Ab­schied vom Fortu­na-eck

Mo­ni­ka Froh­burg schließt nach 31 Jah­ren die Kult-eck­knei­pe. Die ver­rät auch viel über das Le­ben der Wir­tin.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - STADTTEILE MITTE / WEST - VON AR­NE LIEB

FLIN­GERN Wenn Mo­ni­ka Froh­burg nicht von ih­ren Kin­dern be­stärkt wor­den wä­re, dass ihr liebs­ter Platz hin­ter die­ser The­ke ist, hät­te sie wohl schon lan­ge auf­ge­hört. Im No­vem­ber fei­ert sie ih­ren 70. Ge­burts­tag. Nun soll es wirk­lich bald so weit sein: En­de des Jah­res schließt das Fortu­na-eck – und für Mo­ni ist es ein schwe­rer Ab­schied. „Die Kn­ei­pe ist mein Zu­hau­se und mein hal­bes Le­ben“, sagt sie.

Und das Fortu­na-eck „Bei Mo­ni“ist in Flin­gern ei­ne In­sti­tu­ti­on. Seit 31 Jah­ren führt Mo­ni­ka Froh­burg den La­den an der Ecke von Hof­feld­stra­ße und Fortu­na­stra­ße. Die Kn­ei­pe ist nicht nur An­lauf­punkt für An­woh­ner der Stra­ße und Fuß­ball-fans. Bei Mo­ni gibt es auch Li­ve-mu­sik. Die Jo­seph Boys zum Bei­spiel ha­ben hier oft ge­spielt, die Kar­ne­vals­band Lin­sen­ding tritt je­des Jahr vor Kar­ne­vals­start hier auf.

Als Mo­ni die Kn­ei­pe im Jahr 1988 über­nahm, hat­te sie die bei­den Kin­der schon groß­ge­zo­gen: Mit 16 war sie das ers­te Mal Mut­ter ge­wor­den. Als die Kin­der grö­ßer wa­ren, kell­ner­te sie in El­ler – und das kam an. „Ich kann gut mit Men­schen“, sagt sie. Als das Fortu­na-eck ab­zu­ge­ben war, ver­such­te sie es ein paar Wo­chen auf Pro­be – und blieb.

Das hat sie nie be­reut. „Das wa­ren tol­le Jah­re.“Bei Mo­ni wur­de viel und laut ge­fei­ert. Die Fuß­ball-fans ka­men, aber auch die Künst­ler. Bei der zwei­mal im Jahr statt­fin­den­den To­ten-ho­sen-par­ty war auch schon mal die Band selbst zu Gast. Schi­man­ski wur­de hier ge­dreht und ein Mu­sik­vi­deo, das dann ein Jahr bei Vi­va rauf und run­ter­lief. Die Kn­ei­pe er­zählt auch von ih­rem Le­ben. Hin­ter der The­ke hängt ein Schwarz­Weiß-bild ih­rer Mut­ter, die an­fangs aus­half, auf ei­nem Re­galbrett ste­hen un­zäh­li­ge Po­ka­le. Die hat die The­ken-mann­schaft ge­won­nen, die frü­her im Fortu­na-eck ver­kehr­te. Als die Spie­ler dann Kin­der be­ka­men, ka­men sie sel­te­ner. Über­haupt ist es ru­hi­ger ge­wor­den, sagt Mo­ni: Don­ners­tags kommt im­mer ei­ne Cli­que nach dem Schwim­men im Düs­sel­strand, rich­tig was los ist ei­gent­lich nur noch am Wo­che­n­en­de. Die Spie­le der Fortu­na kann man schon seit Jah­ren nicht mehr bei Mo­ni ver­fol­gen: Die Ge­büh­ren fürs PAY-TV sind zu hoch. Mo­ni lebt vor al­lem von den Ver­an­stal­tun­gen.

Die Fortu­na­stra­ße, die zu Eh­ren der Meis­ter­schaft 1933 nach dem Ver­ein be­nannt wur­de, be­fin­det sich in ei­nem Win­kel von Flin­gern-nord, an dem die Auf­wer­tung des Vier­tels lan­ge vor­bei­zu­zie­hen schien. Nun er­reicht der Wan­del auch die­ses letz­te ver­steck­te Stück an Bahn­schie­nen

und Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge, wo Mo­ni ih­re Kn­ei­pe hat. Schräg ge­gen­über vom Fortu­na-eck wur­de ein al­tes Haus ab­ge­ris­sen und durch ei­nen schi­cken Neu­bau er­setzt, auch das Haus mit der Kn­ei­pe selbst wur­de vor ei­ni­ger Zeit ver­kauft. Die Gas­tro­no­mie in Flin­gern ist oh­ne­hin im Ver­gleich zu den An­fangs­ta­gen des Fortu­na-ecks nicht mehr wie­der­zu­er­ken­nen: Es gibt in­zwi­schen fast ge­nau so vie­le hip­pe asia­ti­sche Re­stau­rants in Flin­gern-nord wie Eck­knei­pen.

Vie­le An­woh­ner der Fortu­na­stra­ße und der um­lie­gen­den Stra­ßen sind trau­rig über das be­vor­ste­hen­de Aus für die Kn­ei­pe. Nach­bar Cor­ne­li­us Völ­ker et­wa hofft, dass der Ver­mie­ter noch ei­ne Ver­län­ge­rung er­mög­licht. Das hofft auch Mo­ni selbst: Ein Jahr wür­de sie gern noch ma­chen. Dann könn­ten sich die Stamm­gäs­te lang­sam ver­ab­schie­den und sie hät­te Zeit, in Ru­he ih­re Kn­ei­pe aus­zu­räu­men. Dass sie nicht mehr hin­ter der The­ke ste­hen wird, kann sie sich so­wie­so nicht vor­stel­len.

RP-FO­TO: ANDRE­AS ENDERMANN

Mo­ni­ka Froh­burg vor ih­rem Fortu­na-eck, das sie zum En­de die­ses Jah­res schließt.

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