Im süd­schwe­di­schen Scho­nen sind auch El­che zu se­hen

Süd­schwe­den bie­tet für Na­tur­lieb­ha­ber ein Fleck­chen zum Ent­span­nen, da­zu Stock­ro­sen, Wi­kin­ger­stei­ne und viel Platz zum An­geln.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - REISE&WELT - VON JÖRG MANHOLD

Wo die Son­ne im Som­mer früh er­wacht und abends spät schla­fen geht, dort liegt das Sehn­suchts­land der Ge­nie­ßer. Schwe­den, oder noch bes­ser Süd­schwe­den, Scho­nen. Von hier aus soll einst der Dä­um­ling Nils Hol­gers­son mit den Wild­gän­sen ge­star­tet sein zu sei­nem aben­teu­er­li­chen Flug über die end­lo­sen Wei­ten der skan­di­na­vi­schen Halb­in­sel.

Zwi­schen nicht en­den wol­len­den Wei­zen­fel­dern sind ein­sa­me Hö­fe in die Land­schaft ge­tupft. Und von Zeit zu Zeit lädt ein Städt­chen zum An­hal­ten und Bum­meln ein. Dann zei­gen sich reet­dach­ge­deck­te Häu­ser mit Stock­ro­sen in al­len Far­ben an der Fas­sa­de. Ro­ter Back­stein, Fach­werk und im­mer wie­der die rot ge­tünch­ten Holz­häu­ser, wie sie für Skan­di­na­vi­en so ty­pisch sind. Hier schlägt die Zeit in ei­nem lang­sa­me­ren Takt.

Wer gleich zu Be­ginn sei­ner Ur­laubs­rei­se ge­müt­lich ma­chen will, der wählt aus dem Rhein­land den Weg über die A1 an Bre­men und Ham­burg vor­bei und fährt abends in Tra­ve­mün­de auf die Au­to­fäh­re der TTL-LI­NE. Ab­fahrt 22 Uhr, Un­ter­brin­gung in ei­ner ge­räu­mi­gen Ka­jü­te, Früh­stück um 6 Uhr, an­le­gen in Trel­le­borg so kurz nach 7 Uhr am Mor­gen. Ei­ne klei­ne Kreuz­fahrt für den An­fang.

Am Mor­gen der ers­te Kon­takt mit der frü­he­ren Wi­kin­ger­kul­tur. Die al­te Burg aus Holz­pfäh­len in Trel­le­borg ist ei­nen Zwi­schen­stopp wert. Mit dem Au­to dau­ert es un­ge­fähr ei­ne St­un­de Rich­tung Os­ten in das Ha­fen­städt­chen Ystad, das un­ter Kri­mi­fans den elek­tri­sie­ren­den Ruf ge­nießt, die Hei­mat be­son­ders vie­ler Mor­de zu sein. Denn hier er­mit­telt Kurt Wal­lan­der, der Kom­mis­sar aus der Fe­der von Best­sel­ler­au­tor Hen­ning Man­kell.

Der lässt sein Al­ter ego in den kon­tem­pla­ti­ven Mo­men­ten Zimt­schne­cken in Fridolfs Kon­di­to­rei kau­fen, di­rekt ge­gen­über dem Dorf­platz vor dem Stadt­mu­se­um. Von hier aus gibt es Stadt­rund­fahr­ten mit ei­nem Old­ti­mer-feu­er­wehr­au­to auf den Spu­ren Kurt Wal­lan­ders. Vie­le fra­gen nach dem Kom­mis­sar, der der Haupt­ex­port­ar­ti­kel der Re­gi­on ist. In zwölf Ro­ma­nen tritt der ei­gen­bröt­le­ri­sche Sher­lock auf, in 44 Spra­chen wur­den die Bü­cher über­setzt, 30 Mil­lio­nen Ex­em­pla­re in 100 Län­dern ver­kauft. Das lockt die Men­schen in die ma­le­ri­sche schwe­di­sche Kle­in­stadt.

