Viel Pflicht­er­fül­lung und ei­ne Bla­ma­ge

Die Bi­lanz des Eu­ro­pa­po­kal-auf­takts fällt für die deut­schen Klubs we­nig eu­pho­risch aus. Licht­blick ist der BVB.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - SPORT - VON RO­BERT PETERS

DÜS­SEL­DORF Der Un­ter­schied zwi­schen An­spruch und Wirk­lich­keit lag zwi­schen Fan-cho­reo­gra­phie und An­zei­ge­ta­fel. Auf ei­nem gro­ßen Spruch­band träum­te Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bachs An­hang vor dem Eu­ro­pa-le­ague-spiel ge­gen den Wolfs­ber­ger AC schon mal vom End­spiel in Dan­zig, auf der Vi­deo­ta­fel stand die Wahr­heit: 0:4 ge­gen den kras­sen Au­ßen­sei­ter aus Ös­ter­reich, des­sen ge­sam­te Mann­schaft un­ge­fähr den Markt­wert des Glad­ba­cher Tor­hü­ters Yann Som­mer hat. Die Nie­der­la­ge der Bo­rus­sia war aus Sicht der deut­schen Teil­neh­mer der kla­re Tief­punkt zum Auf­takt der eu­ro­päi­schen Wett­be­wer­be. Wun­der­din­ge ver­rich­te­ten aber auch die an­de­ren Bun­des­li­gis­ten nicht.

Dem Glad­ba­cher Kol­lek­tiv­ver­sa­gen am nächs­ten kam noch der rhei­ni­sche Nach­bar aus Le­ver­ku­sen. Auch er un­ter­lag ei­nem Au­ßen­sei­ter in sei­ner Cham­pi­ons-le­ague-grup­pe. Lo­ko­mo­ti­ve Mos­kau nutz­te Bay­ers Schläf­rig­keit und Kon­zen­tra­ti­ons­män­gel beim 2:1 in der Le­ver­ku­se­ner Are­na.

Nur in der Hö­he über­ra­schend war die 0:3-Heim­nie­der­la­ge von Ein­tracht Frank­furt ge­gen Ar­senal Lon­don. Die Ein­tracht, in der Vor­sai­son noch Halb­fi­na­list der Eu­ro­pa Le­ague, hat durch den Ver­lust sei­ner viel­ge­prie­se­nen Drei­mann-büf­fel­her­de Re­bic, Hal­ler, Jo­vic viel Wucht ein­ge­büßt. Die Ein­tracht brach­te zwar die rich­ti­ge Ein­stel­lung auf den Ra­sen, schei­ter­te aber im of­fen­si­ven Be­mü­hen an man­gel­haf­ter de­fen­si­ver Ab­stim­mung. Ar­senal ließ sich nicht lan­ge bit­ten und er­ziel­te sei­ne To­re, oh­ne da­bei an die Leis­tungs­gren­ze ge­hen zu müs­sen.

Der VFL Wolfs­burg war in der Eu­ro­pa Le­ague ge­gen PFK Oleksand­ri­ja aus der Ukrai­ne eben­falls nie in rich­ti­ger Ge­fahr. Der 3:1-Er­folg war kei­ne Über­ra­schung, aber der Blick nach Glad­bach und Le­ver­ku­sen be­weist, dass auch Pflicht­sie­ge erst ein­mal her­aus­ge­schos­sen wer­den müs­sen.

Bo­rus­sia Dort­mund brach­te ge­gen den FC Bar­ce­lo­na nicht nur ei­ne or­dent­li­che Ein­stel­lung mit, son­dern bot auch ei­ne se­hens­wer­te Vor­stel­lung. Der Vi­ze­meis­ter lie­fer­te zum Cham­pi­ons-le­ague-auf­takt wahr­schein­lich die bes­te fuß­bal­le­ri­sche Leis­tung al­ler deut­schen Teams, aber er be­lohn­te sich da­für nicht. Das tor­lo­se Un­ent­schie­den drückt nicht ge­recht aus, was sich auf dem Ra­sen ge­tan hat­te. Selbst­ver­trau­en be­zie­hen die Dort­mun­der trotz­dem aus die­ser Be­geg­nung mit ei­ner der bes­ten Mann­schaf­ten der Welt. Sie ha­ben sich ganz ne­ben­bei selbst be­wie­sen, dass sie (an­ders als in der Vor­sai­son) gro­ße de­fen­si­ve Qua­li­tä­ten ha­ben.

