Stadt will kei­ne wei­te­ren Ob­dach­lo­sen-camps räu­men

40 So­zi­al­ar­bei­ter dis­ku­tier­ten mit Amts­lei­te­rin Mi­ri­am Koch über die Un­ter­brin­gung von Woh­nungs­lo­sen.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - DÜSSELDORF - VON JÖRG JANSSEN

Das Thema Ob­dach­lo­se ist in Düsseldorf zum Po­li­ti­kum ge­wor­den. Und so war es kein Zu­fall, dass Mi­ri­am Koch, Lei­te­rin des Am­tes für In­te­gra­ti­on, am Di­ens­tag­nach­mit­tag Street­wor­ker und So­zi­al­ar­bei­ter zu ei­nem nicht-öf­fent­li­chen „Kon­vent“ins Rat­haus ein­ge­la­den hat­te. „Vor dem Hin­ter­grund der Dis­kus­sio­nen in der ver­gan­ge­nen Wo­che und mit Blick auf die nä­her rü­cken­de Win­ter­not­hil­fe war mir das wich­tig“, sagt die Be­am­tin. Rund 40 Teil­neh­mer ka­men zu dem Tref­fen, bei dem die un­ter der Rh­ein­knie­brü­cke ab­ge­leg­ten Wa­cker­stei­ne zur Ver­hin­de­rung ei­nes Ob­dach­lo­sen-camps al­ler­dings kein Dis­kus­si­ons­punkt wa­ren.

Auf Nach­fra­ge stell­te Koch al­ler­dings klar, dass nach dem NRW-FO­rum, dem Ra­tin­ger Tor, dem Hof­gar­ten, dem Pa­ra­dies­s­trand und eben der Rh­ein­knie­brü­cke kei­ne wei­te­re Räu­mung von „Plat­ten“, al­so von in­of­fi­zi­el­len La­ger­plät­zen un­ter frei­em Him­mel, mehr ge­plant sei. „Tat­säch­lich dul­den wir vie­le Plät­ze und Stel­len, weil wir die Grün­de der Ob­dach­lo­sen re­spek­tie­ren“, sag­te sie nach dem Kon­vent. Ent­schei­dend sei, dass nie­mand, der das nicht wol­le, in Düsseldorf drau­ßen über­nach­ten müs­se. Ex­per­ten schät­zen, dass bis zu 300 Men­schen, je­den­falls zeit­wei­se, im Frei­en über­nach­ten.

Oliver On­ga­ro, Street­wor­ker bei der Ob­dach­lo­sen-hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Fif­ty­fif­ty, er­neu­er­te sei­ne Kri­tik an der seit Mon­tag ge­öff­ne­ten Un­ter­kunft an der Al­de­kerk­stra­ße in He­erdt (zur­zeit nut­zen sechs Män­ner das An­ge­bot), die die Stadt auch für die Woh­nungs­lo­sen von der Rh­ein­knie­brü­cke ein­ge­rich­tet hat­te. „Wä­re das in Flin­gern oder Ober­bilk, könn­ten die Be­trof­fe­nen da­mit le­ben. Aber wer Fla­schen­pfand sam­melt, zur Dro­gen-sub­sti­tu­ti­on muss oder die Zeit­schrift Fif­ty­fif­ty ver­kauft, will ein­fach nicht an den Stadt­rand fah­ren – trotz kos­ten­frei­er Fahrt mit der Rhein­bahn“, sagt er. Hin­zu kä­me die Ab­nei­gung ei­ni­ger ge­gen sol­che Un­ter­künf­te. „Es sind eben auch schwie­ri­ge Leu­te dort, Men­schen mit Haf­ter­fah­rung, mas­si­ven Dro­gen- oder Ge­walt­pro­ble­men.“Aus­führ­lich nahm der Kon­vent die Win­ter­not­hil­fe in den Blick. Die könn­te erst­mals am Vo­gel­s­an­ger Weg im Stadt­nor­den ein­ge­rich­tet wer­den. Das An­ge­bot er­gänzt die Not­schlaf­stel­len an der Harkort-, der Kai­sers­wer­t­her und der Qu­er­stra­ße (für Frau­en) in der kal­ten Jah­res­zeit und wird un­ab­hän­gig von der Wit­te­rung vom 15. No­vem­ber bis zum 15. März ge­öff­net sein. Ein­zel­hei­ten will die Stadt in acht Ta­gen be­kannt­ge­ben.

RP-FO­TO:

Die Street­wor­ker (v. l.) Tho­mas Wa­gner, Oliver On­ga­ro, Hol­ger Kirch­hö­fer, Jo­han­nes Dör­ren­bä­cher und Tho­mas Ta­cken­berg vor dem Kon­vent im Düs­sel­dor­fer Rat­haus. JÖRG JANSSEN

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