Ein In­dus­trie­pfad nur für Kin­der

Aus dem be­ste­hen­den Ste­len­feld in Ger­res­heim wur­de ei­ne ab­ge­speck­te Ver­si­on mit kind­ge­rech­ten Tex­ten ge­stal­tet.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - STADTTEILE NORD / OST - VON MARC INGEL

GER­RES­HEIM Für den In­dus­trie­pfad Ger­res­heim wur­de un­längst die 23. Ste­le ge­setzt, sie er­in­nert am Pil­le­bach an die Ent­ste­hung der Klein­gär­ten. Das Pro­jekt des För­der­krei­ses In­dus­trie­pfad Düs­sel­dorf zwi­schen dem Ring­o­fen in Lu­den­berg und dem Ger­res­hei­mer Bahn­hof hat bun­des­weit Vor­bild­cha­rak­ter, macht er doch In­dus­trie­ge­schich­te er­leb­bar. An Kin­der wand­te sich der Pfad bis­lang eher nicht, zu kom­plex sind die zu le­sen­den In­hal­te auf den Edel­stahl­s­te­len, zu weit die We­ge zwi­schen den ein­zel­nen Sta­tio­nen.

Das ist seit ges­tern an­ders, denn Schü­ler des Ma­rie-cu­rie-gym­na­si­ums durf­ten im Rah­men ih­res Wan­der­ta­ges die ers­te um­ge­stal­te­te Ste­le des Kin­der-in­dus­trie­pfa­des ein­wei­hen. Zehn Stand­or­te sind es ins­ge­samt, die von Nach­wuchs­wis­sen­schaft­lern künf­tig an­ge­steu­ert wer­den kön­nen. An drei Sta­tio­nen gibt es im­mer drei Ste­len, die the­ma­tisch den­sel­ben Schwer­punkt ha­ben (Zie­gel, Draht, Glas), der Ger­res­hei­mer Bahn­hof als die Num­mer zehn hat zwar ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal, bil­det mit den Glas-ste­len aber ei­ne fuß­läu­fig zu er­rei­chen­de Ein­heit. Die Ma­cher ha­ben sich da­bei der be­ste­hen­den Ste­len be­dient und je­weils im un­te­ren Seg­ment kind­ge­rech­te Tex­te hin­zu­ge­fügt. Die ab­ge­bil­de­te Co­mic-fi­gur Piet dient der Wie­der­er­ken­nung. „Op­ti­mal wä­re, wenn Er­wach­se­ne und Kin­der nach dem Le­sen in ei­nen Aus­tausch tre­ten“, sagt Burk­hard Lü­king.

Er trieb die Idee vor­an, nach­dem El­tern beim Wild­park­fest ihn da­nach frag­ten. „Es hat ihn dann nicht mehr los­ge­las­sen, er hat das The­ma bei uns im Ver­ein im­mer wie­der an­ge­spro­chen, bis er sei­nen Wil­len be­kam“, er­zählt Franz Na­wa­rath, 1. Vor­sit­zen­der von In­dus­trie­kul­tur Düs­sel­dorf, amü­siert. Zu­sam­men mit der Il­lus­tra­to­rin Bri­git­te Ku­ka ent­wi­ckel­te er ein ent­spre­chen­des Kon­zept und stell­te ei­nen För­der­an­trag bei der Nrw-stif­tung. Die ent­schied po­si­tiv und über­nahm die Kos­ten in Hö­he von 4000 Eu­ro qua­si kom­plett. „Das sind ge­nau die Pro­jek­te, die wir als för­de­rungs­wür­dig er­ach­ten, ich hof­fe vie­le Kin­der, ob mit ih­ren El­tern oder Freun­den, wer­den den Pfad zu­sam­men ab­schrei­ten“, sagt Sol­veig Ku­ke­lies, Re­gio­nal­bot­schaf­te­rin der Nrw-stif­tung.

Auch Be­zirks­bür­ger­meis­ter Kars­ten Ku­nert hält den Kin­der-in­dus­trie­pfad für wich­tig und rich­tig. „Düs­sel­dorf ist nicht nur ei­ne Mo­de­stadt oder der Schreib­tisch des Ruhr­ge­biets, son­dern im­mer noch die zweit­größ­te In­dus­trie­stadt in NRW.“Er er­in­ner­te zu­dem dar­an, dass es erst seit 1904 ein Kin­der­schutz­ge­setz gibt, „zu­vor muss­ten auch un­ter Zwölf­jäh­ri­ge an sechs Ta­gen bis zu zwölf St­un­den in Berg­wer­ken ar­bei­ten oder Zie­gel ba­cken.“Das sorg­te na­tür­lich auch bei den neun und zehn Jah­re al­ten Ma­rie-cu­rie-schü­lern für gro­ße Au­gen. Jo­han­nes, ei­ner der Schü­ler des Gym­na­si­ums, durf­te zu sei­nem zehn­ten Ge­burts­tag ges­tern die ers­te Kin­der­s­te­le ein­wei­hen.

Wo­her hat die Dre­her­stra­ße ih­ren Na­men? Wie funk­tio­niert ein Ring­o­fen? Was ist ein Streik und was hat

er für Aus­wir­kun­gen? Und wel­che Be­son­der­heit hat die Bahn­stre­cke, die durch Ger­res­heim führt? Die Ant­wor­ten auf die­se und wei­te­re Fra­gen kön­nen die Kin­der nun selbst ent­de­cken und so viel über die In­dus­trie­ge­schich­te Ger­res­heims er­fah­ren, die von den Grund­in­dus­tri­en Zie­gel, Draht und Glas ge­prägt war. Dann wer­den die Kin­der zum Bei­spiel auch er­fah­ren, dass das heu­ti­ge Ger­res­hei­mer Rat­haus frü­her noch ei­ne Draht­stif­te­fa­brik war.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Burk­hard Lü­king weih­te ges­tern zu­sam­men mit den Kin­dern des Ma­rie-cu­rie-gym­na­si­ums die ers­te Kin­der­s­te­le am al­ten Ring­o­fen ein.

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