Ein gu­tes Pfle­ge­heim er­kennt man am bes­ten vor Ort

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - WIRTSCHAFT - VON VIK­TOR MARINOV

BER­LIN Knapp 14.500 Pfle­ge­hei­me gibt es in Deutsch­land. Wie gut die mehr als 800.000 Be­dürf­ti­gen dort le­ben, konn­te man an­hand der bis­he­ri­gen Pfle­ge­no­ten schlecht ein­schät­zen. Als „Far­ce“be­zeich­ne­te Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) das ak­tu­el­le Sys­tem. Der neue Pfle­ge-tüv soll ei­ne fai­re Beur­tei­lung er­mög­li­chen. Bis je­des Heim er­fasst ist, dau­ert es al­ler­dings vor­aus­sicht­lich bis En­de 2020. Das bes­te Mit­tel für ei­ne Ein­schät­zung ist bis da­hin der Orts­be­such, sa­gen Ex­per­ten.

„Die Zahl der Pfle­ge­hei­me in der je­wei­li­gen Nä­he ist über­schau­bar. Der per­sön­li­che Be­such oh­ne An­kün­di­gung ist zu emp­feh­len“, sagt Jo­han­na Knüp­pel, Pres­se­spre­che­rin des Deut­schen Be­rufs­ver­bands für Pfle­ge­be­ru­fe (DBFK). Sie rät Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und An­ge­hö­ri­gen zu meh­re­ren Be­su­chen zu un­ter­schied­li­chen Ta­ges­zei­ten. „Ge­hen Sie ein­fach rein“, sagt auch Ro­land Busch­hau­sen vom Düs­sel­dor­fer Amt für So­zia­les.

Vor Ort soll man auf die Kör­per­spra­che der Be­woh­ner ach­ten, sagt Knüp­pel. „Sit­zen sie steif mit den Roll­stüh­len in ei­ner Rei­he und star­ren ins Nichts?“Dann sei­en vi­el­leicht Be­ru­hi­gungs­mit­tel im Spiel. Wenn sie hin­ge­gen in Krei­sen sit­zen und mit­ein­an­der spre­chen, sei das ein gu­tes Zei­chen.

Ein wei­te­res In­diz für ein gu­tes Pfle­ge­heim sei die Zu­sam­men­ar­beit mit Ver­ei­nen, Schu­len und Kin­der­gär­ten. Vie­le Ein­rich­tun­gen ha­ben an sicht­ba­ren Stel­len Lis­ten mit ver­schie­de­nen Ak­ti­vi­tä­ten für die Be­woh­ner: Das kann von Ge­sprächs­krei­sen über Spie­le­aben­de bis zum ge­mein­sa­men Gang zur Kir­mes rei­chen. „Da­ran merkt man, dass es dem Per­so­nal ein An­lie­gen ist, das Le­ben an­ge­nehm zu gestal­ten“, sagt Knüp­pel. In man­chen Häu­sern, so die Ex­per­tin, ver­wahr­lo­sen die Pfle­ge­bürf­ti­ge re­gel­recht.

Ein Warn­si­gnal sei­en et­wa ver­trock­ne­te Blu­men, sagt Ro­land Busch­hau­sen. Auch un­ge­putz­te Fens­ter spre­chen ge­gen ei­ne Pfle­ge­ein­rich­tung. Ent­schei­dend sei, ob man ge­grüßt wird, ob Mit­ar­bei­ter auf ei­nen zu­kom­men, wenn man durch den Flur ge­he. Letz­te­res kann auf Per­so­nal­man­gel hin­wei­sen – ein lei­di­ges Thema in der Pfle­ge. Der Düs­sel­dor­fer Ex­per­te emp­fiehlt, das per­sön­li­che Ge­spräch mit Be­woh­nern und Mit­ar­bei­tern zu su­chen. „Set­zen Sie sich in die Ca­fe­te­ria. Las­sen Sie sich nicht von bun­ten Bro­schü­ren über­zeu­gen, son­dern von den Men­schen vor Ort.“

Er­gän­zend zu ei­nem Be­such kön­nen Ver­brau­cher auch ei­ne Pfle­ge­be­ra­tung in An­spruch neh­men. Da­für gibt es pri­va­te und staat­li­che An­bie­ter, auch die Pfle­ge­kas­sen be­ra­ten ih­re Kun­den bei der Heim­wahl. „Ei­ne neu­tra­le und un­ab­hän­gi­ge Be­ra­tung be­kommt man in Düsseldorf vom Pfle­ge­bü­ro“, sagt Ro­land Busch­hau­sen. Die Mit­ar­bei­ter dort wüss­ten durch re­gel­mä­ßi­ge Kon­trol­len ganz ge­nau, wel­che Pfle­ge­hei­me in der Stadt gut sei­en und wel­che schlecht. Sie be­ra­ten Be­trof­fe­ne auch zur Fi­nan­zie­rung, Be­schei­ni­gun­gen und dem An­spruch auf So­zi­al­hil­fe. Das Pfle­ge­bü­ro er­reicht man te­le­fo­nisch mon­tags bis frei­tags von 9 bis 14 Uhr un­ter 0211899899­8.

Der Ein­zug ins Heim ist nicht oh­ne Al­ter­na­ti­ve, be­tont Busch­hau­sen. Ob man selbst ins Heim will oder ob dies der Wunsch der Kin­der ist, sei ei­ne der ers­ten Fra­gen im Düs­sel­dor­fer Pfle­ge­bü­ro. Drei Vier­tel al­ler Pfle­ge­be­dürf­ti­gen wer­den in Deutsch­land zu Hau­se ver­sorgt. „Heim muss nicht sein“, sagt Busch­hau­sen, „aber ein Teu­fels­werk ist es auch nicht“.

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