Über­grif­fe auf Mäd­chen auf­ge­klärt

Ein 25 Jah­re al­ter Mann soll vier Mäd­chen in Bilk und Fried­rich­stadt über­fal­len und an­ge­fasst ha­ben. Bei ei­nem Ver­such in Lie­ren­feld tat ei­ne Nach­ba­rin das Rich­ti­ge: Sie rief die Po­li­zei. Jetzt ist der Mann in Haft.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - DÜSSELDORF - VON HE­LE­NE PAWLITZKI

Für El­tern in den Düs­sel­dor­fer Stadt­tei­len Bilk und Fried­rich­stadt muss das ver­gan­ge­ne Jahr vol­ler An­span­nung ge­we­sen sein. En­de Ja­nu­ar wur­de be­kannt, dass ein Un­be­kann­ter zwei Mäd­chen be­drängt und be­läs­tigt hat­te. Of­fen­bar ein und der­sel­be Tä­ter hat­te am 25. Ja­nu­ar ge­gen 13.30 Uhr ei­ne 13-Jäh­ri­ge in ih­ren Haus­flur in der Bin­te­rim­stra­ße ge­zerrt und an­ge­fasst. Sie wehr­te sich hef­tig – er floh. Aber nicht­weit. „Ei­ne hal­be St­un­de nach dem ers­ten An­ruf be­ka­men wir den zwei­ten“, er­in­nert sich Sabine Supp­ly, stell­ver­tre­ten­de Lei­te­rin des Kri­mi­nal­kom­mis­sa­ri­ats 12, das sich mit Se­xu­al­straf­ta­ten be­fasst. Um14 Uhr soll der Tä­ter in der Kron­prin­zen­stra­ße im Haus­flur ge­war­tet ha­ben, bis ei­ne Zehn­jäh­ri­ge die Tür auf­schloss. Auch hier pack­te der Tä­ter zu, floh aber, nach­dem sich das Kind wehr­te.

Be­reits nach die­sen Fäl­len wa­ren die El­tern in Bilk in Auf­ruhr. Die­se Angst ver­tief­te sich, als im März – wie­der an ei­nem Frei­tag­nach­mit­tag – ei­ne Elf­jäh­ri­ge in der Eli­sa­beth­stra­ße be­drängt wur­de. Dies­mal soll der Tä­ter hin­ter dem Mäd­chen durch die sich lang­sam schlie­ßen­de Tür ge­schlüpft sein. Auch hier kam es nicht zum Äu­ßers­ten, weil das Mäd­chen um sich trat.

Die Er­mitt­ler schick­ten Zi­vil­fahn­der in den Stadt­teil, be­son­ders an Frei­tag­nach­mit­ta­gen. Sie gin­gen auch Be­rich­te aus der Ver­gan­gen­heit durch: War je­mand auf­fäl­lig ge­wor­den, auf den die Tä­ter­be­schrei­bung pass­te? Ver­geb­lich. Am 21. Mai kam es zum nächs­ten Über­griff. Und dies­mal es­ka­lier­te die Vor­ge­hens­wei­se des Tä­ters. Er klin­gel­te ge­gen 17.30 Uhr an der Tür ei­ner Woh­nung in der Scheu­ren­stra­ße in Fried­rich­stadt. Ei­ne Neun­jäh­ri­ge, die al­lein zu Hau­se war, öff­ne­te die Tür. Er sei ein Freund der Mut­ter, ob er auf sie war­ten dür­fe, frag­te der Mann. Das Mäd­chen woll­te in sei­nem Zim­mer die Mut­ter an­ru­fen. Doch er stürm­te laut Po­li­zei hin­ter­her und nahm ihr das Han­dy weg, leg­te es auf ei­nen ho­hen Schrank. „Er hat dann ver­sucht, sie an­zu­fas­sen“, sagt Er­mitt­le­rin Sabine Supp­ly. „Als sie schrie und sich wehr­te, be­gann er, sie zu wür­gen.“Das Kind ha­be sich fal­len las­sen, so dass es wie­der schrei­en konn­te. Dar­auf­hin sei der Tä­ter ge­flo­hen.

