Sprieß­ge­sel­len

Herbst­zeit ist Pil­ze­zeit. Doch in die­sem Jahr las­sen sie auf sich war­ten – es war zu tro­cken. Die ers­ten Pil­ze sind auf To­t­holz zu fin­den. Ein Ex­per­te gibt Tipps.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - GUT LEBEN - VON MARTINA STÖCKER

Karl-heinz Schmitz freut sich über je­den Re­gen­schau­er. Denn zur­zeit ist Pilz­wet­ter – im­mer wie­der Re­gen und noch re­la­tiv ho­he Tem­pe­ra­tu­ren las­sen die Köp­fe im Wald sprie­ßen. Und so stei­gen für Schmitz, Pilz­sach­ver­stän­di­ger der Deut­schen Ge­sell­schaft für My­ko­lo­gie (DGFM) aus Er­krath, die Chan­cen, bei sei­nen Streif­zü­gen durch den Wald doch et­was zu fin­den. Denn bis­her gab es we­gen der wie­der lang an­hal­ten­den Tro­cken­heit we­nig Pil­ze.

Die ers­ten, die sprie­ßen, sind Tint­lin­ge und Fa­ser­lin­ge. „Sie wach­sen wirk­lich über Nacht“, er­klärt Schmitz. Die meis­ten von ih­nen sind al­ler­dings kei­ne Spei­se­pil­ze und un­ge­nieß­bar. Doch der Schopf-tint­ling sei ei­ne klei­ne De­li­ka­tes­se, den die meis­ten Samm­ler nicht ken­nen. „Er wächst in Parks und auf Wie­sen, der dün­ne Sti­el er­in­nert an ei­ne Spar­gel­stan­ge“, sagt der Ex­per­te. Auch we­gen des fei­nen Ge­schmacks wird er Spar­gel­pilz ge­nannt. Man muss sich al­ler­dings be­ei­len, da er auch schnell ver­gäng­lich ist.

Ne­ben Tint­lin­gen und Fa­ser­lin­gen zei­gen sich vor al­lem Ar­ten, die auf To­t­holz und Baum­stümp­fen wach­sen. Sol­ches Holz kann den Re­gen bes­ser spei­chern als der Bo­den, und der Pilz muss die Feuch­tig­keit nicht mit so vie­len an­de­ren Or­ga­nis­men tei­len. Zum Bei­spiel der Aus­tern­seit­ling, auch ein be­lieb­ter Zucht­pilz, wächst auf Holz, eben­so der Bir­ken­por­ling, der Rie­sen­por­ling, der Schwe­fel­por­ling so­wie das

Stock­schwämm­chen. „Der Schwe­fel­por­ling wird jung ger­ne ge­ges­sen“, er­klärt Schmitz, denn er er­in­ne­re vom Ge­schmack an Hühn­chen. Fin­det man hin­ge­gen äl­te­re Ex­em­pla­re, soll­te man die Fin­ger da­von las­sen – dann ist er zäh und bit­ter.

Selbst Pil­ze zu sam­meln ist in letz­ter Zeit ein Volks­sport ge­wor­den. Doch im letz­ten Dür­re­jahr und bis­her auch in die­sem Jahr hat Kar­lHeinz Schmitz we­ni­ger An­fra­gen zu Ex­kur­sio­nen oder zu Pilz­be­ra­tun­gen be­kom­men. Er sieht den­grund im Wet­ter. Som­mer und Herbst wa­ren ex­trem tro­cken, dann sprie­ßen die Pil­ze nicht. „Wer beim Spa­zie­ren durch den Wald je­doch vie­le Pil­ze sieht, möch­te sie ger­ne ver­wer­ten und in­ter­es­siert sich na­tür­lich viel mehr da­für“, er­klärt der Er­kra­ther.

Be­stim­mungs­kennt­nis­se vor­aus­ge­setzt, soll­te man sich von selt­sa­men For­men und Far­ben nicht ab­hal­ten las­sen. So sind et­wa der Vio­let­te und der Ro­te Lacktrich­ter­ling gu­te Spei­se­pil­ze und auch hübsch an­zu­se­hen. „Von der Mas­se ge­ben sie aber nicht viel her“, er­klärt der Ex­per­te. Des­halb ver­wen­det man sie ger­ne zur Gar­nie­rung von Sa­la­ten. Doch da­bei ist zu be­ach­ten, dass die meis­ten Wild­pil­ze – von we­ni­gen Aus­nah­men ab­ge­se­hen – roh mehr oder we­ni­ger stark gif­tig sind. Des­halb muss man zum Bei­spiel die Lacktrich­ter­lin­ge vor dem Ver­zehr zu­min­dest blan­chie­ren.

Der Halli­masch kommt erst spät im Jahr, nach ihm hält man zur­zeit noch ver­geb­lich Aus­schau. Er wächst auch auf Holz­s­tümp­fen, mit­un­ter sieht man Leu­te, die nur die Pilz­hü­te mit der Sche­re ab­schnei­den und ein­sam­meln. „Das macht dem Pilz nichts aus und auch durch­aus Sinn, weil die Stie­le zäh sind“, sagt Karl-heinz Schmitz. Für ihn hat der Halli­masch kei­nen ho­hen Wert als Spei­se­pilz. Ihn muss man un­be­dingt aus­rei­chend ga­ren, min­des­tens 20 Mi­nu­ten, weil er sonst schlecht be­kömm­lich ist und zu mas­si­ven Be­schwer­den im Ma­gen-darm-trakt füh­ren kann.

Es gibt ei­ni­ge Pil­ze, die se­hen nicht be­son­ders ap­pe­tit­lich aus, sind es aber. Wie­der an­de­re se­hen gut aus und schme­cken so­gar – sind aber töd­lich gif­tig. Ein Bei­spiel da­für ist der Grü­ne Knol­len­blät­ter­pilz. Et­wa 90 Pro­zent der töd­lich ver­lau­fen­den Pilz­ver­gif­tun­gen sind auf ihn zu­rück zu füh­ren. „Über­le­ben­de be­rich­ten, dass er wohl­schme­ckend mit ei­nem nuss­ar­ti­gen Aro­ma sei. Zu­dem duf­tet er süß­lich nach Ho­nig“, sagt Schmitz. Die Be­to­nung liegt auf Über­le­ben­de. Denn die Knol­len­blät­ter­pilz-ver­gif­tung en­det, wenn nicht früh­zei­tig er­kannt und be­han­delt, meist töd­lich. Stark Ver­gif­te­te kön­nen nur durch ei­ne Spen­der­le­ber ge­ret­tet wer­den.

Wer selbst sam­melt, der soll­te nicht nur auf die Art des Pil­zes ach­ten, son­dern auch auf sei­ne Qua­li­tät. „Vie­le wol­len das, was sie selbst ge­fun­den ha­ben, auch un­be­dingt es­sen und ach­ten dann oft nicht mehr auf die Fri­sche“, sagt Schmitz. Wer die­se „über­stän­di­gen“Pil­ze, al­so mat­schi­ge und über­rei­fe Ex­em­pla­re isst, ris­kiert ei­ne Le­bens­mit­tel­ver­gif­tung. Die­se so­ge­nann­te „un­ech­te Pilz­ver­gif­tung“kommt häu­fi­ger vor als die Ver­gif­tun­gen durch Gift­pil­ze.

FOTO: ISTOCK

St­ein­pilz im Re­gen.

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