RWE wird zum Ökostrom­rie­sen

2040 will der Kon­zern kli­ma­neu­tral sein. In der Braun­koh­le sol­len 3500 Stel­len weg­fal­len. In­no­gy-vor­stand Hil­de­gard Mül­ler geht.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - WIRTSCHAFT - VON ANT­JE HÖNING Für RWE

ES­SEN Der Ort ist his­to­risch: In das Es­se­ner Nord­vier­tel, wo Hu­go Stin­nes einst mit sei­ner St­ein­koh­le den ers­ten Strom für RWE er­zeug­te, kehrt der Kon­zern nun zu­rück. Hier ent­steht der Cam­pus für die Zen­tra­le, der RWE-TURM ist Ge­schich­te. Auch sonst soll vie­les an­ders wer­den für den 121 Jah­ren al­ten Kon­zern. Aus dem größ­ten Braun­koh­le­ver­stro­mer wird der nach ei­ge­nen An­ga­ben dritt­größ­te Ökostrom­her­stel­ler Eu­ro­pas und der zweit­größ­te­off­shore-wind­kraft-er­zeu­ger der Welt. „2040 wird RWE zu 100 Pro­zent kli­ma­neu­tral sein“, kün­dig­te RWE-CHEF Rolf Mar­tin Schmitz zum Start­schuss der neu­en RWE an. „Je­de En­er­gie hat ih­re Zeit. Jetzt be­ginnt die Ära der Er­neu­er­ba­ren.“Aus braun wird grün: Mög­lich macht dies der 2018 ver­ein­bar­te De­al mit Eon. RWE be­kommt die Ökostrom-ak­ti­viä­ten von Eon und In­no­gy, Eon wird Netz- und Ve­triebs­kon­zern. Nö­tig macht dies der Koh­le­aus­stieg: 2038 steigt Deutsch­land aus der Koh­le aus, 2030 sind es die Nie­der­lan­de, 2020 legt RWE sein letz­tes Kraft­werk in­groß­bri­tan­ni­en still. Die Fol­gen.

Der Kon­zern steht künf­tig auf vier Bei­nen: Er­zeu­gung aus Ökostrom (Re­ne­wa­bles), aus Ga­sund Was­ser­kraft (Ge­ne­ra­ti­on), Er­zeu­gung in Ab­wick­lung – al­so aus Atom­kraft und Braun­koh­le (Power), Gas­han­del. Da­mit lie­fert der Ökostrom 60 Pro­zent des Ge­winns, die klas­si­schen Er­zeu­gungs­spar­ten nur noch 20 Pro­zent. Je zehn Pro­zent tra­gen der Gas­han­del und die Fi­nanz­be­tei­li­gun­gen bei. Da­zu zäh­len die Netz­toch­ter Am­pri­on, an der RWE auf Dau­er fest­hal­ten will, und der frü­he­re Erz­ri­va­le Eon, an dem RWE nun mit knapp 17 Pro­zent be­tei­ligt ist. Das Eon-pa­ket will RWE auf Dau­er ver­kau­fen. „Mit­tel­fris­tig er­öff­net uns das ei­ne zu­sätz­li­che Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­keit für grö­ße­re Pro­jek­te“, sag­te Rwe-fi­nanz­chef Mar­kus Kreb­ber. „Der­zeit ha­ben wir aber kei­ne Plä­ne, un­se­ren An­teil si­gni­fi­kant zu re­du­zie­ren.“

