Wie ein Maul­wurf Fortu­na Düsseldorf in die Kri­se stürzt

ANA­LY­SE Der Fuß­ball-bun­des­li­gist ist dar­um be­müht, die Pos­se um den Vor­stands­vor­sit­zen­den Tho­mas Rött­germann ir­gend­wie in den Griff zu be­kom­men. Über­zeu­gend ist das bis­her aber noch nicht ge­lun­gen. In ei­nem Mit­glie­der­fo­rum wur­de die Ein­heit des Ver­eins be

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - SPORT - VON GI­AN­NI COSTA

DÜSSELDORF Ver­ant­wort­li­che in Fuß­ball­ver­ei­nen be­schwö­ren ger­ne die Ein­heit zwi­schen ih­nen und den Mit­glie­dern, wenn ih­nen nicht mehr viel ein­fällt, um den Scha­den zu mi­ni­mie­ren. Bei Fortu­na Düsseldorf ist in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ei­ni­ges aus dem Ru­der ge­lau­fen. Vor­stands­chef Tho­mas Rött­germann ist in ar­ge Be­dräng­nis ge­ra­ten, weil er dem Auf­sichts­rat ei­ne Ne­ben­tä­tig­keit nicht an­ge­zeigt hat. Rein­hold Ernst, der Vor­sit­zen­de des Kon­troll­gre­mi­ums, er­fuhr dar­aus aus der Zei­tung. Und auch da­nach leg­te Rött­germann nicht al­le Kar­ten auf den Tisch. „Der Spie­gel“über­führ­te ihn mit bri­san­ten in­ter­nen Mails. Al­les nur ein Miss­ver­ständ­nis? Al­les nur halb so schlimm?

Bei ei­nem so­ge­nann­ten Mit­glie­der­fo­rum hat Ernst die Vor­stands­eta­ge zum Aus­tausch an­tre­ten las­sen. Für ihn steht ei­ni­ges auf dem Spiel. Soll­te der zwei­te in sei­ner Ägi­de ver­pflich­te­te Vor­stands­chef sich als Fehl­griff er­wei­sen (An­fang des Jah­res trenn­te man sich von Ro­bert Schä­fer), wür­de das auch ihn be­schä­di­gen. Im­mer wie­der kom­men De­tails an die Öf­fent­lich­keit, die für sich ge­nom­men kein Skan­dal­po­ten­ti­al ha­ben, in Sum­me aber ein Ge­schmäck­le er­zeu­gen. Klei­ne Na­del­sti­che aus dem Ver­bor­ge­nen.

Das Tref­fen mit den Fans war ein wich­ti­ges Si­gnal von Ernst. So viel Trans­pa­renz wa­gen nur we­ni­ge Ver­ei­ne. Gleich­wohl konn­te man in­halt­lich kei­ne Wun­der er­war­ten. Rött­germann bleibt stur bei sei­ner Stra­te­gie, ei­gent­lich nichts falsch ge­macht zu ha­ben. „Ich bin mir kei­ner Schuld be­wusst, weil ich der Fortu­na nie ge­scha­det ha­be.“Und dann sagt er die­sen Satz, der ver­klä­ren soll, wer ur­sprüng­lich ei­nen Feh­ler ge­macht hat: „Wir sind im­mer noch ein Fuß­ball­ver­ein; es geht dar­um, dass die Mann­schaft nicht ab­steigt, das ist wich­tig und nicht ir­gend­wel­che Ne­ben­kriegs­schau­plät­ze – auch wenn man ei­nen an­de­ren Ein­druck krie­gen könn­te, wenn man ,Spie­gel’ oder ,Han­dels­blatt’ liest.“Rött­germann ver­schweigt da­bei, dass Jour­na­lis­ten Un­ge­reimt­hei­ten öf­fent­lich ge­macht ha­ben, für die er ver­ant­wort­lich ist. Das ist ihr Job, sein Job ist, sich kor­rekt zu ver­hal­ten. Und das hat er nun mal nach­weis­lich nicht in al­len Punk­ten ge­macht, er räumt das zu­min­dest teil­wei­se ein. Pro­ble­ma­tisch für den Ver­ein: es soll noch mehr Un­ter­la­gen ge­ben, die Rött­germann und auch Rein­hold Ernst be­tref­fen. Es ist zu ei­nem Tu­schel-thema in Düs­sel­dor­fer Krei­sen ge­wor­den, vie­le Wis­sen ein we­nig, nie­mand ge­nau­es. Ein idea­ler Nähr­bo­den für Ge­rüch­te al­ler Art. Wer ist das ei­gent­li­che Ziel? Gibt es po­li­ti­sche Strö­mun­gen bei Fortu­na, die ihn ab­sä­gen wol­len und da­bei auch nicht da­vor zu­rück­schre­cken, schmut­zi­ge Wä­sche öf­fent­lich zu wa­schen? Ernst gibt sich kämp­fe­risch. „Man kann mit Din­gen um­ge­hen, wenn man di­rekt von ge­gen­über kon­fron­tiert wird. Aber die­se Kul­tur der An­grif­fe von hin­ten oder um die Ecke möch­te ich in mei­nem Ver­ein nicht ha­ben“, sagt er. „Es gibt vie­le Ge­rüch­te und wir müs­sen da­für sor­gen, dass wir ana­ly­sie­ren, wo die Un­ru­he her­kommt. Das geht nicht über Nacht, aber wir müs­sen es ver­su­chen. Wir sind ver­ant­wort­lich den Mit­glie­dern ge­gen­über, des­halb die Bit­te: kei­ne Spe­ku­la­tio­nen hin­ter­rücks.“

Es wä­re an Rött­germann, tat­säch­lich die Ein­heit von Fortu­na aus­zu­ru­fen, in dem er Ver­trau­en schafft. Rött­germann hat Glück, dass er Lutz Pfan­nen­stiel an sei­ner Sei­te hat. Sport­vor­stand Pfan­nen­stiel re­det oft „frei Schnau­ze“. Er ver­steckt sich nicht hin­ter ir­gend­wel­chen Bwl-aus­drü­cken, son­dern re­det Kl­ar­text. Pfan­nen­stiel ge­nießt ho­hes An­se­hen bei den Fans, weil er ei­ne gute Mix­tur ge­schaf­fen hat im Team – auch wenn sich das der­zeit sport­lich nur er­ah­nen lässt. Oh­ne ihn hät­te es für Rött­germann deut­lich un­an­ge­neh­mer wer­den kön­nen. Rött­germann ist, zu­min­dest bei sei­nen vor­ge­tra­ge­nen Ar­gu­men­ten, ein Tech­no­krat, oh­ne Ge­spür für die Emo­tio­nen. „Wir wer­den erst tech­nisch prü­fen, was mit dem Mai­lac­count pas­siert ist, und das ana­ly­sie­ren. Da­nach wer­den wir mög­li­cher­wei­se An­zei­ge er­stat­ten, da kön­nen Sie sich si­cher sein.“Pfan­nen­stiel holt die ver­ba­le Axt raus: „Das, was der Maul­wurf ge­macht ge­macht ist, ist ver­eins­schä­di­gend und ei­ne Voll­ka­ta­stro­phe. Wenn je­mand sagt, der Maul­wurf sei gut, fin­de ich das schei­ße.“

FO­TO: JANNING

Fortu­nas Vor­stands­eta­ge: Tho­mas Rött­germann (links) und Lutz Pfan­nen­stiel.

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