Bald Was­ser­bus­se für Pend­ler?

Im­mer mehr Al­ter­na­ti­ven zum Auto sol­len bei der Ver­kehrs­wen­de hel­fen. Wei­te­ren Schub könn­te ei­ne Was­ser­bus-li­nie brin­gen zwi­schen Köln, Düs­sel­dorf und Duis­burg. Nrw-ver­kehrs­mi­nis­ter Hen­drik Wüst hat Un­ter­stüt­zung si­gna­li­siert.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - VORDERSEIT­E - VON UWE-JENS RUHNAU

Im­mer mehr Al­ter­na­ti­ven zum Auto sol­len bei der Ver­kehrs­wen­de hel­fen. Wei­te­ren Schub könn­te ei­ne Was­ser­bus-li­nie ge­ben.

In Ham­burg und Rot­ter­dam gibt es sie, in New York und Istan­bul, in tou­ris­ti­schen Re­gio­nen wie den ober­ita­lie­ni­schen Se­en oh­ne­hin – und Ve­ne­dig sä­ße oh­ne Was­ser­bus­se, par­don, ver­kehrs­tech­nisch auf dem Tro­cke­nen. Nun rückt der Rhein als Rou­te für den Pas­sa­gier­trans­port stär­ker in den Fo­kus. Das ver­wun­dert in Zei­ten dro­hen­der Die­sel­fahr­ver­bo­te und der Ver­kehrs­wen­de nicht. Die Stadt Köln hat beim Land För­der­mit­tel für ei­ne Mach­bar­keits­stu­die be­an­tragt, die ei­ne Was­ser­bus­li­nie zwi­schen Köln-wes­se­ling, Köln und Le­ver­ku­sen prü­fen soll. Düs­sel­dorf hat Ähn­li­ches vor. Die wich­tigs­ten Fak­ten:

Die Aus­gangs­la­ge Fähr­ver­kehr gab es über den Rhein, be­vor es Brü­cken gab. Dann ka­men Schiffs­li­ni­en­diens­te auf. Auch die Rhein­bahn hat­te mal ei­ne klei­ne Flot­te, un­ter pri­va­ter Füh­rung heu­te als Weis­se Flot­te be­kannt. Wach­sen­de Groß­städ­te sor­gen, da sich die Ge­sell­schaft noch stark auf Au­tos fo­kus­siert, für Ve­rän­de­rungs­druck: Mehr Men­schen in der Stadt be­deu­ten auch mehr Au­tos, hin­zu kom­men die Pend­ler: Von 300.000 in Düs­sel­dorf kom­men 210.000 mit dem Auto. Das dro­hen­de Die­sel­fahr­ver­bot und ver­stopf­te Stra­ßen füh­ren zur Su­che nach Al­ter­na­ti­ven. Ne­ben dem Aus­bau von Bahn- und Bus­li­ni­en ge­hört da­zu auch ei­ne stär­ke­re Nut­zung von Was­ser­stra­ßen. Nrw-ver­kehrs­mi­nis­ter Hen­drik Wüst (CDU) hat da­zu jüngst ge­sagt: „Auf den Was­ser­stra­ßen in NRW sind noch Ka­pa­zi­tä­ten frei. Wir brau­chen ei­nen Ak­ti­ons­plan, der die Sa­nie­rung der Was­ser­stra­ßen struk­tu­riert und Tem­po macht.“

Vor­bild Köln In Köln wur­de be­reits im März be­schlos­sen, ei­ne Mach­bar­keits­stu­die durch­zu­füh­ren. Die Köl­ner ha­ben schon ei­ne Zu­sa­ge über Lan­des­mit­tel in Hö­he von 100.000 Eu­ro aus dem Pro­gramm „pro­g­res.nrw – Emis­si­ons­ar­me Mo­bi­li­tät“. Ver­kehrs­de­zer­nen­tin An­drea Blo­me, die aus Düs­sel­dorf nach Köln ge­wech­selt ist, hält ei­ne kom­mu­na­le und in­ter­kom­mu­na­le Nut­zung für sinn­voll. „Wir wol­len die Schiffs­sta­tio­nen in der Nä­he von Kno­ten­punk­ten des öf­fent­li­chen Nah­ver­kehrs und des Rad­schnell­we­ge­net­zes ein­rich­ten.“Die Schif­fe sol­len elek­trisch be­trie­ben wer­den. Bei den Ex­per­ten des Lan­des fällt ins Ge­wicht, dass es im Köl­ner Sü­den we­nig Brü­cken gibt und durch Was­ser­bus­se ein ech­ter Mehr­wert ent­ste­hen könn­te.

