NRW han­delt Kli­ma­schutz neu aus

Die Grü­nen for­dern von der Lan­des­re­gie­rung mehr Kli­ma­schutz. Auch Nrw-wirt­schafts­mi­nis­ter Andre­as Pink­wart nennt das Kli­ma­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung mut­los. Am Mitt­woch dis­ku­tie­ren Ex­per­ten über ei­nen um­welt­po­li­ti­schen Vor­be­halt.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - POLITIK - VON THO­MAS REISENER

DÜSSELDORF Das von der schwarz-ro­ten Bun­des­re­gie­rung vor­ge­leg­te Kli­ma­pa­ket hat ei­ne brei­te De­bat­te um ei­ne Neu­jus­tie­rung der Um­welt­po­li­tik in NRW aus­ge­löst. In ei­nem An­trag, der am Mitt­woch im Rah­men ei­ner Ex­per­ten­an­hö­rung dis­ku­tiert wer­den soll, for­dern die NRW-GRÜ­nen die Lan­des­re­gie­rung zu zu­sätz­li­chen Maß­nah­men auf. Der über­wie­gen­de Teil der Ex­per­ten, de­ren Stel­lung­nah­men un­se­rer Re­dak­ti­on vor­lie­gen, un­ter­stützt die grü­nen For­de­run­gen.

Un­ter an­de­rem sieht der An­trag „Kli­ma­kri­se: Die Lan­des­re­gie­rung muss ih­re Zie­le nach­schär­fen, Maß­nah­men er­grei­fen und Kli­ma­vor­be­halt ein­füh­ren“mehr re­ge­ne­ra­ti­ve Ener­gie, ei­ne be­schleu­nig­te Ver­kehrs­wen­de, hö­he­re Aus­ga­ben für Ener­gie­spar-tech­nik und ein ver­schärf­tes Kli­ma­schutz­ge­setz für NRW vor, das den Aus­stoß des Treib­haus­ga­ses CO2 noch schnel­ler ein­dämmt.

Die Grü­nen for­dern den Land­tag auf, „Kli­ma­schutz und Kli­ma­fol­ge­an­pas­sung zu ei­ner res­sort­über­grei­fen­den Prio­ri­tät zu ma­chen“. Neue Rechts­ver­ord­nun­gen und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten sol­len den Zie­len des Nrw-kli­ma­schutz­ge­set­zes nicht ent­ge­gen­ste­hen dür­fen. Ein so­ge­nann­ter Kli­ma­vor­be­halt soll zwin­gend al­le Aus­wir­kun­gen neu­er Rechts­ver­ord­nun­gen und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten auf die Nrw-treib­haus­gas­emis­sio­nen aus­wei­sen.

Ei­ne zwie­späl­ti­ge Re­ak­ti­on auf das Kli­ma­pa­ket der rot-grü­nen Bun­des­re­gie­rung wur­de in der NRW-LAN­des­re­gie­rung sicht­bar. Wirt­schafts­mins­ter Andre­as Pink­wart (FDP) mahn­te „drin­gen­den Über­ar­bei­tungs­be­darf“an und nann­te das Pa­ket mut­los. Un­ter an­de­rem will die Bun­des­re­gie­rung den Aus­stoß von CO2 be­prei­sen und da­mit zu mehr Kli­ma­gas-ein­spa­run­gen mo­ti­vie­ren.

Mi­nis­ter­prä­si­dent Ar­min La­schet (CDU) stell­te sich hin­ge­gen hin­ter das Pa­ket, das als Aus­gleich zu stei­gen­den Ben­zin­prei­sen ei­ne Er­hö­hung der Pend­ler­pau­scha­le so­wie ab 2025 ein Ver­bot von neu­en Öl­hei­zun­gen vor­sieht. „Man hät­te es am­bi­tio­nier­ter ma­chen kön­nen, aber der Ein­stieg ist rich­tig“, sag­te La­schet. Er warn­te: „Wer im Bun­des­rat mit Nein stimmt, nimmt die Ver­ant­wor­tung auf sich, dass die­ses gro­ße Pa­ket schei­tert.“La­schet brach­te ei­ne Baum-prä­mie ins Ge­spräch. Der Wald, der CO2 bin­de, sei „Kli­ma­schüt­zer Num­mer eins“. Wald­bau­ern leis­te­ten ei­nen wert­vol­len Kli­ma­schutz-bei­trag, der fi­nan­zi­ell an­er­kannt wer­den müs­se.

