Al­pa­kas tun Se­nio­ren gut

Die freund­li­chen Tie­re schaf­fen es, vie­le Res­sour­cen bei de­menz­kran­ken Men­schen in Kai­sers­werth zu we­cken.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - STADTTEILE NORD / OST - VON JU­LIA BRABECK

KAI­SERS­WERTH Al­pa­ma­ya hat ih­ren ei­ge­nen Kopf. Das neu­gie­ri­ge Tier sucht sich aus, wo­hin und vor al­len Din­gen zu wem es ge­hen will. Und so läuft die Al­paka­dame ziel­stre­big auf ei­ne äl­te­re Da­me in ei­nem Roll­stuhl zu, wel­che zu­nächst apa­thisch und ab­we­send wirkt, doch als ih­re Hand das flau­schi­ge Fell des Tie­res be­rührt, plötz­lich mun­ter wird, sich weit vor­beugt, um über den Rü­cken von Al­pa­ma­ya strei­cheln zu kön­nen.

„Es ist für uns er­staun­lich zu be­ob­ach­ten, wie die Men­schen auf­le­ben, wenn die Tie­re in ih­rer Nä­he sind“, sagt Ni­na Hun­dert, Lei­te­rin der So­zia­len Di­ens­te im Al­ten­zen­trum Stamm­haus der Dia­ko­nie. Sie hat or­ga­ni­siert, dass das Ehe­paar Michae­la und Detlef Ma­lu­che mit vier Tie­ren ih­rer Al­pa­ka­her­de die Se­nio­ren­ein­rich­tung be­su­chen. Ein span­nen­des Pro­jekt für al­le, da die Ma­lu­ches bis­lang ih­re Tie­re Be­su­chern nur auf den hei­mi­schen Wei­den prä­sen­tiert ha­ben, die in Lo­hau­sen oder Kal­kum lie­gen. „Da die An­rei­se nur sehr kurz ist und den Tie­ren die Fahrt nichts ausmacht, ha­ben wir das ger­ne aus­pro­biert und sind be­geis­tert, wie gut das funk­tio­niert“, sagt Michae­la Ma­lu­che.

Ru­hig ge­hen die Ma­lu­ches, die noch von Jes­si­ca Scharf un­ter­stützt wer­den, die ei­ne Wei­ter­bil­dung zur tier­ge­stütz­ten The­ra­pie macht, mit ei­nem Tier an der Lei­ne von Be­woh­ner zu Be­woh­ner, be­ant­wor­ten Fra­gen, las­sen die­se die Al­pa­kas füt­tern und strei­cheln. Die­se neh­men das ge­dul­dig hin, kön­nen aber auch je­der­zeit die Ter­ras­se, auf der sich die Se­nio­ren ver­sam­melt ha­ben, ver­las­sen und sich zu­rück­zie­hen. „Es soll schließ­lich Mensch und Tier bei die­ser Be­geg­nung gut ge­hen“, sagt Michae­la Ma­lu­che. Ein Rück­zug ist dies­mal aber gar nicht nö­tig. Die Tie­re füh­len sich so wohl bei den Se­nio­ren, dass sie sich nach ei­ner Wei­le nach­ein­an­der ge­müt­lich zu de­ren Fü­ßen hin­le­gen, was mit herz­li­chem La­chen der Se­nio­ren be­glei­tet wird.

„Un­se­re Auf­ga­be be­steht viel­fach aus Be­ob­ach­ten und Aus­pro­bie­ren. Vie­le der Stamm­haus-be­woh­ner sind de­ment und kön­nen sich nicht mit­tei­len. Des­halb ach­ten wir dar­auf, wie sie kör­per­lich auf die Tie­re re­agie­ren“, sagt Hun­dert. Sie ist be­geis­tert, wel­che Res­sour­cen die Al­pa­kas bei den Se­nio­ren ak­ti­vie­ren. So be­ob­ach­tet ei­ne äl­te­re Da­me das Trei­ben mit ei­nem ste­ten Lä­cheln. „Nor­ma­ler­wei­se ist sie sehr zu­rück­hal­tend und nimmt an kei­ner­lei An­ge­bo­ten teil“, sagt Hun­dert. Ei­ne an­de­re Da­me, die sonst un­be­weg­lich im Roll­stuhl sitzt, dreht und wen­det sich nun, um die Tie­re füt­tern zu kön­nen. „Mei­ner Mut­ter, die de­ment ist, hat die­ses Er­leb­nis sehr gut ge­tan. Sie ist jetzt sehr ent­spannt“, sagt ei­ne An­ge­hö­ri­ge. Sie wür­de sich wün­schen, dass sol­che Ver­an­stal­tun­gen viel öf­ter durch­ge­führt wer­den.

Denn zur­zeit ist nur ein­mal im Mo­nat ein Be­such der Al­pa­kas ge­plant und ei­gent­lich sol­len da­ran auch nur je­weils acht Be­woh­ner teil­neh­men, da­mit ei­ne ru­hi­ge At­mo­sphä­re ent­ste­hen kann. Dies­mal wächst al­ler­dings die Zu­schau­er­men­ge im­mer mehr an, da zu­fäl­lig vor­bei­kom­men­de Se­nio­ren be­geis­tert ste­hen blei­ben. Und dann ent­wi­ckelt sich dar­aus plötz­lich ei­ne ge­ne­ra­ti­ons­über­grei­fen­de Ver­an­stal­tung. Kin­der und Ju­gend­li­che aus der Nach­bar­schaft ha­ben vom Tier­be­such er­fah­ren und sich auf das Ge­län­de der Dia­ko­nie ge­schli­chen, strei­cheln die Al­pa­kas und kom­men dar­über mit den Se­nio­ren ins Ge­spräch. „Das ist al­les so schön“, flüs­tert ei­ner der Se­nio­ren.

RP-FO­TO: ANDRE­AS ENDERMANN

Detlef Ma­lu­che hilft ei­ner Be­woh­ne­rin des Kai­sers­wer­t­her Stamm­hau­ses, ei­ne der Al­paka­damen zu strei­cheln. Die­se sol­len re­gel­mä­ßig zu Be­such kom­men, für Freu­de und Ent­span­nung sor­gen.

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