Mi­kro­apart­ments für die Re­thel­stra­ße

Seit 2014 sind die eins­ti­gen Bor­del­le von Bert Wol­lers­heim an der Re­thel­stra­ße ge­schlos­sen wor­den. Ide­en für das Are­al hat es be­reits ei­ni­ge ge­ge­ben. Die schei­ter­ten meist an den Kos­ten. Jetzt hat ein In­ves­tor ei­nen Bau­an­trag ge­stellt.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - STADTTEILE NORD / OST - VON NI­CO­LE KAMPE

DÜSSELTAL Es gab ei­ne Zeit, da war die Re­thel­stra­ße be­rüch­tigt. Cham­pa­gner, nack­te Haut, Män­ner auf der Su­che nach Spaß. Bert Wol­lers­heim schuf an der Re­thel­stra­ße ei­ne Welt, die an­ders war, ver­bo­ten und doch so ge­fragt. Und ir­gend­wann ging die­se Welt un­ter – 2014, als die Bor­del­le ge­schlos­sen wur­den. Ge­blie­ben sind die Häu­ser an der Re­thel­stra­ße, die al­ten Bor­del­le, die lee­ren Lie­bes-zim­mer, schon kurz nach der Schlie­ßung for­der­ten die Ers­ten Woh­nungs­bau auf den Grund­stü­cken. Ver­schie­de­ne An­läu­fe hat­te es ge­ge­ben, Ide­en, die im­mer am Preis, an der Wirt­schaft­lich­keit schei­ter­ten.

Doch es gibt ei­nen In­ves­tor, der es jetzt ernst meint mit sei­ner Pla­nung. Die List-grup­pe hat ei­nen Bau­an­trag ge­stellt für das Grund­stück mit den Num­mern 73, 75 und 77, sie will dort ein Wohn­haus er­rich­ten mit 70 Ein­hei­ten plus zwei wei­te­ren im In­nen­hof – al­les Mi­kro­apart­ments, die zwi­schen 17 und 27 Qua­drat­me­ter groß sind. „Für Be­rufs­ein­stei­ger und Wo­chen­end­pend­ler“, sagt An­ja Fe­der­lein von der Bau­auf­sicht, die das Pro­jekt in der Be­zirks­ver­tre­tung 2 vor­stellt. Da­zu gibt es Ge­mur­mel im Sit­zungs­saal, et­wa, dass es schon im­mer viel Kom­men und Ge­hen in den klei­nen Zim­mern ge­ge­ben hat.

„Es ist gut, dass die Ber­ti-wol­lers­heim-ge­dächt­nis­stät­te end­lich ver­schwin­det“, fin­det der par­tei­lo­se Ha­rald Gas­pers, der sich aber et­was Nach­hal­ti­ge­res ge­wünscht hät­te, nicht nur tem­po­rä­ren Miet­raum. Bri­git­te Reich (Grü­ne) ist zwar zu­frie­den, dass der In­nen­hof ent­sie­gelt wird, kann aber nicht nach­voll­zie­hen, war­um ein In­nen­hof­ge­bäu­de mit zwei Apart­ments ge­plant ist. An­ne­lies Bö­cker (CDU) for­mu­liert es so: „War­um wird für den hin­te­ren Teil über­haupt in Er­wä­gung ge­zo­gen, zwei Bun­ga­lows hin­zu­knal­len?“Für sie ist die Darstel­lung der Ver­wal­tung wie so oft un­ver­ständ­lich.

Bei Ulf Mon­ta­nus läu­ten gleich die Alarm­glo­cken, wenn er Mi­kro­apart­ments hört: „Mir kommt so­fort Airb­nb in den Sinn“, sagt der FDP-PO­li­ti­ker. „Mit dem Gar­ten­haus ist für uns die Vor­la­ge nicht zu­stim­mungs­fä­hig“, fasst es Ha­rald Neu­haus (CDU) zu­sam­men – auch wenn das Gre­mi­um ei­gent­lich nur über die Be­frei­ung der fest­ge­setz­ten Flucht­li­nie und die Ab­lö­sung von Stell­platz­ver­pflich­tun­gen be­schlie­ßen soll. „Der Bau­kör­per samt Gar­ten­haus ist pla­nungs­recht­lich zu­läs­sig“, sagt Fe­der­lein.

Über ei­nen Bau­an­trag ab­zu­stim­men, der so nicht ein­ge­reicht wur­de, be­rei­tet Be­zirks­bür­ger­meis­ter Uwe Wa­gner (SPD) dann auch Bauch­schmer­zen, „Sie kön­nen den An­trag ab­leh­nen und zu Pro­to­koll ge­ben, dass es am Häu­schen schei­ter­te“, sagt Ger­hard Aschen­dorf, Lei­ter der Be­zirks­ver­wal­tungs­stel­le. So weit soll es dann aber nicht kom­men, Raoul Schmid von der List-grup­pe lenkt ein, auch wenn sein Vor­ge­hen nicht ganz ord­nungs­ge­mäß ist. „Oh­ne Gar­ten­haus tut es weh, aber dar­an soll es nicht schei­tern“, so Schmid, der noch mal ver­deut­licht, dass er und sein Team das Are­al ernst­haft ent­wi­ckeln wol­len. „Wir sind kei­ne Spe­ku­lan­ten“, sagt Schmid, 3000 Pro­jek­te ha­be die Fir­ma be­reits rea­li­siert. „Bau­en ist un­ser Ding, wir kön­nen was aus den al­ten Bor­del­len ma­chen.“Mit ei­ner knap­pen Mehr­heit wird die kurz­fris­tig ge­än­der­te Vor­la­ge be­schlos­sen, „auf die­ser Ba­sis könn­te Bau­recht er­teilt wer­den“, sagt Aschen­dorf.

ANI­MA­TI­ON: LIST DEVELOP RESIDENTIA­L/RKW AR­CHI­TEK­TEN

Der Bau­an­trag ist oh­ne die Bun­ga­lows im Hin­ter­hof in der Be­zirks­ver­tre­tung be­schlos­sen wor­den.

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