Gleich in der Nä­he, im Grün­gür­tel des Stran­des gibt es ei­nen gro­ßen Cam­ping­platz und vie­le ge­müt­li­che Holz­bun­ga­lows mit aus­rei­chend gro­ßem Grund­stück, die die Fir­ma No­va­sol ver­mie­tet. Da­bei ist es in der Haupt­sai­son der Som­mer­fe­ri­en gar nicht so ein­fach noch et­was zu be­kom­men, denn Cam­ping liegt im Trend und die Dis­kus­si­on um den Kli­ma­wan­del und die Si­cher­heits­la­ge in der Welt legt den Ur­lau­bern Skan­di­na­vi­en na­he. Wo muss man sonst hin auf den Spu­ren Wal­lan­ders? Zu den Ales Ste­n­ar, den al­ten St­ei­nen, geht der Kom­mis­sar, wenn er nach­den­ken muss. Die 59 al­ten Wi­kin­ger­stei­ne sind bei Kä­se­ber­ga in Form ei­nes Schiffs­rumpfs auf­ge­rich­tet. Der mys­ti­sche Ort ist die ers­te Adres­se auch für Tou­ris­ten. Üb­ri­gens ur­lau­ben Schwe­den gern in Schwe­den. Und so trifft man in der Ge­gend ne­ben et­li­chen Deut­schen über­wie­gend „Sven­s­kar­na“hier.

Ystad sei­ner­seits kon­zen­triert sich aber nicht nur auf den Ruhm des Kom­mis­sars. Im Som­mer gibt es hier seit zehn Jah­ren ei­ne hoch­ka­rä­ti­ges Jazz-fes­ti­val. Im­mer An­fang Au­gust sind hier die Grö­ßen der Sze­ne zu Gast. Die­sen Som­mer wa­ren es et­wa Sa­xo­fo­nist Charles Lloyd, Trom­pe­ter Pao­lo Fre­su und Ak­kor­deo­nist Richard Gal­lia­no.

Und dann ist da noch ganz in der Nä­he das kleins­te Mu­se­um der Welt. Den in Schwe­den welt­be­rühm­ten Volks­ko­mi­kern Has­se und Ta­ge sind in ei­nem al­ten Bahn­häus­chen in Tome­lil­la knapp 15 Qua­drat­me­ter Aus­stel­lungs­flä­che ge­wid­met, die das Film­schaf­fen auf an­schau­li­che und amü­san­te Wei­se dar­stellt. In Deutsch­land wa­ren die bei­den in den 60er und 70er Jah­ren ak­ti­ven Künst­ler im Film „Ap­fel­krieg“zu se­hen. Das Mu­se­um nutzt ge­schickt je­den Win­kel für Ex­po­na­te. Und man hat fast das Ge­fühl in ei­nem aus­zieh­ba­ren Balg ei­nes Ak­kor­de­ons zu ste­hen. Es scheint in­nen grö­ßer als au­ßen.

Stadt­luft schnup­pern lässt sich gut in Mal­mö. Die Stadt liegt di­rekt an der Öre­sund­brü­cke, die seit dem Jahr 2000 Dä­ne­mark mit Schwe­den auf dem Land­weg ver­bin­det. Es ist qua­si das schwe­di­sche Pen­dant zur dä­ni­schen Me­tro­po­le Ko­pen­ha­gen und hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren viel durch­ge­macht. Die Schiffs­bau­er­stadt hat ei­ne schwer­wie­gen­de Struk­tur­kri­se durch­lebt. Wo frü­her die Werf­ten wa­ren, ist in­zwi­schen ein neu­er Stadt­teil ent­stan­den, ganz un­ter dem Leit­wort der Nach­hal­tig­keit. Hier ist be­hag­li­ches Woh­nen und mo­der­nes Le­ben ein und das­sel­be. Wahr­zei­chen des neu­en Le­bens­ge­fühls ist der Turning Tor­so, das ge­wun­de­ne Hoch­haus des spa­ni­schen Ar­chi­tek­ten San­tia­go Ca­lat­ra­va. Mit 190 Me­tern ist es das höchs­te Hoch­haus Skan­di­na­vi­ens. Seit 2005 steht es dort. Über­haupt

ist Mal­mö ei­ne Stadt zwi­schen Tra­di­ti­on und Mo­der­ne. Das zeigt nicht zu­letzt die erst im April ein­ge­weih­te Or­gel in der Haupt­kir­che Sankt Pe­tri. Sie ist kon­stru­iert von der Bon­ner Or­gel­bau­fir­ma Klais und nutzt mo­der­ne Tech­nik, um die neu­en Re­gis­ter mit den al­ten der an­ge­stamm­ten Or­gel zu ver­bin­den.

