Vw-mus­ter­pro­zess star­tet Mon­tag

450.000 ge­schä­dig­te Die­sel-fah­rer sind an der Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge ge­gen Volks­wa­gen be­tei­ligt. Wer ei­ne Rechts­schutz­ver­si­che­rung hat, für den dürf­te ei­ne Ein­zel­kla­ge bes­ser sein.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KOWALEWSKY

BRAUN­SCHWEIG Am Mon­tag star­tet vor dem Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig um zehn Uhr die Ver­hand­lung über die von ADAC und dem Ver­brau­cher­zen­tra­len Bun­des­ver­band ( VZBV) or­ga­ni­sier­te Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge we­gen des Vw-die­selskan­dals. 446.000 Bür­ger hat­ten sich zu­letzt als Mit­klä­ger re­gis­trie­ren las­sen, aber für man­che könn­te es schlau­er sein, sich wie­der ab­zu­mel­den. Rund 400 Pro­zess­be­tei­lig­te kön­nen im Con­gress-saal in der Stadt­hal­le Braun­schweig Platz fin­den.

An­mel­dung Bis zum 29. Sep­tem­ber kön­nen sich Ver­brau­cher noch als Be­tei­li­ge an dem für sie kos­ten­lo­sen Ver­fah­ren an­mel­den. Es geht im­mer um Kun­den, die ei­nen Die­sel­mo­tor vom Typ EA 189 der Kon­zern­mar­ken VW, Au­di, Seat oder Sko­da ha­ben. Der gro­ße Vor­teil ist, dass das Ver­fah­ren für die Bür­ger kos­ten­frei ist. Der gro­ße Nach­teil ist, dass es sich mög­li­cher­wei­se über Jah­re hin­zie­hen kann. In dem Pro­zess soll grund­sätz­lich ge­klärt wer­den, ob der Au­to­bau­er sei­ne Kun­den ge­schä­digt hat, in­dem er die Soft­ware der Die­sel­mo­to­ren ma­ni­pu­lier­te. VW strei­tet dies ab, ob­wohl Vor­stands­chef Her­bert Diess in der Talk­show „Lanz“sel­ber Be­trug ein­räum­te. Falls das OLG fest­ge­stellt hat, dass VW die Kun­den ge­schä­digt hat, müs­sen sie ih­ren Scha­den­er­satz aber noch ein­zeln durch­set­zen. VZBV-CHEF Klaus Mül­ler sagt je­den­falls: „Wir ge­hen da­von aus, dass wir die Ge­rich­te mit un­se­ren Ar­gu­men­ten über­zeu­gen.“VW müs­se für den Die­selskan­dal zur Re­chen­schaft ge­zo­gen wer­den, und zwar nicht nur von de­nen, die sich das leis­ten kön­nen, son­dern von al­len be­trof­fe­nen Bür­gern.

Al­ter­na­ti­ven Wer ei­ne Rechts­schutz­ver­si­che­rung hat, für den dürf­te ei­ne Ein­zel­kla­ge wahr­schein­lich bes­ser sein. Bis zum Ablauf des 30. Sep­tem­ber kön­nen sich Ver­brau­cher noch von der Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge ab­mel­den. Da­nach ha­ben sie sechs Mo­na­te Zeit, mit ei­ner ei­ge­nen Kla­ge ak­tiv zu wer­den. Au­ßer­dem kön­nen sich Ver­brau­cher von ei­ner Kanz­lei ver­tre­ten las­sen, die sich das Ver­fah­ren von ei­nem Pro­zess­fi­nan­zie­rer be­zah­len lässt. In Düs­sel­dorf ge­hört die Kanz­lei Baum, Rei­ter & Col­le­gen da­zu, eben­so das Por­tal My­right oder auch die Kanz­lei Bau­meis­ter Ro­sing aus Ber­lin. Bei Er­folg müs­sen dann aber 15 bis 35 Pro­zent der er­strit­te­nen Scha­den­er­satz­sum­me als Pro­vi­si­on an den Pro­zess­fi­nan­zie­rer ab­ge­ge­ben wer­den. „Das soll­ten Be­trof­fe­ne be­den­ken“, sagt Mül­ler.

Vor­rei­ter Wäh­rend die An­wäl­te im Braun­schwei­ger Mus­ter­ver­fah­ren sich erst warm lau­fen, wur­den 60.000 Ein­zel­kla­gen be­reits ein­ge­reicht, au­ßer­dem ein Dut­zend Mas­sen­ver­fah­ren mit Tau­sen­den ge­bün­del­ten An­sprü­chen. Weil nun in vie­len die­ser Ver­fah­ren be­reits Ur­tei­le ge­gen VW oder ak­zep­ta­ble Ver­glei­che durch­ge­setzt wur­den, kön­nen sich neue Klä­ger an die­se Er­fol­ge ran­hän­gen. So hat­te ei­ne Klä­ge­rin vor dem Land­ge­richt Kas­sel durch­ge­setzt, dass sie für 70.000 Ki­lo­me­ter Fahr­leis­tung kei­ne Nut­zungs­ent­schä­di­gung zah­len muss. Es gä­be ei­ne ho­he Chan­ce, ei­ne Ent­schä­di­gung durch­zu­set­zen und gleich­zei­tig das Au­to zu be­hal­ten, meint der An­walt Mar­kus De­cker aus Köln. Oder man kön­ne ver­su­chen, den Kauf­preis ge­gen Rück­ga­be des Fahr­zeu­ges zu er­hal­ten.

Klein­ge­druck­tes Auch die Ver­brau­cher­schüt­zer ra­ten nicht grund­sätz­lich da­von ab, ein­zeln vor­zu­ge­hen, wenn Bür­ger ei­ne Rechts­schutz­ver­si­che­rung ha­ben. Je­der Be­trof­fe­ne müs­se sel­ber ent­schei­den, wie er vor­geht, sagt VZBV-CHEF Mül­ler. Al­ler­dings müs­sen Be­trof­fe­ne si­cher stel­len, dass ih­re Rechts­schutz­ver­si­che­rung wirk­lich zahlt.

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