Für die Mit­ar­bei­ter Noch hat Power mit 11.000 die meis­ten Mit­ar­bei­ter, aber das wird sich än­dern. Schmitz for­dert von der Po­li­tik mehr Tem­po bei der Um­set­zung des Koh­le­aus­stiegs, da­mit Mit­ar­bei­ter Klar­heit be­kom­men. „Wenn RWE die Haupt­last der ge­plan­ten Kraft­werks-ab­schal­tung bis 2022 tra­gen muss, sind bei RWE 3500 Stel­len be­droht“, sag­te er. Laut Koh­le­kom­mis­si­on sol­len bis 2022 drei Gi­ga­watt ab­ge­schal­tet wer­den. Nun sieht es so aus, dass RWE da­von mehr als die zu­nächst er­war­te­ten 2,4 Gi­ga­watt schul­tern muss. In den 3500 Stel­len sind 800 Stel­len der Kraft­wer­ke ent­hal­ten, die RWE be­reits in die Si­cher­heits­re­ser­ve ge­schickt hat, so­wie 2700 Stel­len, die die Be­schlüs­se der Koh­le­kom­mis­si­on kos­ten. Das trifft Kraft­wer­ke und Ta­ge­baue, aber wohl auch Stel­len in der Ve­red­lung bei Fre­chen und Ver­wal­tung in Es­sen, wie RWE nach ei­nem tie­fe­ren Blick in die Bü­cher fest­ge­stellt hat. Der Ab­bau soll so­zi­al­ver­träg­lich er­fol­gen, dar­auf na­geln die Ge­werk­schaf­ten RWE und Bund fest. Ver­di for­dert nicht nur Lohn­aus­gleich für die Be­schäf­tig­ten, die in Vor­ru­he­stand ge­hen, son­dern auch ei­nen Aus­gleich der Ren­ten­ab­schlä­ge. Doch Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er lässt die Ver­hand­lun­gen schlei­fen. „Mich be­frem­det es, dass es län­ger braucht, den Aus­stieg um­zu­set­zen als zu er­fin­den“, so Schmitz.

Für die Ak­tio­nä­re Für RWE und sei­ne Ak­tio­nä­re war der De­al mit Eon ein gro­ßer Er­folg: Rech­ne­risch hat RWE sei­nen ope­ra­ti­ven Ge­winn auf über drei Mil­li­ar­den Eu­ro ver­dop­pelt. Wäh­rend die Eon-ak­tie nicht vom Fleck kommt, hat die von RWE seit An­kün­di­gung des De­als um 60 Pro­zent zu­ge­legt. Auch am Mon­tag ging sie leicht hoch auf fast 29 Eu­ro. RWE hat, an­ge­heizt durch die Kli­ma­de­bat­te, plötz­lich ei­ne Wachs­tums-sto­ry zu er­zäh­len, Eon blei­ben das sta­bi­le, aber et­was lang­wei­li­ge Netz­ge­schäft und das hart um­kämpf­te Ver­triebs­ge­schäft. Ent­spre­chend soll es bei der Di­vi­den­de auf­wärts ge­hen: Sie sol­le min­des­tens auf dem jet­zi­gen Ni­veau blei­ben und lang­fris­tig leicht stei­gen, sag­te Kreb­ber. Für 2018 zahlt RWE 0,70 Eu­ro je Ak­tie.

Für die In­no­gy-vor­stän­de Kei­ner der sechs In­no­gy-vor­stän­de darf in den Eon-vor­stand. Hil­de­gard Mül­ler (Netz­vor­stand) wer­de in Kür­ze ver­kün­den, dass sie we­gen des Ei­gen­tü­mer­wech­sels die Chan­geOf-con­trol-klau­seln nut­zen und vor­zei­tig aus­schei­de, heißt es in Kon­zern­krei­sen. Glei­ches gel­te für Ökostrom-vor­stand Hans Bün­ting. Sie kön­nen sich auf Mil­lio­nen-ab­fin­dun­gen freu­en, da ih­re Ver­trä­ge noch bis 2022 lau­fen. An­ders Bern­hard Gün­ther, bis­lang In­no­gy-fi­nanz­chef. Er soll blei­ben und un­ter Eon-vor­stand Le­on­hard Birn­baum die In­te­gra­ti­on voll­enden. Die Kon­zern­spre­cher be­ton­ten, dies sei Sa­che des In­no­gy-auf­sichts­rats. Der tagt in Kür­ze und kürt ei­nen neu­en Chef, vor­aus­sicht­lich Eon-chef Jo­han­nes Teyssen. Noch ist In­no­gy nicht ganz Ge­schich­te.

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