Wer es ein­rich­ten kann, soll­te ei­nen Trip über die Öre­sund­brü­cke ein­pla­nen, denn auf der an­de­ren Sei­te der Mee­resen­ge liegt die mo­der­ne Welt­stadt Ko­pen­ha­gen, die mit dem Ver­gnü­gungs­park Ti­vo­li und der klei­nen Meer­jung­frau noch nicht ge­nug be­schrie­ben ist. Zum Pflicht­pro­gramm ge­hört un­be­dingt der Wach­wech­sel der Bä­ren­fell­müt­zen vor dem Kö­nigs­pa­last und ein Bum­mel durch die In­nen­stadt, wo es spek­ta­ku­lä­re Lä­den von Le­go und Dis­ney gibt. Weil der An­drang dort so groß ist, wer­den die Kun­den vom Si­cher­heits­dienst nur in klei­nen Grüpp­chen vor­ge­las­sen.

Wer in Süd­schwe­den Ur­laub macht, soll­te sich al­ler­dings nicht all­zu viel Ur­ba­nes vor­neh­men, denn der Land­strich spielt sei­ne gro­ßen Vor­zü­ge vor al­lem bei den Na­tur­at­trak­tio­nen aus. Der schö­ne, schma­le Sand­strand ist sel­ten über­füllt, und je­der fin­det sein Eck­chen. Von Mensch bis Hund ist hier je­der will­kom­men. Und weil die Cam­ping­plät­ze und Bun­ga­low­parks sich ent­lang der gan­zen Küs­te er­stre­cken, ver­tei­len sich die Ur­lau­ber ganz gut auf der gan­zen Breit­sei­te.

Ei­nen ganz be­son­ders gu­ten Ruf hat Scho­nen, oder Ska­ne, wie es auf Schwe­disch heißt, bei Ang­lern. Am Meer, an Flüs­sen und an ei­nem der gro­ßen Se­en, von de­nen es dort so vie­le gibt, ist im­mer et­was zu tun. Die Ta­ges­kar­te fürs An­geln ist ein­fach zu be­kom­men. Wer es nicht bis in den An­gel­la­den in Ystad schafft, kann auch on­line per Han­dy bu­chen. Fo­rel­le, Hecht und Kar­p­fen sind reich­lich vor­han­den. Wem Fisch und Meer zu viel wird, der kann Ska­nes Tier­park in Höör be­su­chen und trifft dort auf Elch und Ren­tier und wei­te­re Be­woh­ner der Skan­di­na­vi­schen Halb­in­sel in­klu­si­ve Ke­gel­rob­be. Die­se Mi­schung aus Frei­zeit- und Tier­park ist ide­al für Kin­der zwi­schen Grund­schul­al­ter und Pu­ber­tät. Hier kön­nen sie auch Shaun das Schaf tref­fen.

Der Spa­zier­gang führt un­ter an­de­rem auf Hän­ge­brü­cken über das Bä­ren- und Wolfs­ge­he­ge. Wie an vie­len Stel­len in Schwe­den, wur­de hier Wert auf Öko­lo­gie und Nach­hal­tig­keit ge­legt. Über­haupt scheint das Land in be­son­de­rer Wei­se ei­ne na­tur­ge­mä­ße Le­bens­wei­se an­zu­bie­ten, was vie­le Ur­lau­ber freu­en dürf­te.

Die Re­dak­ti­on wur­de von No­va­sol auf die Rei­se ein­ge­la­den.

FO­TO: JÖRG MANHOLD

Die al­ten schwe­di­schen Häu­ser sind oft mit Stock­ro­sen und ver­edel­ten Ro­sen ge­schmückt.

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