Kir­chen fürch­ten um Ki­ta-viel­falt

Das neue Kin­der­bil­dungs­ge­setz für Nord­rhein-west­fa­len stößt bei Ex­per­ten auf Kri­tik.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - VORDERSEIT­E - VON KIRSTEN BIALDIGA

DÜS­SEL­DORF Das neue Ki­ta-ge­setz der Lan­des­re­gie­rung stößt bei Sach­ver­stän­di­gen und Ex­per­ten auf viel Kri­tik. Ins­be­son­de­re die frei­en Ki­ta-trä­ger und Wohl­fahrts­ver­bän­de for­dern mehr Geld und fürch­ten um die Viel­falt des Be­treu­ungs­an­ge­bots in Nord­rhein-west­fa­len. „Die freie Wohl­fahrts­pfle­ge sieht ei­ne Ge­fähr­dung der bis­he­ri­gen Trä­ger­struk­tur“, sag­te Ca­ri­tas-vi­ze­prä­si­dent Heinz-jo­sef Kess­mann am Mon­tag bei ei­ner mehr­stün­di­gen Ex­per­ten­an­hö­rung zum neu­en Kin­der­bil­dungs­ge­setz (Ki­biz) im Land­tag. Ver­tre­ter der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de wi­der­spra­chen und be­teu­er­ten, sie wür­den die Viel­falt des An­ge­bots er­hal­ten.

Durch das neue Ki­biz glei­chen sich die Ei­gen­an­tei­le, die Städ­te für ih­re Kin­der­ta­ges­stät­ten auf­brin­gen müs­sen, und je­ne der frei­en Trä­ger wie Kir­chen, Wohl­fahrts­ver­bän­de und El­tern­in­itia­ti­ven an. Da­mit könn­te der An­reiz für die Kom­mu­nen sin­ken, den frei­en Trä­gern die Füh­rung von Ki­tas zu über­las­sen; es wür­de mehr städ­ti­sche Ki­tas ge­ben. Zur­zeit sind et­wa drei Vier­tel der Ki­tas in den Hän­den frei­er Trä­ger.

An­ders als die Kom­mu­nen for­dern die frei­en Trä­ger zu­sätz­li­ches Geld, um die Qua­li­tät der Ki­tas zu er­hö­hen. Zwar ge­be es hier deut­li­che Fort­schrit­te wie die Frei­stel­lung der Er­zie­her für Lei­tungs­auf­ga­ben, ins­ge­samt mehr Mit­tel für Per­so­nal und ei­ne Aus­bil­dungs­pau­scha­le, um den Be­ruf an­ge­sichts des Er­zie­her­man­gels at­trak­ti­ver zu ma­chen. Aus ih­rer Sicht feh­len aber 570 Mil­lio­nen Eu­ro für Sach­mit­tel.

Das neue Ge­setz, das ab Au­gust 2020 gel­ten soll, sieht jähr­lich zu­sätz­lich 1,3 Mil­li­ar­den Eu­ro für die früh­kind­li­che Bil­dung in NRW vor. Da­mit sol­len un­ter an­de­rem die Be­treu­ungs­zei­ten aus­ge­wei­tet, die Kind­pau­scha­len dy­na­mi­siert und die Kin­der­ta­ges­pfle­ge ge­stärkt wer­den. Ge­plant ist auch ein zwei­tes bei­trags­frei­es Ki­ta-jahr. Die freie Wohl­fahrts­pfle­ge lehnt auch dies an­ge­sichts der knap­pen Fi­nan­zen ab und spricht sich statt­des­sen für ei­nen so­zi­al ge­staf­fel­ten, lan­des­weit ein­heit­li­chen El­tern­bei­trag aus.

Viel An­klang fand bei den Ex­per­ten die For­de­rung, ei­nen fes­ten Be­treu­er-kind-schlüs­sel fest­zu­le­gen.

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