Pfle­ge-tüv wird stren­ger

Kran­ken­kas­sen wol­len den Hei­men ge­nau­er auf die Fin­ger schau­en. Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und An­ge­hö­ri­ge sol­len sich ab 2020 ein um­fas­sen­des Bild über die Qua­li­tät ma­chen kön­nen.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - VORDERSEIT­E - VON BIR­GIT MARSCHALL

BER­LIN Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und ih­re An­ge­hö­ri­gen sol­len ab 2020 aus­sa­ge­kräf­ti­ge­re In­for­ma­tio­nen über die Qua­li­tät der 13.000 Al­ten- und Pfle­ge­hei­me in Deutsch­land er­hal­ten als bis­her. Der Spit­zen­ver­band der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen star­te­te am Di­ens­tag ein neu­es Be­wer­tungs­ver­fah­ren für den so­ge­nann­ten Pfle­GE-TÜV, der in die Kri­tik ge­ra­ten war. Denn bis­her er­hiel­ten Hei­me oft Best­no­ten, ob­wohl ih­re Qua­li­tät zu wün­schen üb­rig ließ. Im Durch­schnitt gab es die sehr gute Schul­no­te 1,2, weil die Be­no­tun­gen nur auf Ei­gen­dar­stel­lun­gen be­ruh­ten. Künf­tig wird ge­nau­er hin­ge­schaut. Prü­fer des Me­di­zi­ni­schen Di­ens­tes der Kas­sen wer­den ab so­fort al­le 14 Mo­na­te stich­pro­ben­wei­se neun aus­ge­wähl­te Be­woh­ner pro Heim und ih­re Pfle­ge­kräf­te zu ins­ge­samt 24 Qua­li­täts­merk­ma­len be­fra­gen.

Ne­ben die­sen Prüf­ergeb­nis­sen sol­len auch die Angaben der Hei­me selbst zu zehn The­men­ge­bie­ten wei­ter ei­ne Rol­le spie­len. Aus in­ter­nen und ex­ter­nen Da­ten ent­wi­ckeln die Kas­sen ein vier­stu­fi­ges Be­wer­tungs­sys­tem für je­des Heim. Die neu­en Ein­stu­fun­gen der Hei­me wer­den erst­mals Mit­te 2020 im In­ter­net ver­öf­fent­licht und re­gel­mä­ßig ak­tua­li­siert. Hei­me, die in der Da­ten­bank schlecht ab­schnei­den, dürf­ten in Zu­kunft we­ni­ger Zu­lauf ha­ben und eher in wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten.

Künf­tig sol­len sich An­ge­hö­ri­ge und Pfle­ge­be­dürf­ti­ge im In­ter­net et­wa dar­über in­for­mie­ren kön­nen, wie oft am Tag Be­woh­ner in ei­nem Heim be­wegt, wie sie er­nährt oder be­schäf­tigt wer­den. Auch wei­te­re In­for­ma­tio­nen über die Hei­me sol­len ge­lie­fert wer­den, et­wa zur per­so­nel­len Aus­stat­tung. Angaben zur Zim­mer­grö­ße, der Exis­tenz von Bal­ko­nen oder ei­nem Gar­ten sind da­ge­gen frei­wil­lig. Bis En­de 2020 sol­len al­le 13.000 Hei­me nach dem neu­en Ver­fah­ren ge­prüft sein.

Der So­zi­al­ver­band VDK, der die In­ter­es­sen des Pfle­ge­per­so­nals ver­tritt, er­klär­te, auch die Le­bens­qua­li­tät und die Zuf­rie­den­heit der Be­woh­ner müss­ten über­prüft wer­den. Die Da­ten­er­he­bun­gen führ­ten zu Mehr­be­las­tun­gen des Per­so­nals. Da­für brau­che man ei­nen Aus­gleich. „Wir müs­sen weg­kom­men von der Feh­ler­zäh­le­rei, hin zu ei­ner ech­ten Feh­ler­ana­ly­se“, sag­te Vdk-ex­per­tin Ines Ver­spohl. Oft sei Per­so­nal- und Zeit­not der Grund für Feh­ler oder Ver­nach­läs­si­gun­gen.

Der Vor­stand der Deut­schen Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz, Eu­gen Brysch, be­grüß­te, dass der Pfle­GE-TÜV wahr­heits­ge­treu­er wer­den sol­le. Frag­lich sei aber, ob die neue Darstel­lung wirk­lich ei­ne schnel­le Ein­schät­zung bei der Pfle­ge­heim­su­che brin­gen wer­de. „Denn im zu­künf­ti­gen Pfle­ge-tüv wird es we­der ei­ne aus­sa­ge­fä­hi­ge Ge­samt­no­te noch K.o.-kri­te­ri­en ge­ben.“Für ei­ne ra­sche Ver­gleich­bar­keit sei dies aber drin­gend not­wen­dig.

Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) räum­te ein: „Der bis­he­ri­ge Pfle­ge-tüv war lei­der ei­ne Far­ce.“Künf­tig ge­he es dar­um, wie es den Be­woh­nern wirk­lich geht. Die Grü­nen-frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Ka­trin Gö­ring-eckardt sag­te: „Je­dem ist klar, dass ei­ne Durch­schnitts­no­te von 1,2 nicht die rea­le Si­tua­ti­on in den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen ab­bil­det.“Statt­des­sen bräuch­ten An­ge­hö­ri­ge ein Qua­li­täts- und Prüf­sys­tem, das zu­ver­läs­si­ge Angaben lie­fe­re. „Män­gel müs­sen ab­ge­stellt wer­den, statt sie – wie bis­her – durch ein in­trans­pa­ren­tes Sys­tem zu ver­tu­schen.“Leitartike­l, Wirt­schaft

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