On­line-durch­su­chung ge­gen Rechts­ex­tre­mis­mus ge­for­dert

In Dresden hat der Pro­zess ge­gen die rechts­ex­tre­me Grup­pe „Re­vo­lu­ti­on Chem­nitz“be­gon­nen. Die Po­li­tik dis­ku­tiert über schär­fe­re Über­wa­chung Rechts­ex­tre­mer.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - POLITIK - VON GRE­GOR MAYNTZ

BER­LIN Nach den jüngs­ten Er­kennt­nis­sen zum ge­stie­ge­nen Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al des Rechts­ex­tre­mis­mus hat die Vor­sit­zen­de des Bun­des­tags-in­nen­aus­schus­ses, An­drea Lind­holz, mehr Be­fug­nis­se für die Si­cher­heits­be­hör­den ge­for­dert. „Wer den Kampf ge­gen Rechts­ex­tre­mis­ten ernst meint, darf den Be­hör­den die nö­ti­gen In­stru­men­te nicht vor­ent­hal­ten“, sag­te die CSU-PO­LI­ti­ke­rin un­se­rer Re­dak­ti­on.

Sie ver­wies dar­auf, dass die Grup­pe „Re­vo­lu­ti­on Chem­nitz“nur we­gen ei­nes Zu­falls­fun­des auf­ge­klärt wor­den sei. Zu Be­ginn des Pro­zes­ses ge­gen die acht Män­ner im Al­ter von 21 bis 32 Jah­ren am Mon­tag sprach Ge­ne­ral­bun­des­an­walt Pe­ter Frank von ei­nem der „be­deu­tends­ten Ver­fah­ren im Be­reich Rechtsterr­orismus“. Den An­ge­klag­ten wird zur Last ge­legt, in ei­ner Chat­grup­pe den Um­sturz der de­mo­kra­ti­schen Ord­nung mit Waf­fen ge­plant und da­bei auch die Tö­tung von Men­schen in Kauf ge­nom­men zu ha­ben. Sie hät­ten be­reits die Prei­se von Waf­fen in Er­fah­rung ge­bracht und am 3. Ok­to­ber ver­gan­ge­nen Jah­res zu­schla­gen wol­len. In ei­nem „Pro­be­lauf“hät­ten sie am 14. Sep­tem­ber 2018 in Chem­nitz Per­so­nen be­droht und ver­folgt. Ein Mann ha­be ei­ne Platz­wun­de am Kopf er­lit­ten.

Zum Pro­zess­auf­takt in Dresden be­an­trag­te die Ver­tei­di­gung des jüngs­ten An­ge­klag­ten den Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit. Dem kam das Ge­richt nicht nach. Die Staats­an­walt­schaft wies auch die Be­haup­tung der Ver­tei­di­gung zu­rück, dass es sich hier um ei­nen po­li­ti­schen Pro­zess han­de­le. In dem Ver­fah­ren sind Ver­hand­lungs­ta­ge bis April nächs­ten Jah­res ter­mi­niert.

Eben­falls an die­sem Mon­tag leg­te in Thü­rin­gen ein wei­te­rer Par­la­men­ta­ri­scher Un­ter­su­chungs­be­richt auf 2200 Sei­ten sei­ne Er­kennt­nis­se über Be­hör­den­ver­sa­gen im Zu­sam­men­hang mit der Mord­se­rie des Ter­ror­tri­os „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Un­ter­grund“(NSU) vor. Vor­sit­zen­de Do­ro­thea Marx (SPD) er­klär­te, die Nsu-ver­bre­chen hät­te es mit ho­her Wahr­schein­lich­keit nicht ge­ge­ben, wenn die Thü­rin­ger Be­hör­den die zwei­fels­frei vor­han­de­nen Hin­wei­se und Spu­ren auf­ge­grif­fen hät­ten. Die Par­la­men­ta­ri­er fan­den ei­ne Fül­le von Fal­schein­schät­zun­gen und Fehl­kon­struk­tio­nen – bis hin zu der Über­zeu­gung in­ner­halb des da­ma­li­gen Ver­fas­sungs­schut­zes, Rechts­ex­tre­mis­ten wür­den kei­ne Mor­de be­ge­hen. Der Aus­schuss for­der­te die Re­gie­rung auf, künf­tig in vier­tel­jähr­li­chen Ab­stän­den nicht voll­streck­te Haft­be­feh­le aus­zu­wer­ten, um De­fi­zi­te bei der Fahn­dung früh­zei­tig er­ken­nen und dar­auf re­agie­ren zu kön­nen.

Zu­vor war be­kannt ge­wor­den, dass die Be­hör­den bei der Auf­klä­rung von rechts­ex­tre­mis­ti­schen Straf­ta­ten im ver­gan­ge­nen Jahr 1091 Waf­fen si­cher­ge­stellt ha­ben – ge­gen­über 676 Waf­fen im Jahr da­vor. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer kün­dig­te dar­auf­hin an, die Si­cher­heits­be­hör­den auf die­sem Feld per­so­nell und struk­tu­rell deut­lich zu stär­ken und ih­nen da­für die not­wen­di­gen recht­li­chen In­stru­men­te zu ge­ben.

„Oh­ne Quel­len-te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung und On­line-durch­su­chun­gen wird die sys­te­ma­ti­sche Auf­klä­rung ex­tre­mis­ti­scher Netz­wer­ke in Zei­ten von ver­schlüs­sel­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on zu­neh­mend zum rei­nen Glücks­spiel“, er­klär­te Lind­holz.

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