Ge­schich­te trifft Spio­na­ge­film

In „Wen­de­zeit“ge­rät ei­ne Sta­si-agen­tin in ei­nen Kon­flikt zwi­schen Fa­mi­lie und Be­ruf.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - MEDIEN - Wen­de­zeit, 20.15 Uhr, ARD

DÜSSELDORF( ry) Die­wend­eist rund um­den­tag der­deut­schen Ein­heit in al­ler Mun­de. Das 30. Ju­bi­lä­um des Falls der­mau­er dient­meh­re­ren Sen­dern zum­an­lass, die Zu­schau­er mit zahl­rei­chen Erst­aus­strah­lun­gen von Do­ku­men­ta­tio­nen, Fil­men oder all­ge­mein The­men­aben­den zu in­for­mie­ren und un­ter­hal­ten. Die­he­r­an­ge­hens­wei­sen sind da­bei sehr un­ter­schied­lich. Es wer­den ver­schie­de­ne Aspek­te des Wan­dels und des Un­ter­gangs der DDR auf­ge­grif­fen. Am Mitt­woch­abend steht im Ers­ten die­wen­de­zeit als­the­men­abend imzen­trum. Zu Be­ginn der Prime­time wird der Thril­ler „Wen­de­zeit“aus­ge­strahlt. Hier­mit hat Re­gis­seur Sven Boh­se gleich­sa­mei­nen in­for­ma­ti­ven­ge­schichts­ex­kurs­wie ei­nen span­nen­den Spio­na­ge­film­ge­schaf­fen. Die Prot­ago­nis­tin Sas­kia Star­ke (Pe­tra Schmidt-schal­ler) lebt 1989 in West-ber­lin mit ih­rem Mann Richard (Harald Schrott) und den bei­den ge­mein­sa­men Kin­dern ein schein­bar ge­ord­ne­tes Le­ben. Sie ar­bei­tet in der ame­ri­ka­ni­schen Bot­schaft und liebt ih­re Fa­mi­lie über al­les. So har­mo­nisch wie es scheint, ist Sas­ki­as Le­ben al­ler­dings längst nicht. Tat­säch­lich ist nicht ein­mal ihr Na­me echt. Die Frau heißt ei­gent­lich Tat­ja­na Leschke und ist die Toch­ter ei­nes hoch­ran­gi­gen Sta­si-of­fi­ziers. Sie wur­de da­zu aus­ge­bil­det, als Agen­tin in den Wes­ten zu ge­hen, dort un­ter fal­scher Iden­ti­tät den ein­fluss­rei­chen deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Wis­sen­schaft­ler Richard Star­ke zu tref­fen und über die Bot­schaft Zu­gang zu der CIA zu er­lan­gen. Der Plan ging auf, und Sas­kia spio­nier­te als Sta­si-mit­glied bei der CIA. Kom­pli­ziert wird es erst­mals, als Sas­ki­as auf Lü­gen auf­ge­bau­tes Le­ben ihr zu­neh­mend ge­fällt und sie sich wirk­lich in ih­ren Mann ver­liebt. Denn ih­re Exis­tenz ist stets be­droht, als so­wohl im Wes­ten als auch im Os­ten im­mer mehr Men­schen her­aus­zu­fin­den ver­su­chen, wer sich als Maul­wurf in die CIA ein­ge­schli­chen ha­ben könn­te. Ge­fähr­lich wer­den Sas­kia nicht nur an­de­re Dop­pel­agen­ten, son­dern auch mög­li­che Über­läu­fer aus dem Os­ten, die im­wes­ten Fuß fas­sen­möch­ten. Spä­tes­tens als di­eddr 1989 kurz vor de­m­un­ter­gang steht und ei­ne Lis­te­mit Klar­na­men der Sta­si-agen­ten, die Ro­sen­holz-da­tei­en, im­mer be­gehr­ter wird, ist nicht nur Sas­kia, son­dern auch ih­re Fa­mi­lie in Ge­fahr. Zwar han­delt der Film von ei­ner fik­ti­ven Per­son, den­noch be­schreibt er sehr rea­lis­tisch die Her­aus­for­de­run­gen, die sich für ei­ne Sta­si-agen­tin zu Zei­ten des Um­bruchs er­ge­ben ha­ben. So­wohl­re­gis­seur Sven Boh­se als auch Dreh­buch­au­to­rin Sil­ke St­ei­ner ga­ben im In­ter­viewan, dass sie es in­ter­es­sant fan­den, in An­be­tracht der Freu­de, die der Mau­er­fall bei den meis­ten aus­lös­te, den Fo­kus zur Ab­wechs­lung auf die­angst zu le­gen. Es ging ih­nen um­e­ben je­ne Angst, die die Wen­de vie­len Agen­ten be­rei­te­te. Das wirft auch die Fra­ge auf, wie vie­le Ex-sta­si-leu­ten wohl noch im­mer un­er­kannt sind. In der Haupt­rol­le ist Pe­tra Schmidt-schal­ler zu se­hen, ei­ne ge­stan­de­n­em­i­min des deut­schen Fern­se­hen – ein Glücks­fall für den Film, wie Pro­du­zen­tin Hei­ke Voß­ler imin­ter­view­erklärt:„ih­re atem­be­rau­bend glaub­haf­te Wand­lung vom 17-jäh­ri­gen­mäd­chen bis zur 40-jäh­ri­gen Er­wach­se­nen hat­mich schon wäh­rend der Dreh­zeit fas­zi­niert. Aber nicht nur äu­ßer­lich, son­dern auch die Darstel­lung des emo­tio­na­len­di­lem­mas der­haupt­fi­gur, ih­re Zer­ris­sen­heit zwi­schen pri­va­tem Glück und ih­rem Auf­trag, zwi­schen ih­rer­hei­mat imos­ten und ih­rer Fa­mi­lie im Wes­ten, hat mich tief be­rührt.“Auch für Schmidt-schal­ler ist de­ras­pekt der in­ner­li­chen Zer­ris­sen­heit mit das In­ter­es­san­tes­te an ih­rer Fi­gur.„ich moch­te es zu se­hen, wie Sas­kia, die in ih­rer Ju­gend fast ‚ab­ge­rich­tet‘ wur­de, für die Durch­set­zung und den Schutz ei­ner hö­he­ren Idee zu funk­tio­nie­ren, zwi­schen ele­men­ta­ren in­ne­ren­kräf­ten agiert. Und sie da­bei zu be­glei­ten, wie sie sich ent­schei­den­wird: für ei­ne grö­ße­re Sa­che zu kämp­fen oder für ihr ei­ge­nes Le­ben?“Ab 22.45 Uhr ist das The­ma­wen­de­zeit zu­dem­der Dis­kus­si­ons­stoff in San­dra­maisch­ber­gers Talk­show.

FO­TO: RBB/ARD/VOL­KER ROLOFF

Dop­pel­agen­tin Sas­kia Star­ke (Pe­tra Schmidt-schal­ler) fin­det sich in ei­ne­me­mo­tio­na­len Aus­nah­me­zu­stand­wie­der, als sich das En­de der DDR an­kün­digt. Wie geht sie­mit der pre­kä­ren Si­tua­ti­on um?

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