Kin­der fah­ren im­mer schlech­ter Rad

El­tern soll­ten dem Nach­wuchs ein Rad kau­fen – und das rich­ti­ge Ver­kehrs­ver­hal­ten vor­le­ben, sagt der Lei­ter der Po­li­zei-un­fall­prä­ven­ti­on. Der ADFC for­dert brei­te Rad­we­ge.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - VORDERSEIT­E - VON HE­LE­NE PAWLITZKI

El­tern soll­ten dem Nach­wuchs ein Rad kau­fen – und das rich­ti­ge Ver­kehrs­ver­hal­ten vor­le­ben, sagt der Lei­ter der Po­li­zei-un­fall­prä­ven­ti­on.

Die Düs­sel­dor­fer Po­li­zei ist be­sorgt über die Fä­hig­kei­ten vie­ler Kin­der, wenn es um die Fort­be­we­gung auf zwei Rä­dern geht. „Wir er­le­ben vie­le Kin­der, die gar nicht Rad­fah­ren kön­nen, weil sie selbst kein Fahr­rad be­sit­zen“, sagt Jo­chen Schütt, Lei­ter der Ab­tei­lung Ver­kehrs­un­fall­prä­ven­ti­on.

Die Po­li­zei führt an den 86 Düs­sel­dor­fer Grund­schu­len und an zehn För­der­schu­len die Rad­fahr­aus­bil­dung durch. In der vier­ten Klas­se ma­chen die Schü­ler ei­nen drei­tä­gi­gen Kurs. Am En­de gibt es den Fahr­rad-füh­rer­schein. In­halt­lich geht es um Ver­kehrs­re­geln, rechts und links Ab­bie­gen, si­che­res An­fah­ren und vie­les mehr. Ent­we­der die Po­li­zei kommt mit ei­ner ih­rer drei mo­bi­len Ver­kehrs­schu­len an die Schu­len. Dann brin­gen die Schü­ler ih­re ei­ge­nen Fahr­rä­der mit und üben im Um­feld der Schu­le das Ra­deln im flie­ßen­den Ver­kehr. Oder die Schü­ler kom­men mit dem Bus in die Ju­gend­ver­kehrs­schu­le in Rath. Dort gibt es ei­nen Par­cour, auf dem man Fahr­rad fah­ren und Ver­kehrs­teil­nah­me üben kann.

„Die Schü­ler be­kom­men dann Fahr­rä­der von uns ge­stellt“, sagt Schütt. „Wir hö­ren dann aber sehr häu­fig, dass ei­ni­ge Schü­ler selbst gar kein Fahr­rad und dem­ent­spre­chend auch kei­nen Helm ha­ben. Sie kön­nen in der vier­ten Klas­se noch nicht Fahr­rad fah­ren. Das stellt uns vor schwer lös­ba­re Pro­ble­me.“Be­son­ders häu­fig hö­re sei­ne Ab­tei­lung das von Schü­lern in­ner­städ­ti­scher Grund­schu­len.

Pro­ble­ma­tisch fin­det Schütt die­sen Um­stand des­halb, weil vie­le Kin­der durchs Fahr­rad­fah­ren den ers­ten rich­ti­gen Kon­takt mit dem Stra­ßen­ver­kehr hät­ten. „Auf dem Rad fin­det die ers­te fah­ren­de Ver­kehrs­teil­nah­me statt“, sagt er. „Da­durch ist es spä­ter auch leich­ter, bei­spiels­wei­se den Au­to­füh­rer­schein zu ma­chen.“

Fahr­rad­fah­ren sei ein wich­ti­ger Mei­len­stein auf dem Weg zu bes­se­ren mo­to­ri­schen Fä­hig­kei­ten und dem Er­ler­nen der Ver­kehrs­re­geln, so Schütt. „Man muss sich in der Stadt im Ver­kehr be­we­gen kön­nen. Dar­an führt kein Weg vor­bei.“

Ler­ke Ty­ra, die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Düs­sel­dor­fer All­ge­mei­nen Deut­schen Fahr­rad-clubs, hat selbst noch nicht be­ob­ach­tet, dass Kin­der schlech­ter Rad­fah­ren. „Ich neh­me aber durch den Club na­tür­lich auch ei­ne an­de­re Stich­pro­be wahr als die Po­li­zei“, sagt sie. Sie er­le­be bei­spiels­wei­se, dass Kin­der mit ih­ren El­tern mit Feu­erei­fer an der Mi­ni-stern­fahrt teil­näh­men, die der ADFC jähr­lich aus­rich­te. „Die Po­li­zei hat aber noch mal ei­ne an­de­re Ge­samt­heit im Blick.“Es sei be­kannt, dass Kin­der­ärz­te seit län­ge­rem man­gel­den Mo­to­rik bei Kin­dern be­klag­ten. All­ge­mein sei die Be­we­gungs­freu­de we­ni­ger aus­ge­prägt als frü­her. „Die El­tern spie­len da­bei ei­ne ent­schei­den­de Rol­le“, sagt Ty­ra. „Das kann Schu­le al­lein nicht auf­fan­gen.“

Das sieht Ver­kehrs­ex­per­te Jo­chen Schütt ähn­lich. „El­tern ha­ben 365 Ta­ge im Jahr Zu­griff auf ih­re Kin­der“, sagt er. „Schu­len und Kin­der­gär­ten höchs­ten 200 Ta­ge – und die Po­li­zei drei Ta­ge im vier­ten Schul­jahr.“De­men­spre­chend lie­ge es an den El­tern, ih­ren Kin­dern Rä­der zu kau­fen und mit ih­nen Fahr­rad zu fah­ren.

Ler­ke Ty­ra wünscht sich dar­über hin­aus ei­ne bes­se­re Rad-in­fra­struk­tur. „Man muss auch Ge­le­gen­heit zum Rad­fah­ren ge­ben“, sagt sie. Si­che­re und brei­te Rad­we­ge sei­en wich­tig, da­mit auch Kin­der im Stra­ßen­ver­kehr Fahr­rad fah­ren könn­ten. „Der Rad­weg muss so breit sein, dass er Feh­ler ver­zeiht“, so Ty­ra. „Ein un­ge­üb­ter Rad­fah­rer schlen­kert auch mal beim Fah­ren.“

Statt mo­no­to­ner Spiel­plät­ze plä­diert sie für ei­nen Übungs­par­cours für Fahr­rä­der am Rhein. „Das hat­ten wir schon nach dem Grand De­part vor­ge­schla­gen – pas­siert ist lei­der aber nichts“, sagt sie. Eben­so wünscht sie sich Geld für die Sa­nie­rung der Ju­gend­ver­kehrs­schu­le. „Die ist seit En­de der 80er ein Pro­vi­so­ri­um. Ein Trau­er­spiel!“, meint Ty­ra.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Die Po­li­zei ist be­sorgt, weil vie­le Kin­der gar kein Fahr­rad mehr be­sit­zen.

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