Fortu­na fehlt die Durch­schlags­kraft

Die Düs­sel­dor­fer ver­lie­ren ge­gen Frei­burg 1:2 und be­kla­gen ei­nen nicht ge­ge­be­nen Hand­elf­me­ter.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - SPORT - VON BERND JOLITZ

DÜS­SEL­DORF Fritz Kel­ler hat­te sei­nen ers­ten öf­fent­li­chen Ein­satz als neu­er Prä­si­dent des Deut­schen Fuß­ball-bun­des. Dass es ihn da­bei als Be­su­cher zu ei­ner Bun­des­li­ga­par­tie sei­nes lang­jäh­ri­gen Klubs SC Frei­burg ver­schlug, durf­te nie­man­den über­ra­schen. Die Breis­gau­er gas­tier­ten bei Fortu­na Düs­sel­dorf, und so konn­te Kel­ler das Spiel gleich an der Sei­te ei­nes pro­mi­nen­ten Kol­le­gen ver­fol­gen: Ne­ben ihm saß Pe­ter Fry­muth, Dfb-vi­ze­prä­si­dent und frü­he­rer Vor­stands­vor­sit­zen­der Fortu­nas. Mehr Spaß am Ge­sche­hen hat­te letzt­lich Kel­ler, der ei­nen glück­li­chen 2:1-Sieg „sei­nes“Sport­clubs be­klat­schen durf­te. Wirk­lich ver­dient hat­te den Er­folg an die­sem glanz­lo­sen Sonn­tag­nach­mit­tag nie­mand.

„Das war si­cher nichts für Leu­te, die ein Spek­ta­kel er­war­ten“, fass­te Frei­burgs Trai­ner Chris­ti­an Streich zu­sam­men. „Den­noch war es kein schlech­tes Spiel, und bei­de Mann­schaf­ten wa­ren auf Au­gen­hö­he. Wenn Düs­sel­dorf sei­ne Rie­sen­chan­ce zum 2:1 nutzt, dann wer­den wir hier wahr­schein­lich ver­lie­ren.“ Sach­lich, nüch­tern und fair – so wie man Streich seit Jah­ren kennt. In der Sa­che war er sich mit sei­nem Ge­gen­über Fried­helm Fun­kel eben­falls ei­nig. „Vor al­lem in der zwei­ten Hälf­te war es ei­ne gu­te Leis­tung von uns“, mein­te der 65-Jäh­ri­ge. „Aber Frei­burg schießt ein­mal aufs Tor, und der Ball ist drin. Das ist der Un­ter­schied heu­te.“

Tat­säch­lich lag es dies­mal an zwei kur­zen Sze­nen. Da bei­de Mann­schaf­ten de­fen­siv sehr gut ar­bei­te­ten und ih­rem Kon­tra­hen­ten so gut wie nichts ge­stat­te­ten, muss­te es auf die we­ni­gen Mo­men­te an­kom­men, die den Un­ter­schied ma­chen. In der ers­ten Hälf­te hat­te sich das noch aus­ge­gli­chen, als zu­nächst der Düs­sel­dor­fer Rou­wen Hen­nings ei­nen di­cken Pat­zer des Frei­bur­ger Tor­hü­ters Alex­an­der Schwo­low zum 1:0 nutz­te und we­nig spä­ter Fortu­nas Kee­per Zack Stef­fen bei ei­nem 40-Me­ter-pass von Phil­ipp Li­en­hart zu lan­ge auf der Li­nie kleb­te. Das und die fol­gen­de Feh­ler­ket­te in der De­ckung er­mög­lich­te Jo­na­than Schmid den Aus­gleich.

Nach der Pau­se hat­te dann Frei­burg das Glück, „das man eben nicht hat, wenn man nur vier Punk­te hat“(Fun­kel). Fortu­nas Ken­an Ka­ra­man hät­te in der 72. Mi­nu­te un­be­dingt das 2:1 er­zie­len müs­sen, schoss aber zu­nächst Schwo­low an und lehn­te sich dann beim Nach­schuss so weit zu­rück, dass der Ball über den Kas­ten se­gel­te. „Man muss schon sa­gen: Der ging in die Wol­ken“, kom­men­tier­te Fun­kel ver­är­gert. „Das muss Ken­an un­be­dingt bes­ser ma­chen. Das sind die Din­ge, die ein­fach feh­len im Mo­ment.“

Ge­ne­rell fehl­te den Düs­sel­dor­fern die Durch­schlags­kraft. Nach­voll­zieh­bar, wenn man an die bei­den dich­ten Vie­rer­ket­ten der Frei­bur­ger denkt, die äu­ßerst schwer zu durch­drin­gen wa­ren. Den­noch fiel den Gast­ge­bern eben­so wie den Breis­gau­ern un­term Strich zu we­nig ein, und da sich das vor der Pau­se mit ei­ner ho­hen Fehl­pass­quo­te paar­te, war es für die Zu­schau­er schwe­re Kost.

„Es hilft uns nichts, wenn wir uns jetzt sa­gen: Wir sind ja je­des Mal nah dran“, sag­te Fortu­nas In­nen­ver­tei­di­ger And­re Hoff­mann mit Blick auf die drit­te 1:2-Nie­der­la­ge in den jüngs­ten vier Par­ti­en. „Das geht so nicht mehr. Wir müs­sen uns al­le hin­ter­fra­gen, wie so et­was sein kann.“Die Düs­sel­dor­fer ha­der­ten zu­dem mit der Ent­schei­dung von Schieds­rich­ter Da­ni­el Sie­bert, bei ei­nem mög­li­chen Hand­elf­me­ter kurz vor Schluss nicht den Vi­deo­be­weis her­an­zu­zie­hen – zu­mal da Frei­burg auf die­se Wei­se zu­vor ei­nen Foul­elf­me­ter zu­ge­spro­chen be­kam, bei dem Lu­cas Hö­ler al­ler­dings an Stef­fen schei­ter­te. „Vor der Sai­son sagt man uns, dass es Elf­me­ter gibt, wenn die Hand über dem Kopf den Ball be­rührt“, sag­te Fun­kel. „Für mich war es ein kla­rer Elf­me­ter.“

FO­TO: DPA

Fas­sungs­los: Ken­an Ka­ra­man nach ver­ge­be­ner Groß­chan­ce.

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