Der ei­gent­li­che Ge­win­ner des ers­ten Spiel­tags in Eu­ro­pa ist al­ler­dings RB Leip­zig, das 2:1 bei Ben­fi­ca Lis­s­a­bon ge­wann. Der Em­por­kömm­ling im deut­schen Fuß­ball of­fen­bar­te in der Meis­ter­klas­se deut­lich ge­stie­ge­ne Rei­fe, spie­le­ri­sches Ver­mö­gen und die not­wen­di­ge Ru­he. Ob es den An­hän­gern der Tra­di­ti­ons­klubs ge­fällt oder nicht: Leip­zig wird ganz zwangs­läu­fig auch auf in­ter­na­tio­na­lem Par­kett ei­ne Grö­ße.

Die Bay­ern sind das schon lan­ge. Und sie be­wie­sen all den Möch­te­gern-spit­zen­mann­schaf­ten, dass grö­ße­re Klas­se in Kom­bi­na­ti­on mit dem Blick für das Not­wen­di­ge die rich­ti­gen Er­geb­nis­se bringt. Das 3:0 ge­gen Ro­ter Stern Bel­grad war Er­geb­nis ei­ner pro­fes­sio­nel­len Her­an­ge­hens­wei­se. In die­ser Hin­sicht sind die Münch­ner der Kon­kur­renz im­mer noch ein or­dent­li­ches Stück vor­aus.

Ganz si­cher den Mön­chen­glad­ba­chern. De­ren Trai­ner Mar­co Ro­se be­müh­te nach dem fuß­bal­le­ri­schen Of­fen­ba­rungs­eid sei­ner Mann­schaft zu­nächst mal ei­nen All­ge­mein­platz. „Es gibt Aben­de, die lau­fen so“, sag­te er. Er sag­te aber auch: „Wir müs­sen das Spiel nut­zen, um dar­über zu re­den und ein paar grund­sätz­li­che Din­ge zu­recht­zu­rü­cken.“Das ist ein kun­di­ges Ur­teil. Zu­nächst ein­mal geht es dar­um, den Mön­chen­glad­ba­cher Spie­lern et­was vom Ernst des Be­rufs­le­bens zu ver­mit­teln. Sie wa­ren an die­sem Abend dem Gast aus Ös­ter­reich nicht nur in ver­blüf­fen­der Wei­se tak­tisch un­ter­le­gen, son­dern vor al­len Din­gen in Fra­gen der Hin­ga­be ans Spiel. Bei den Glad­ba­chern schien sich nach der or­dent­li­chen Vor­stel­lung beim Der­by in Köln die Auf­fas­sung durch­ge­setzt zu ha­ben, der Winz­ling aus der ver­meint­li­chen Ope­ret­ten­li­ga Ös­ter­reich sei im Vor­bei­sch­len­dern zu be­zwin­gen. Das ist nicht nur ein fahr­läs­si­ger Irr­tum im Pro­fi­fuß­ball des Jah­res 2019, es ist ar­ro­gant.

Die Zu­schau­er re­agier­ten erst mit ver­blüf­fen­der Ver­zö­ge­rung auf die be­schä­men­de Leis­tung. Zur Halb­zeit gab es Pfif­fe, aber erst nach dem 0:4 ver­lie­ßen die Fans in Scha­ren den Ort der Ver­an­stal­tung. Zu­min­dest er­spar­ten sie sich und den tap­fer aus­har­ren­den Be­su­chern durch ge­staf­fel­te Ab­fahrt den üb­li­chen Stau. Ein Trost in die­ser Nacht. Ein schwa­cher Trost.

FO­TO: AP

Do­ku­ment ei­nes er­staun­li­chen Spiel­ver­laufs: Nach nicht ein­mal 70 Mi­nu­ten lag Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach ge­gen Wolfs­berg mit 0:4 zu­rück.

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