54 Mil­li­ar­den Eu­ro für Kli­ma­pa­ket

Die Re­gie­rung be­schließt un­ter an­de­rem ei­nen Co2-fest­preis, ein Ein­bau­ver­bot für Öl­hei­zun­gen ab 2026 und vie­le För­der­maß­nah­men.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - NEWS - VON B. MARSCHALL UND J. DREBES

BER­LIN Die Bun­des­re­gie­rung will mit ei­nem 54 Mil­li­ar­den Eu­ro teu­ren Maß­nah­men­pa­ket den Kli­ma­schutz vor­an­brin­gen. Nach 19 St­un­den Ver­hand­lun­gen ei­nig­ten sich die Spit­zen­ver­tre­ter der gro­ßen Ko­ali­ti­on auf die Ein­füh­rung ei­nes Co2-prei­ses im Ver­kehr und im Ge­bäu­de­sek­tor, mas­si­ve In­ves­ti­tio­nen in den Kli­ma­schutz so­wie die Ein­be­ru­fung ei­nes Ex­per­ten­rats, der jähr­lich die Fort­schrit­te über­prü­fen soll. Wer­den die vor­ge­ge­be­nen Zie­le zur Co2-re­duk­ti­on ver­fehlt, will die Re­gie­rung ent­spre­chend nach­steu­ern.

In Deutsch­land und auf der gan­zen Welt gin­gen am Frei­tag Mil­lio­nen über­wie­gend jun­ger Men­schen auf die Stra­ßen, um für ent­schlos­se­ne­ren Kli­ma­schutz zu de­mons­trie­ren. Al­lein in Ber­lin ka­men nach An­ga­ben der Ver­an­stal­ter um die Schü­ler­be­we­gung „Fri­days for Fu­ture“270.000 Men­schen zu­sam­men. Auch in Düs­sel­dorf, Köln und wei­te­ren gro­ßen Städ­ten pro­tes­tier­ten Zehn­tau­sen­de.

Vie­le Ju­gend­li­che zeig­ten sich ge­ra­de­zu ent­setzt von den Kli­ma­be­schlüs­sen der Ko­ali­ti­on, die deut­lich hin­ter ih­ren Er­war­tun­gen zu­rück­ge­blie­ben sind. Auch Kli­ma­ex­per­ten, Öko­no­men, Wirt­schafts­ver­tre­ter und die Grü­nen re­agier­ten über­wie­gend ent­täuscht. Der Di­rek­tor des Pots­dam-in­sti­tuts für Kli­ma­fol­gen­for­schung, Ott­mar Eden­ho­fer, be­zeich­ne­te die Kli­ma­be­schlüs­se als „Do­ku­ment der po­li­ti­schen Mut­lo­sig­keit“. Da­mit wer­de die Re­gie­rung ihr Ziel, die Co2-emis­sio­nen bis 2030 um 55 Pro­zent ge­gen­über 1990 zu re­du­zie­ren, nicht er­rei­chen. Das Ziel, die Emis­sio­nen bis 2020 um 40 Pro­zent zu sen­ken, wird be­reits ver­fehlt. Grü­nen-chef Ro­bert Ha­beck sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Ich bin ent­setzt von der Kalt­her­zig­keit, mit der die Bun­des­re­gie­rung ei­ne kli­ma­po­li­ti­sche Wen­de ver­wei­gert.“

Die Kri­tik rich­te­te sich vor al­lem ge­gen den aus Sicht der Ex­per­ten zu we­nig am­bi­tio­nier­ten CO2P­reis. Tat­säch­lich soll das Sys­tem des Emis­si­ons­han­dels 2021 auf sehr nied­ri­gem Ni­veau star­ten: Der Preis pro Ton­ne CO2 soll dann von zehn Eu­ro bis auf 35 Eu­ro 2025 an­stei­gen. Ab 2026 soll dann ei­ne Ver­stei­ge­rung der Ver­schmut­zungs­rech­te in ei­nem Preis­kor­ri­dor von zu­nächst 35 bis 60 Eu­ro pro Ton­ne CO2 fol­gen. Der­zeit liegt der Co2-preis im Eu-emis­si­ons­han­del für die In­dus­trie be­reits bei et­wa 26 Eu­ro. Die Prei­se für den Co2-aus­stoß „fan­gen tat­säch­lich sehr nied­rig an“, ge­stand Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) am Frei­tag bei der Vor­stel­lung des Kli­ma­pa­kets. Ziel sei es aber, „die Men­schen auch mit­zu­neh­men“. Der Co2-preis war ei­ner der Knack­punk­te in den Ver­hand­lun­gen ge­we­sen. Um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD) be­ton­te, sie ha­be ei­nen hö­he­ren Preis er­hofft.

Mer­kel hob als zwei­tes Kern­ele­ment des Pa­kets den ge­plan­ten Kon­troll­me­cha­nis­mus her­vor: Je­des Jahr sol­len künf­tig ein ex­ter­nes Ex­per­ten­gre­mi­um und das Kli­ma­ka­bi­nett der Re­gie­rung über­prü­fen, ob die je­wei­li­gen Sek­to­ren die ih­nen vor­ge­ge­be­nen Co2-bud­gets er­rei­chen.

Die Co2-be­prei­sung wird flan­kiert von ei­ner Fül­le wei­te­rer Maß­nah­men. Den Ein­bau von Öl­hei­zun­gen will die Re­gie­rung ab 2026 ver­bie­ten. Der Aus­tausch äl­te­rer Öl­hei­zun­gen ge­gen ef­fi­zi­en­te­re An­la­gen soll mit bis zu 40 Pro­zent der An­schaf­fungs­kos­ten be­zu­schusst wer­den. Bahn­ti­ckets sol­len um zehn Pro­zent güns­ti­ger wer­den, weil die Mehr­wert­steu­er von 19 auf sie­ben Pro­zent ge­senkt wird. Zugleich soll ei­ne hö­he­re Luft­ver­kehrs­ab­ga­be das Flie­gen ver­teu­ern. Die Pend­ler­pau­scha­le für Ar­beit­neh­mer wird da­ge­gen be­fris­tet bis 2026 von der­zeit 30 auf 35 Cent pro Ki­lo­me­ter er­höht. Leit­ar­ti­kel, Po­li­tik

FO­TO: DPA

Welt­weit de­mons­trier­ten am Frei­tag Men­schen wie hier im aus­tra­li­schen Bris­bane für Kli­ma­schutz .

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