Die Po­li­zei er­stell­te ein Phan­tom­bild und wer­te­te Vi­deo­se­quen­zen ei­ner na­hen Über­wa­chungs­ka­me­ra aus. „Doch es ka­men nicht vie­le Hin­wei­se“, so Supp­ly. Im­mer­hin: An zwei Tat­or­ten hat­te der Tä­ter DNA hin­ter­las­sen, an ei­nem wei­te­ren Dna-frag­men­te. Doch bis­lang fehl­ten kon­kre­te Er­mitt­lungs­an­sät­ze.

Dass nun ein Mann in Haft sitzt, des­sen DNA mit der aus den drei Fäl­len über­ein­stimmt, ist maß­geb­lich ei­ner Lie­ren­fel­de­rin zu ver­dan­ken. Am ver­gan­ge­nen Di­ens­tag (10. Sep­tem­ber) war ei­ne Zehn­jäh­ri­ge in der Stra­ße Heim­gar­ten nach Hau­se ge­kom­men, nur um fest­zu­stel­len, dass sie ih­ren Schlüs­sel ver­ges­sen hat­te. „Der Mann, den wir für den Tä­ter hal­ten, kam vor­bei und sprach sie an“, sagt Supp­ly. „Er bot ihr an, man kön­ne doch ge­mein­sam ein Eis es­sen.“

Es han­delt sich um ei­nen 25 Jah­re al­ten ge­bür­ti­gen Düs­sel­dor­fer, der in Un­ter­bilk wohnt. „Er macht ei­nen net­ten, freund­li­chen Ein­druck“, sagt Sabine Supp­ly. Der Ar­beits­lo­se war ei­ner Nach­ba­rin nach ei­ge­nen An­ga­ben vor­her schon in der Stra­ße auf­ge­fal­len, wie er schein­bar ziel­los um­her­lief. Ihr war die Si­tua­ti­on ver­däch­tig – sie rief die Po­li­zei. Wie sich bei ei­ner Kon­trol­le der Per­so­na­li­en her­aus­stell­te, wur­de der 25-Jäh­ri­ge mit Haft­be­fehl ge­sucht, weil er ei­ne Geld­stra­fe we­gen So­zi­al­be­trugs nie be­zahlt hat­te. Die Be­am­ten, die ihn fest­nah­men, er­in­ner­ten sich an die Be­läs­ti­gungs­fäl­le aus Bilk und Fried­rich­stadt. Der Fall lan­de­te beim Fach­kom­mis­sa­ri­at.

„Wir wa­ren elek­tri­siert“, be­schreibt Supp­ly die Stim­mung. Ei­ne ei­lends ent­nom­me­ne Spei­chel­pro­be brach­te sie per­sön­lich ins La­bor des Lan­des­kri­mi­nal­amts, wo au­ßer­ge­wöhn­lich schnell ein Er­geb­nis ge­lie­fert wur­de: Über­ein­stim­mung.

Nun hofft die Po­li­zei, dass sich wei­te­re Op­fer mel­den. Der mut­maß­li­che Tä­ter äu­ßert sich nicht zu den Vor­fäl­len. Er soll vor ei­nem Jahr schon ein­mal ei­ne 17- und ei­ne 19-Jäh­ri­ge auf der Stra­ße an­ge­spro­chen ha­ben. Zu ei­ner An­zei­ge kam es da­mals nicht. Ne­ben sei­ner Ver­ur­tei­lung we­gen So­zi­al­be­trugs war er be­reits zwei Mal po­li­zei­lich in Er­schei­nung ge­tre­ten: ein­mal we­gen Dieb­stahls, ein­mal we­gen ei­nes An­griffs auf ei­nen Rhein­bahn-kon­trol­leur.

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