Die schwar­ze Null wird zum Pro­blem

Die schwar­ze Null, das Er­folgs­mo­dell der Haus­halts­sa­nie­rung, hat aus­ge­dient. Sie be­ginnt, das Wirt­schafts­wachs­tum zu be­hin­dern.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - WIRTSCHAFT - MAR­TIN KESS­LER

Die Sa­nie­rung der öf­fent­li­chen Haus­hal­te ge­hört zu den we­ni­gen Er­folgs­ge­schich­ten der gro­ßen Ko­ali­ti­on. Doch sie zum Dog­ma zu er­he­ben, ist ge­fähr­lich. Denn das ver­kennt wich­ti­ge ma­kro­öko­no­mi­sche Zu­sam­men­hän­ge.

Die La­ge in Deutsch­land ist ge­kenn­zeich­net durch ei­ne enor­me Er­spar­nis­bil­dung – so­wohl bei den Haus­hal­ten und den Un­ter­neh­men. Zählt man al­les zu­sam­men, so be­sit­zen die Bür­ger nach Be­rech­nun­gen der bei­den Öko­no­men Carl Chris­ti­an von Weiz­sä­cker und Ha­gen Kre­mer das Drei­zehn­fa­che ih­res Jah­res­kon­sums als Ver­mö­gen. Das ver­teilt sich zu 47 Pro­zent auf das Re­al­ka­pi­tal, Ma­schi­nen und Pro­duk­ti­ons­an­la­gen, zu 20 Pro­zent auf den Bo­den und zu 33 Pro­zent auf For­de­run­gen ge­gen den Staat. In letz­te­re Zahl sind auch al­le An­sprü­che aus der So­zi­al­ver­si­che­rung ent­hal­ten.

Wenn nun das jähr­lich neu ent­ste­hen­de Spar­an­ge­bot auf zu we­nig Nach­fra­ge trifft, weil die Un­ter­neh­men zu we­nig in­ves­tie­ren und der Staat den Haus­halt aus­gleicht, wan­dert das neue Ka­pi­tal ins Aus­land und er­zeugt ei­nen Leis­tungs­bi­lanz­über­schuss (Ex­por­te mi­nus Im­por­te). Gleich­zei­tig sinkt der In­lands­zins auf Null, wäh­rend die Un­ter­neh­men selbst die güns­ti­ge­ren Be­din­gun­gen nicht für zu­sätz­li­che In­ves­ti­tio­nen nüt­zen.

In die­ser La­ge muss der Staat mit zu­sätz­li­chen In­ves­ti­tio­nen ein­sprin­gen. Nur so kann der Zins vom Null­ni­veau wie­der stei­gen. Und es gibt wahr­lich ge­nug zu tun: Un­se­re phy­si­sche und di­gi­ta­le In­fra­struk­tur ist ma­ro­de und rück­stän­dig. Das er­fah­ren Au­to­fah­rer, Bahn­rei­sen­de und Mo­bil­funk­kun­den täg­lich.

Es muss frei­lich ein Li­mit ge­ben, sonst ge­ra­ten die Haus­hal­te bei aus­ga­be­freu­di­gen Po­li­ti­kern schnell wie­der in ein Un­gleich­ge­wicht. Aber mehr als 0,35 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts, zu de­nen sich der Bund der­zeit ver­schul­den darf, darf es schon sein.

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