for­dern­de Tä­tig­keit, die Spaß macht und die mög­lichst in ei­nem so­zia­len Um­feld ge­schieht, ge­för­dert. Sei­ne 93-jäh­ri­ge Oma ha­be bei­spiels­wei­se bei der VHS ei­nen Eng­lisch­kurs be­legt. Als er, Vol­ker Busch, sie ge­fragt ha­be, wes­halb sie das jetzt noch ma­che, ha­be sie ge­sagt: „So et­was kann man ja mal ge­brau­chen.“Von der Oma stam­me auch die Er­kennt­nis: „Das Ge­hirn ist kein Stück Sei­fe, der häu­fi­ge Ge­brauch nutzt es nicht ab.“

Vhs-di­rek­tor Vol­ker Heck­ner, Staats­se­kre­tär Klaus Kai­ser, Ober­bür­ger­meis­ter Sö­ren Link und De­zer­nent Tho­mas Krütz­berg beim Fest­akt (v.l.).

Die Ge­s­angs­so­lis­ten der Mu­sik- und Kunst­schu­le über­rasch­ten das Pu­bli­kum mit ei­nem wun­der­schö­nen „Ge­burts­tags­jod­ler“.

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