Fünf nach Zwölf an der Hey­e­stra­ße

Die Händ­ler schla­gen Alarm, Zwangs­ver­stei­ge­run­gen wer­den be­fürch­tet, auch der Zu­sam­men­halt brö­ckelt.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - STADTTEILE NORD / OST - VON MARC INGEL

GER­RES­HEIM Cor­ne­lia Oß­wald kennt sich im Ger­res­hei­mer Süden aus wie kaum ei­ne Zwei­te, 35 Jah­re lebt die evan­ge­li­sche Pfar­re­rin hier. Ihr Wort hat Ge­wicht, und wenn sie von der Ge­gend rund um die Hey­e­stra­ße spricht, fal­len ihr trotz al­ler Pro­ble­me zu­al­ler­erst po­si­ti­ve Din­ge ein: „Die Men­schen re­den Kl­ar­text, sie sind trotz so­zia­ler Pro­ble­me zu­dem Le­bens­künst­ler. Das nach­bar­schaft­li­che En­ga­ge­ment ist rie­sen­groß, die In­te­gra­ti­on funk­tio­niert, die Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Stadt­teil ist enorm. Und: Nie­mand lässt den an­de­ren im Stich.“

Das al­les könn­te Mut ma­chen, ei­ne Per­spek­ti­ve auf­zei­gen, die Stim­mung ist aber ei­ne an­de­re – zu­min­dest un­ter den Händ­lern. In der Sit­zung der Be­zirks­ver­tre­tung 7 war die wirt­schaft­li­che und so­zia­le Si­tua­ti­on im Ger­res­hei­mer Süden The­ma. Zahl­rei­che Na­cken­schlä­ge muss­ten die Ge­schäfts­leu­te in der Ver­gan­gen­heit er­lei­den: War­ten auf das Glas­ma­cher­vier­tel, Weg­fall der Un­fall­kas­se als Ar­beit­ge­ber und der Spar­kas­se, Park­platz­not, Ab­riss und Neu­bau an der Ha­ge­ner Stra­ße, Kon­kur­renz durch die Ben­der­stra­ße so­wie man­geln­de Auf­ent­halts­qua­li­tät. Dass die Stim­mung ent­lang der Ein­kaufs­stra­ße dem­nach nicht ro­sig ist (Leer­stands-quo­te: 25 Pro­zent), war klar. Dass al­les noch viel schlim­mer zu sein scheint, mach­te in der Sit­zung aber der Apo­the­ker Ste­fan Ma­jor klar: „Es ist nicht mehr fünf vor, es ist längst schon fünf nach Zwölf“, klagt er.

Der Kun­den­schwund sei enorm, so­gar ein re­nom­mier­ter La­den wie Ta­bak­wa­ren Philipp den­ke dar­über nach, auf­zu­ge­ben. Soll­te im Glas­ma­cher­vier­tel ein neu­er Voll­sor­ti­men­ter mit vie­len Park­plät­zen hin­kom­men, sei ein sol­cher Pu­bli­kums­ma­gnet der end­gül­ti­ge To­des­stoß für die Hey­e­stra­ße. Dass in dem Neu­bau­vier­tel, des­sen Ent­wick­lung na­tür­lich viel zu lan­ge daue­re, auch noch das ur­sprüng­lich vor­ge­se­he­ne Ge­wer­be­band ge­stri­chen wor­den sei, „ist für uns fa­tal“. Da an der ur­sprüng­li­chen Pla­nung in­zwi­schen so viel her­um­ge­dok­tert wor­den sei, for­dert Ma­jor ei­ne neue Bür­ger­be­tei­li­gung. Oder doch we­nigs­tens ei­nen aus­rei­chend gro­ßen Park&ri­de-platz in der Nä­he, um dem ho­hen Park­druck an der Hey­e­stra­ße Herr zu wer­den.

Die Händ­ler ha­ben sich in­zwi­schen an ei­nen Run­den Tisch ge­setzt, an dem auch die IHK Platz ge­nom­men hat. Sven Schul­te, Re­fe­rent für Han­del und Stadt­ent­wick­lung, weiß um die Sor­gen der Ge­schäfts­leu­te: „Der Hand­lungs­druck ist groß, neue Kauf­kraft kann ei­gent­lich nur durch neu­en Wohn­raum ge­schaf­fen wer­den.“Ob die Händ­ler da­für den not­wen­di­gen lan­gen Atem be­wei­sen, sei of­fen, „es ist aber mit Si­cher­heit der fal­sche An­satz, Kon­kur­renz zu ver­teu­feln, das kann ei­nen Stand­ort auch ins­ge­samt at­trak­ti­ver ma­chen“.

Die Po­li­tik weiß na­tür­lich eben­falls, wo der Schuh drückt. El­ke Fob­be (SPD) hält es al­ler­dings für ver­früht, die Fl­in­te ins Korn zu schmei­ßen. Im Glas­ma­cher­vier­tel und erst recht bei dem Neu­bau­vor­ha­ben ge­gen­über ent­stün­den Gas

tro­no­mie, ein Ho­tel, ei­ne Ki­ta, Ärz­te und An­wäl­te könn­ten sich dort an­sie­deln, die ja auch ein­kau­fen müss­ten. Micha­el Möl­ler (Sport­par­tei) for­dert den­noch ei­ne Task Force der Stadt, um den Weg­fall der Ar­beits­plät­ze bei der Un­fall­kas­se zu kom­pen­sie­ren. Was je­doch für die Händ­ler an der Hey­e­stra­ße noch schlim­mer wie­gen könn­te, sei der „Zer­fall der Ein­heit“, wie Oß­wald be­klagt. Und auch Schul­te for­mu­liert den drin­gen­den Ap­pell: „Ar­bei­ten sie mit­ein­an­der und nicht ge­gen­ein­an­der.“

RP-FOTO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

An der Hey­e­stra­ße in Ger­res­heim herrscht Tris­tesse. Die Händ­ler be­kla­gen mas­si­ve Um­satz­ein­bu­ßen, die Auf­ent­halts­qua­li­tät ist man­gel­haft.

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