Kin­der rei­sen vom Nord­pol bis zur Vil­la Kunterbunt

Beim El­tern-kind-kurs „Be­we­gung und Spiel“des Asg-bil­dungs­fo­rums wer­den die jun­gen und al­ten Teil­neh­mer in Be­we­gung ge­bracht. Nicht nur El­tern be­glei­ten ih­re Zög­lin­ge zum Kurs.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - FAMILIENLE­BEN IN DÜSSELDORF - VON CHRIS­TOPH WE­GE­NER

Wenn man die Hal­le beim El­ternKind-kurs „Be­we­gung und Spiel“des Asg-bil­dungs­fo­rums be­tritt, dann hat man im ers­ten Mo­ment ein biss­chen das Ge­fühl, in­mit­ten ei­nes Floh­zir­kus zu ste­hen. Über­all lau­fen Kin­der aus­ge­las­sen durch den Raum, ba­lan­cie­ren mit der Hil­fe von Er­wach­se­nen über brau­ne Turn­käs­ten oder be­schäf­ti­gen sich mit bun­ten Tüchern und Bäl­len. Es wird ge­lacht, ge­spielt und ab und zu auch mal ge­strit­ten. Dass die Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten nur von kur­zer Dau­er sind und sich nie­mand beim Her­um­tol­len ver­letzt, ist der pro­fes­sio­nel­len Lei­tung von Ag­nes Beu­lich zu ver­dan­ken. Auch wenn es im ers­ten Mo­ment viel­leicht nicht so aus­sieht: Die Trai­ne­rin hat ih­re klei­nen Teil­neh­mer zu je­dem Zeit­punkt un­ter Kon­trol­le. So reicht nur ein kur­zer Zu­ruf von der 51-Jäh­ri­gen und das un­über­sicht­li­che Trei­ben kommt schlag­ar­tig zur Ru­he. „Krea­ti­ves Cha­os ist schön und macht Spaß, aber es muss al­les im Rah­men blei­ben“, er­zählt Beu­lich. „Es ist wich­tig, den Kin­dern von Be­ginn an Gren­zen auf­zu­zei­gen. Gleich­zei­tig ha­ben die Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen na­tür­lich auch ei­ne Auf­sichts­pflicht.“Als wol­le Lot­te die­se Aus­sa­ge un­ter­strei­chen, sieht man, wie die Drei­jäh­ri­ge in ei­ni­ger Ent­fer­nung fast von ei­nem der Turn­käs­ten kippt. Ih­re Oma Susanne Ser­va­ti­us ist je­doch so­fort zur Stel­le und hält das blond­haa­ri­ge Mäd­chen fest. Die 62-Jäh­ri­ge be­glei­tet be­reits das drit­te En­kel­kind beim El­tern-kind-kurs: „Die El­tern ha­ben zu Hau­se ge­nug da­mit zu tun, die bei­den Jungs zu de­ren Ter­mi­nen zu brin­gen. Des­we­gen über­neh­me ich ger­ne hier die Auf­sicht“, er­zählt Ser­va­ti­us, wäh­rend sie Lot­te da­bei hilft, vom Kas­ten her­un­ter­zu­klet­tern. „Kin­der be­we­gen sich ein­fach ger­ne und es ist im­mer gut, wenn sie da­bei an­ge­lei­tet wer­den.“

Bei der Sport­stun­de dreht sich al­les um Pip­pi Langs­trumpf. Die Kurs­teil­neh­mer ha­ben gut zwei St­un­den lang Zeit, die Vil­la Kunterbunt ge­mein­sam zu ent­de­cken. Die Hei­mat der welt­be­kann­ten Fi­gur von As­trid Lind­gren ist in die­sem Fall je­doch kein ver­win­kel­tes Haus, son­dern ein Ge­schick­lich­keits­par­cours, der sich aus Bän­ken, Käs­ten und Mat­ten zu­sam­men­setzt. Es dau­ert nicht lan­ge, bis die auf­ge­bau­ten Hin­der­nis­se von den Kin­dern in Be­schlag ge­nom­men wer­den. „Mein Mann und ich trei­ben selbst ger­ne Sport und die klei­ne Maus scheint das von uns ge­erbt zu ha­ben“, be­rich­tet Ka­trin Braun mit ei­nem La­chen. Sie ist froh, mit dem El­tern-kind-kurs ein pas­sen­des Frei­zeit­pro­gramm für ih­re Toch­ter No­ra und sich ge­fun­den zu ha­ben: „Egal, ob man nach ei­nem Ki­ta Platz sucht oder das Kind beim Schwimm­kurs an­mel­den möch­te: Es ist in­zwi­schen über­all schwer, noch ei­nen Platz zu be­kom­men“, er­zählt die 38-Jäh­ri­ge.

