Die Kuh ist noch nicht vo­meis

Ein Rind mar­kiert nicht den ein­zi­gen Streit­punkt zwi­schen zwei ent­frem­de­ten Ge­schwis­tern.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - MEDIEN -

DÜSSELDORF (ry) Tie­risch­ehel­den gibt es qu­er durch die Film­ge­schich­te zu­hauf. Ob als­haupt­fi­gur oder Ne­ben­cha­rak­ter – sie sor­gen für ei­nen zu­sätz­li­chen Schau­wert, und nicht sel­ten nimmt man an ih­rem Schick­sal mehr An­teil, als wenn ei­ne mensch­li­che Fi­gur lei­det oder das Zeit­li­che seg­net. Zu den be­rühm­tes­ten Ver­tre­tern ih­rer Art zäh­len der Del­fin Flip­per, der Lang­haar­col­lie Las­sie, Strup­pi aus „Tim und Strup­pi“oder Obe­lix’ Hund Ide­fix. Lan­ge Zeit sorg­te zu­dem­der Af­fe Char­ly in der Se­rie „Un­ser­char­ly“mit sei­nen Al­bern­hei­ten fürer­hei­te­rung be­im­pu­bli­kum– auch­wenn die Sen­dung auf­grund an­hal­ten­der Kri­tik an der Un­ter­brin­gung der Tie­re schließ­lich ein­ge­stellt wur­de. Im heu­ti­gen Ard-fern­seh­film steht nun ein Tier im Fo­kus, das eher sel­ten als­held auf dem­bild­schirm­zu se­hen ist – näm­lich ei­ne­kuh na­mens Glo­ria. Die­se ist das Ein und Al­les der Bran­den­bur­ger Bäue­rin Jut­ta (Dag­mar Man­zel). Glo­ria ist ei­ne Pracht­kuh, die schöns­te im gan­zen Bun­des­land. Nun soll sie Miss Ger­ma­ny wer­den. Für Jut­ta ist Glo­ria Dreh- und An­gel­punkt ih­rer klei­nen Welt; für ih­ren Bru­der Tho­mas (Axel Prahl), der nach dem­tod des Va­ters über­ra­schend zu Be­such kommt, ist die­se Hin­ga­be höchst ir­ri­tie­rend. Zu­ge­ge­ben, Glo­ria ist ein Schmuck­stück, aber doch im­mer noch nur ei­ne Kuh! So et­was darf er aber ge­gen­über Jut­ta gar nicht sa­gen. Und als er dann auch noch dasthe­ma Erb­an­spruch an­schnei­det, brennt die Luft. So­fort sind die Ge­schwis­ter mit­ten im dicks­ten Streit, fast so schön wie frü­her. Aber bei­de spü­ren, dass hin­ter ih­rem­dis­put ei­ne neue Ernst­haf­tig­keit steckt. Kann Jut­ta ihr Le­ben so­wei­ter­füh­ren­wie bis­her und den Bau­ern­hof al­lei­ne schmei­ßen? Und was steckt wirk­lich hin­ter Tho­mas’ plötz­li­chem Auf­tau­chen? Für bei­de ist es an der Zeit, sich ei­ni­gen Wahr­hei­ten zu stel­len. Ingo Ras­per („Hil­fe, wir sind off­line!“, 2016) schrieb und in­sze­nier­te die­se in Bran­den­burg spie­len­de Ko­mö­die, die 2018 auf dem Film­fest Ham­burg ih­re Pre­mie­re fei­er­te. Im­mer per­fekt in Sze­ne ge­setzt wur­de die Kuh Lo­la, die sich als­ti­tel­hel­din„glo­ria“von ih­rer bes­ten Sei­te zeigt. Die Zu­sam­men­ar­beit mit ihr war für Haupt­dar­stel­le­rin Dag­mar Man­zel ei­ne Her­aus­for­de­rung, wie sie im In­ter­view be­ton­te: „Uns war es wich­tig, Ver­trau­en auf­zu­bau­en, da­mit sie die Dreh­ar­bei­ten, die doch manch­mal sehr stres­sig für ein Tier sein kön­nen, gut schafft. Lo­la ist ei­ne wun­der­schö­ne Kuh mit trau­ri­gen Au­gen. Sie hat mir durch ih­re Ge­las­sen­heit und Ru­he das Dre­hen sehr leicht ge­macht. Ich ha­be sie ge­bürs­tet, ge­wa­schen, al­so ein­fach schön ge­macht für die­kuh­schau.“Man­zel er­gänzt: „In­zwi­schen bin ich üb­ri­gens Pa­ten­tan­te von Glo­ri­as klei­nem Kälb­chen ge­wor­den, und im­som­mer­wer­de ich die bei­den be­su­chen.“Ihr Schau­spiel­kol­le­ge Axel Prahl hebt vor al­le­mei­ne Sa­che her­aus, die die Kuh ih­m­vor­aus hat­te: „Un­se­re Glo­ria ist ei­ne trai­nier­te Film­kuh, die­mit derwar­te­rei am Film­set bis­wei­len bes­ser klar kam als ich.“Die meis­te Zeit sorgt das bun­te Trei­ben zwi­schen den drei Prot­ago­nis­ten für amü­san­te Mo­men­te, Re­gis­seur und Dreh­buch­au­tor In­go­ras­per scheu­te sich aber auch nicht da­vor, ein paar erns­te­re­the­men an­zu­schnei­den, wie die Pro­ble­ma­tik, dass Klein­bau­ern suk­zes­si­ve von­groß­in­ves­to­ren auf­ge­kauft­wer­den. Axel Prahl hat da­zu ei­ne kla­re­mei­nung: „Das ist ja lei­der nicht nur in der Land­wirt­schaft so, das gibt es in­zwi­schen in na­he­zu al­len Be­rei­chen: Ein­zel­han­del, Bau­hand­werk, Bä­cke­rei­en, Schlach­ter ... Ich fin­de die­se Ent­wick­lung grau­en­voll! Grau­en­voll und sehr kurz­sich­tig!“Dem stimmt Dag­mar Man­zel zu: „Für­mich ist vor al­lem­mas­sen­tier­hal­tung grau­sam. Und das nur, um den­wahn­sin­nig ho­hen Fleisch­ver­brauch der­men­schen un­nö­tig an­zu­hei­zen. Ein­tier­muss art­ge­recht le­ben kön­nen. Es ist zu­al­ler­erst ein Le­be­we­sen, und das wird aus Pro­fit­gier ein­fach aus­ge­blen­det. Ich es­se kein Fleisch, das ist­mei­ne­reak­ti­on dar­auf.“ Glo­ria, die schöns­te Kuh­mei­ner Schwes­ter, 20.15 Uhr, ARD

FOTO: ARD DEGETO/FRÉDÉRIC BATIER

Tho­mas (Axel Prahl) weiß: Die Kuh Glo­ria ist der Lieb­ling sei­ner Schwes­ter Jut­ta (Dag­marm­an­zel). Doch das ist nicht der ein­zi­ge Grund, der zu Kon­flik­ten zwi­schen den Ge­schwis­tern führt.

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