NRW will Nutz­tie­re bes­ser schüt­zen

Der Tier­schutz­be­auf­trag­te for­dert mehr Vi­deo­über­wa­chung in Schlacht­hö­fen. Um­welt­mi­nis­te­rin Hei­nen-es­ser will Hal­tern hel­fen.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - WIRTSCHAFT - VON THO­MAS REISENER

DÜSSELDORF Es mö­gen nur Aus­nah­men ge­we­sen sein, die Tier­schüt­zer und Jour­na­lis­ten da ge­filmt ha­ben. Trotz­dem ha­ben die ver­stö­ren­den Sze­nen das öf­fent­li­che Bild der Schlacht-in­dus­trie ge­prägt: Fer­kel, die so lan­ge auf den Bo­den ge­schla­gen wer­den, bis sie tot sind. Rin­der, die schon zu schwach zum Lau­fen sind, aber un­ter mas­si­vem Ein­satz von Elek­tro­schock-pis­to­len trotz­dem da­zu ge­zwun­gen wer­den. Tie­re, die oh­ne fach­ge­rech­te Be­täu­bung qual­voll ge­tö­tet wer­den. Die Lis­te des do­ku­men­tier­ten Grau­ens in nicht al­len, aber of­fen­bar doch vie­len Schlacht­hö­fen ist lang. Nrw-um­welt­mi­nis­te­rin Ur­su­la Hei­nen-es­ser (CDU) will sol­che Zu­stän­de künf­tig ver­hin­dern. Mit ei­ner sys­te­ma­ti­schen Vi­deo­über­wa­chung der sen­si­blen Be­rei­che in Schlacht­hö­fen, die solch ekla­tan­te Ver­stö­ße ge­gen den Tier­schutz do­ku­men­tie­ren.

Mehr als ei­ne frei­wil­li­ge Ver­ein­ba­rung da­zu konn­te sie der Schlacht­in­dus­trie bis­lang al­ler­dings noch nicht ab­rin­gen, wie die Mi­nis­te­rin am Di­ens­tag ein­räum­te. Sie selbst sieht in die­ser Ver­ein­ba­rung ei­ne Brü­cke für die Über­gangs­zeit bis zu ei­ner bun­des­wei­ten Re­ge­lung mit mehr Ver­bind­lich­keit, die al­ler­dings noch auf sich war­ten las­se.

Hei­nen-es­ser sag­te: „Ganz ak­tu­ell ha­ben al­le re­le­van­ten Ver­tre­ter aus Wirt­schaft und Über­wa­chung ei­ne frei­wil­li­ge Ver­ein­ba­rung über die Ein­füh­rung sol­cher ka­me­ra­ge­stütz­ter Über­wa­chungs­sys­te­me in nord­rhein-west­fä­li­schen Schlacht­be­trie­ben un­ter­zeich­net.“Auf die Fra­ge, wel­ches Ziel sie da­mit ver­bin­de, sag­te sie: „Ich hof­fe, dass in ei­nem Jahr 60 bis 70 Pro­zent der Schlacht­be­trie­be mit Ka­me­ras aus­ge­stat­tet sind.“In NRW gibt es 400 zu­ge­las­se­ne Schlacht­stät­ten, et­wa ein Dut­zend da­von sind Groß­schlacht­hö­fe.

Die Vi­deo-initia­ti­ve ist Teil ei­ner von ihr so ge­nann­ten „Nutz­tier­stra­te­gie“, mit der Hei­nen-es­ser das Tierwohl im be­völ­ke­rungs­reichs­ten Bun­des­land ver­bes­sern will. Schwer­punkt der ers­ten Stra­te­gie­stu­fe soll die Ver­bes­se­rung der Le­bens­be­din­gun­gen für die fast sie­ben Mil­lio­nen Schwei­ne sein, die sich in NRW auf rund 6800 Hal­ter ver­tei­len. Zu­gleich will die Mi­nis­te­rin mehr Pla­nungs­si­cher­heit für die­se Hal­ter schaf­fen: „Wir wol­len den Land­wir­ten neue Per­spek­ti­ven ge­ben“, sag­te die Um­welt­mi­nis­te­rin. Die Bau­ern lit­ten zu­letzt un­ter häu­fig wech­seln­den Bau­recht- und Um­welt­schutz­vor­ga­ben, wes­halb vie­le die Sa­nie­rung ih­rer Stäl­le ver­zö­gern. Die Land­wirt­schafts­kam­mer soll nun Mus­ter­stäl­le mit mehr Platz, Licht und Aus­lauf bau­en, die al­len Um­welt­auf­la­gen ge­nü­gen. In den kom­men­den Mo­na­ten will Hei­nen-es­ser Vor­schlä­ge da­zu vor­le­gen, wie die Hal­ter selbst Mo­der­ni­sie­rungs­vor­ha­ben in ih­ren Stäl­len fi­nan­zie­ren kön­nen. De­ren Er­trags­la­ge ist oft düs­ter. Bran­chen­üb­lich ist ei­ne Kal­ku­la­ti­on, nach der ein Hal­ter mit ei­nem Mast­schwein zehn Eu­ro Ge­winn er­zielt. Der Bau ei­nes Mast­schwein-plat­zes kos­tet der Kal­ku­la­ti­on zu­fol­ge rund 800 Eu­ro.

Ab 2020 soll ein neu­er Tier­schutz­be­auf­trag­ter samt ei­ge­nem Stab im Nrw-um­welt­mi­nis­te­ri­um an­ge­sie­delt wer­den. Ei­ne Da­ten­bank soll ab 2020 al­le ver­füg­ba­ren In­for­ma­tio­nen zur Ge­sund­heit der Nutz­tie­re im Land bün­deln. Ge­speist wer­den soll die Da­ten­bank aus In­for­ma­tio­nen der amt­li­chen Über­wa­chung, den jetzt schon ver­pflich­ten­den Ei­gen­kon­trol­len der Hal­ter, Be­fun­den von Schlacht­hö­fen und Trans­port­kon­trol­leu­ren. Die Bün­de­lung der Da­ten soll ei­ne Art Früh­warn­sys­tem ge­gen Be­trie­be er­mög­li­chen, die be­son­ders häu­fig mit Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten auf­fal­len.

Die Grü­nen im Nrw-land­tag sind von Hei­nen-es­sers Nutz­tier­stra­te­gie ent­täuscht. Sie ent­hal­te „le­dig­lich sehr zar­te An­sät­ze und un­kon­kre­te Ge­dan­ken­spie­le“, sag­te Grü­nen-land­wirt­schafts­ex­per­te Nor­wich Rü­ße. Er ver­misst un­ter an­de­rem kon­kre­te Grö­ßen­vor­ga­ben für den Schwei­ne­stall der Zu­kunft so­wie Aus­füh­run­gen zum Brand­schutz in Schwei­ne­stäl­len. Zu­letzt star­ben bei Stall­brän­den in NRW meh­re­re Tau­send Tie­re.

FO­TO: DPA

Die Nutz­tier-hal­tung lässt in vie­len Bun­des­län­dern zu wün­schen üb­rig: Schwei­ne ste­hen dicht ge­drängt in ei­nem Stall in Os­na­brück.

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