Gut 190 Kin­der plus ih­rer Be­gleit­per­so­nen neh­men wö­chent­lich an den ins­ge­samt 16 an­ge­bo­te­nen Sport­kur­sen von Ag­nes Beu­lich teil. Die Ten­denz ist stei­gend, denn auf­grund der ho­hen Nach­fra­ge ver­sucht das Asg-bil­dungs­fo­rum das Kurs­an­ge­bot ste­tig wei­ter aus­zu­bau­en. Schon we­gen der ein­ge­schränk­ten Zei­ten, die für Kur­se die­ser Art in Fra­ge kom­men, ist das al­ler­dings kein leich­tes Un­ter­fan­gen. „Da in vie­len Fa­mi­li­en in­zwi­schen bei­de El­tern­tei­le ar­bei­ten, ha­ben wir ei­ne Mehr­zahl der Kur­se in den Nach­mit­tag ge­legt“, be­rich­tet Chris­ti­an Pres­ser, päd­ago­gi­scher Mit­ar­bei­ter bei der ASG. „Gleich­zei­tig darf das Gan­ze auch nicht zu spät statt­fin­den, da­mit die Kin­der nicht vor Mü­dig­keit um­kip­pen.“

War­um sich vie­le El­tern, trotz ih­res eng ge­tak­te­ten All­tags, so für das Frei­zeit­pro­gramm in­ter­es­sie­ren, wird schnell klar, wenn man die Teil­neh­mer in der Hal­le be­ob­ach­tet: Vom ers­ten Auf­wärm­spiel an sind die Er­wach­se­nen mit ge­nau­so viel Be­geis­te­rung da­bei wie ih­re Kin­der und ge­nie­ßen sicht­lich die ge­mein­sa­me Aus­zeit. Vie­le der Teil­neh­mer wol­len die wö­chent­li­chen Kurs­tref­fen auf kei­nen Fall mehr mis­sen: „Es ist wich­tig, dass das Kind die An­we­sen­heit sei­ner El­tern spürt“, be­rich­tet ein jun­ger Va­ter, der lie­ber an­onym blei­ben möch­te. „Des­we­gen ma­che ich für den Kurs im­mer frü­her Fei­er­abend, egal was auf der Ar­beit noch an­steht. Es gibt ein­fach Din­ge, die wich­ti­ger sind als Geld zu ver­die­nen.“– Da­mit ga­ran­tiert kei­ne Lan­ge­wei­le auf

kommt, macht Ag­nes Beu­lich je­de Wo­che et­was Neu­es mit den Kurs­teil­neh­mern. So ler­nen die Kin­der zum Bei­spiel mit Lars, dem klei­nen Eis­bä­ren, war­um sich die wei­ßen Vier­bei­ner und Pin­gui­ne nie­mals tref­fen kön­nen und er­fah­ren durch die Rau­be Nim­mer­satt mehr über ver­schie­de­ne Obst- und Ge­mü­se­sor­ten. Das bun­te Pro­gramm über­zeugt auch die Teil­neh­mer: „Ag­nes hat im­mer groß­ar­ti­ge, krea­ti­ve und auch ver­rück­te Ide­en.

Da­durch ist der Kurs deut­lich mehr als blo­ßes Kin­der­tur­nen“, er­zählt Braun, wäh­rend sie ih­rer Toch­ter No­ra gera­de, wie von die­ser ge­for­dert, ein grü­nes Tuch als Um­hang um die Schul­tern legt. Noch be­vor der Stoff rich­tig sitzt, läuft die Vier­jäh­ri­ge schon wie­der la­chend zu­rück zu den an­de­ren Kin­dern. Für ei­ne Pau­se hat sie schließ­lich im­mer noch Zeit, wenn das Aben­teu­er in der Vil­la Kunterbunt wie­der vor­bei ist.

RP-FO­TO: ANDRE­AS ENDERMANN

Beim El­tern-kind-kurs „Be­we­gung und Spiel“geht es um das The­ma „Pip­pi Langs­trumpf“.

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