In den meis­ten der Stel­lung­nah­men für die Ex­per­ten­an­hö­rung wird der grü­ne Kli­ma­schutz-an­trag be­grüßt. Die Vor­schlä­ge sei­en „weit­ge­hend er­wä­gens­wert und ziel­füh­rend“, meint ei­ne Ex­per­ti­se der Ber­gi­schen Uni­ver­si­tät Wup­per­tal. Sie schlägt zu­dem vor, Kli­ma­schutz­po­li­tik in den Schu­len in den Lehr­plan ein­zu­bin­den, und kri­ti­siert als son­der­bar, dass in Nord­rhein-west­fa­len im­mer noch neue Ver­wal­tungs­ge­bäu­de ent­ste­hen, die nicht mo­derns­ten Wär­me­däm­mungs­tech­ni­ken ent­spre­chen.

Das Wup­per­tal-in­sti­tut für Kli­ma, Um­welt und Ener­gie for­dert ei­nen „Um­bau­fahr­plan der en­er­gie­in­ten­si­ven Pro­duk­ti­on“in NRW. Nur so kön­ne der Kli­ma­schutz zum In­no­va­ti­ons­mo­tor wer­den „und da­mit gleich­zei­tig ei­nen Bei­trag zur Stand­ort­si­che­rung“leis­ten.

Die Müns­te­ra­ner Sek­ti­on der „Fri­days for Fu­ture“-be­we­gung un­ter­stützt die Grü­nen-for­de­rung nach ei­ner res­sort­über­grei­fen­den Prio­ri­tät für den Kli­ma­schutz. „Als ver­gleichs­wei­se rei­che Re­gi­on hat NRW nicht nur be­son­ders gute Vor­aus­set­zun­gen da­für, son­dern auch ei­ne be­son­de­re Ver­ant­wor­tung“, heißt es in der Stel­lung­nah­me. Kon­kret for­dern die Ver­tre­ter der Kli­ma-be­we­gung die Ab­schal­tung von 25 Pro­zent der der­zei­ti­gen Koh­le­kraft-ka­pa­zi­tä­ten noch im lau­fen­den Jahr so­wie das so­for­ti­ge En­de al­ler Sub­ven­tio­nen für fos­si­le Ener­gie­trä­ger. Da­mit ge­hen sie mit ih­ren Po­si­tio­nen über die der Grü­nen hinaus.

Der Köl­ner Ver­ein „Fort­schritt in Frei­heit“be­strei­tet zwar nicht den Kli­ma­wan­del, wohl aber, dass die Co2-emis­sio­nen da­mit zu tun ha­ben könn­ten. „Wir leh­nen den an­ge­streb­ten Kli­ma­schutz ab, da die­ser auf ei­ner un­se­rer Mei­nung nach fal­si­fi­zier­ter Hy­po­the­se be­ruht, dass CO2 das Kli­ma we­sent­lich be­ein­flusst“, heißt es in der Stel­lung­nah­me.

Die Nrw-wirt­schaft, ver­tre­ten über die Lan­des­ver­ei­ni­gung der Un­ter­neh­mens­ver­bän­de, for­dert vor al­lem „tech­no­lo­gie­of­fe­ne“Vor­ga­ben für die Co2-re­du­zie­rung. Da­mit ist ge­meint, dass die Po­li­tik zwar Kli­ma­zie­le vor­ge­ben kann, aber nicht die Ver­fah­ren und Tech­ni­ken, die auf dem Weg dort­hin ein­ge­setzt wer­den sol­len. Zu­dem sol­le die Po­li­tik ih­re Kli­ma­po­li­tik bes­ser ab­stim­men. „Kli­ma­schutz­ge­setz und Kli­ma­schutz­plan kön­nen für NRW nicht iso­liert funk­tio­nie­ren, denn NRW ist kei­ne In­sel, statt Al­lein­gän­gen brau­chen wir zu­min­dest bun­des­weit ab­ge­stimm­te Maß­nah­men“, heißt es in der Stel­lung­nah­me. So kön­ne die Wett­be­werbs­fä­hig­keit und lang­fris­ti­ge Si­che­rung des Wirt­schafts- und In­dus­trie­stand­orts NRW am bes­ten er­reicht wer­den.

FO­TO: IMAGO

Das Kraft­werk Neu­rath in der Nä­he von Gre­ven­broich.

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