Plan Düs­sel­dorf In Düs­sel­dorf macht sich Cdu-rats­herr Rolf Tups für die Idee stark. Aus sei­ne In­itia­ti­ve hin gab es im Mai ei­nen ge­mein­sa­men An­trag von CDU und der Am­pel­ko­ope­ra­ti­on aus SPD, Grü­nen und FDP. Auch hier ging es um ei­ne Mach­bar­keits­stu­die. Laut De­zer­nent Chris­ti­an Zaum stimmt sich die Stadt bis Mit­te Ok­to­ber mit den Nach­bar­städ­ten zwi­schen Duis­burg und Le­ver­ku­sen ab und will dann eben­falls ei­nen För­der­an­trag stel­len. Für Zaum, der im Rat­haus für die re­gio­na­le Zu­sam­men­ar­beit zu­stän­dig ist, wä­re die Was­ser­bus-li­nie ein her­vor­ra­gen­des Pro­jekt für die Me­tro­pol­re­gi­on Rhein­land.

Tat­säch­lich kommt Zu­stim­mung aus den Nach­bar­krei­sen. Der Mett­man­ner Land­rat Tho­mas Hen­de­le (CDU) hat in Ab­stim­mung mit dem Mon­hei­mer Bür­ger­meis­ter Da­ni­el Zimmermann (Pe­to) bei der Lan­des­haupt­stadt nach­drück­lich da­für ge­wor­ben, dass auch Mon­heim bei den Über­le­gun­gen für ei­ne Was­ser­bus-li­nie in die Be­trach­tung ge­nom­men wird. Als die Düs­sel­dor­fer Cdu-land­tags­ab­ge­ord­ne­te An­ge­la Er­win ei­nen Ter­min bei Wüst zum The­ma Was­ser­bus­se ver­ein­bar­te, war ne­ben Tups mit Hans-jür­gen Pe­t­rausch­ke (CDU) auch der Land­rat des Krei­ses da­bei. Wüst re­agier­te sehr po­si­tiv auf den Düs­sel­dor­fer Vor­stoß und reg­te an, in gro­ßen Lö­sun­gen zu den­ken. Er brach­te laut Er­win ei­ne Ver­bin­dung von Köln bis Duis­burg ins Ge­spräch und stell­te ei­ne Pau­schal­för­de­rung des Lan­des für In­ves­ti­tio­nen und Be­trieb in Aus­sicht.

Die Fi­nan­zie­rung Klar ist, dass bei Was­ser­bus­sen wie bei der Rhein­bahn Sub­ven­tio­nen fäl­lig wer­den. In Ham­burg ist bei acht Mil­lio­nen Fahr­gäs­ten 2017 ein Zu­schuss von rund neun Mil­lio­nen Eu­ro ge­zahlt wor­den. Die Fra­ge wird sein, wie hoch der Nut­zen und der Kos­ten­de­ckungs­grad aus­fal­len. Da der Rhein mä­an­dert, könn­ten auf ei­ni­gen Ab­schnit­ten Zug- oder Bahn­ver­bin­dun­gen viel schnel­ler sein. „Dann könn­te es bes­ser sein, das Geld in be­ste­hen­de Ver­kehrs­sys­te­me zu ste­cken“, sagt Achim Schlo­e­mer, Ge­schäfts­füh­rer der Köln-düs­sel­dor­fer Deut­sche Rhein­schif­fahrt (14 Schif­fe, 1,5 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­re).

Al­ler­dings gibt es Schif­fe, die laut Schlo­e­mer auch 30 bis 40 km/h schnell sind. Er ha­be ei­ne Werft in Lu­zern be­sucht, die sol­che Schif­fe für bis zu 300 Pas­sa­gie­re baut. Al­ler­dings sei der Rhein ei­ne in­ter­na­tio­na­le Schiff­fahrt­stra­ße mit be­son­de­ren An­for­de­run­gen. An­ders als in Ham­burg, wo 13 der 26 Ha­dag-schif­fe von ei­ner Per­son be­dient wer­den, sei­en hier ein Schiffs­füh­rer und Ma­tro­sen not­wen­dig. Den­noch kön­ne er sich für die KD sol­che Was­ser­bus­li­ni­en vor­stel­len.

Un­ser Au­tor fin­det, Was­ser­bus­se könn­ten bei der Ver­kehrs­wen­de ei­ne Rol­le spie­len.

Kom­men­tar Sei­te C2

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