Gol­de­ne Stim­me von Prag ver­stummt

Mit sei­nem jun­gen­haf­ten Charme und ei­ner samt­wei­chen Stim­me er­ober­te sich Ka­rel Gott ein welt­wei­tes Pu­bli­kum. In Tsche­chi­en wird er ver­ehrt, auch hier­zu­lan­de fei­ert er gro­ße Er­fol­ge, et­wa mit „Bie­ne Ma­ja“. Nun ist er 80-jäh­rig ge­stor­ben.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - PANORAMA - VON JÖRG ISRINGHAUS

PRAG In Tsche­chi­en nann­ten ihn al­le nur schlicht „mis­tr“, den Meis­ter, ein Aus­druck größ­ten Re­spekts, aber auch tiefs­ter Ver­eh­rung. In Deutsch­land be­scher­te ihm aus­ge­rech­net ein In­sekt sei­nen größ­ten Hit: Mit dem Ti­tel­song der Zei­chen­trick­se­rie „Bie­ne Ma­ja” mach­te sich Ka­rel Gott hier­zu­lan­de un­ver­gess­lich. Mehr als 60 Jah­re stand „die gol­de­ne Stim­me aus Prag“auf der Büh­ne, und fast je­de Ge­ne­ra­ti­on weiß ein Lied mit ihm zu ver­bin­den – ob nun „Ba­bi­cka“, „Ein­mal um die Welt“oder „Fang das Licht“. Mit Schmelz und jun­gen­haf­tem Charme ver­zau­ber­te Gott sein Pu­bli­kum, das zu­letzt lan­ge um ihn bang­te. Im No­vem­ber 2015 gab der Sän­ger be­kannt, an Lymph­drü­sen­krebs er­krankt zu sein, vor drei Wo­chen teil­te er mit, an Leuk­ämie zu lei­den. Am Di­ens­tag kurz vor Mit­ter­nacht ist „Boz­s­ka Ka­ja”, der gött­li­che Karl, wie ihn sei­ne tsche­chi­schen Lands­leu­te auch nann­ten, zu Hau­se ge­stor­ben. Er wur­de 80 Jah­re alt.

Ein Star war der ge­lern­te Opern­sän­ger schon früh. Al­ler­dings als Ro­cker, der die in der Tsche­cho­slo­wa­kei der 60er ver­bo­te­nen West-hits in­ter­pre­tier­te. Sein sam­te­nes Tim­bre ver­an­lass­te das „Time Ma­ga­zi­ne“, ihn als „Si­na­tra des Os­tens“zu ti­tu­lie­ren, und es ver­schaff­te ihm ein halb­jäh­ri­ges En­ga­ge­ment in Las Ve­gas. Als „der ers­te sin­gen­de Kom­mu­nist“ge­lang ihm dort der in­ter­na­tio­na­le Durch­bruch. Für den deut­schen Markt wur­de Gott auf net­ter Schwie­ger­sohn ge­bürs­tet, mit An­zug und Kra­wat­te, so­zu­sa­gen als Ge­gen­ent­wurf zum Hip­pie-hal­lo­dri. Sein Al­bum „Die Gol­de­ne Stim­me aus Prag“lan­de­te 1968 an der Spit­ze der deut­schen Charts, in de­ren hö­he­ren Re­gio­nen es sich zwei Jah­re lang hielt. Lan­ge ge­nug, dass die Po­ly­dor gro­ße Ge­schäf­te wit­ter­te und den Ver­trag mit dem Sän­ger auf Le­bens­zeit ver­län­ger­te – ein be­son­de­res Pri­vi­leg.

Als Gott 1971 nach Aus­lau­fen sei­nes Vi­sums im Wes­ten blieb, wur­den Freun­de und Fa­mi­lie ver­hört und ein Ver­fah­ren ge­gen ihn ein­ge­lei­tet. Doch So­wjet­füh­rer Leo­nid Bre­schnew in­ter­ve­nier­te. Gott ge­noss dar­auf­hin weit­rei­chen­de Pri­vi­le­gi­en, un­ter­zeich­ne­te aber auch die so­ge­nann­te An­ti­ch­ar­ta, ein Re­gie­rungs­ma­ni­fest ge­gen die tsche­cho­slo­wa­ki­sche Bür­ger­rechts­be­we­gung Char­ta 77 von Va­clav Ha­vel. Das Re­gime dank­te es ihm mit dem Ti­tel Na­tio­nal­künst­ler. Sei­ne Kri­ti­ker ver­stumm­ten, als der Sän­ger 1989 wäh­rend der Samt­re­vo­lu­ti­on auf ei­ner Kund­ge­bung er­schien und mit dem Bür­ger­recht­ler Ka­rel Kryl die Na­tio­nal­hym­ne an­stimm­te. Vor ein paar Jah­ren trat er auch in der Pra­ger Bot­schaft auf, im Pa­lais Lob­ko­wicz, wo 1989 Tau­sen­de Ddr-flücht­lin­ge auf ih­re Aus­rei­se war­te­ten, und sang „Ein­mal um die gan­ze Welt“. Gott sah sich selbst als ei­nen Mitt­ler zwi­schen Ost und West.

Sei­ne Lie­be ge­hör­te ne­ben der Mu­sik auch der Ma­le­rei. Die Kunst­aka­de­mie lehn­te ihn je­doch ab. „Als sin­gen­der Ma­ler wä­re ich si­cher­lich nie so er­folg­reich ge­wor­den wie als ma­len­der Sän­ger“, sagt Gott spä­ter. Ei­ne Zeit­lang zeig­te er sei­ne Bil­der

auch im Mu­se­um „Gott­land“, das aber schlie­ßen muss­te. Was war das Ge­heim­nis sei­nes Er­folgs? „Die Bot­schaft, die Stim­mung, die die­se Lie­der in sich tra­gen“, sag­te er ein­mal selbst. Die gu­ten Nach­rich­ten, die fro­hen, op­ti­mis­ti­schen Bot­schaf­ten hät­ten den Men­schen neue Ener­gie ge­schenkt.

Gott war selbst kein Kind von Trau­rig­keit, vor al­lem, was sein Ver­hält­nis zu Frau­en an­ging. Hun­der­te Li­ai­sons wur­den ihm an­ge­dich­tet, zwei Töch­ter gin­gen dar­aus her­vor. 2008 hei­ra­te­te er die 37 Jah­re jün­ge­re Iva­na, mit ihr wur­de er noch ein­mal Va­ter von zwei Töch­tern. Mit der äl­te­ren der bei­den, Char­lot­te El­la, spiel­te Gott im Mai 2019 ein be­we­gen­des Du­ett ein. Es mu­tet wie ei­ne dunk­le Vor­aus­ah­nung an, wenn es da heißt: „Wenn mich der Strom fort­reißt, musst du schwim­men.“

Der tsche­chi­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent And­rej Ba­bis sprach sich nun für ein Staats­be­gräb­nis Gotts im Veits­dom auf der Pra­ger Burg aus – zu­letzt er­hielt das 2011 der frü­he­re Bür­ger­recht­ler, Schrift­stel­ler und Prä­si­dent Va­clav Ha­vel. Selbst im Tod blie­be Gott da­mit ein Mitt­ler.

„Als sin­gen­der Ma­ler wä­re ich si­cher­lich nie so er­folg­reich ge­wor­den wie als ma­len­der Sän­ger“Ka­rel Gott

FO­TO: CHRIS HOFF­MANN/DPA

Sän­ger Ka­rel Gott bei sei­nem Auf­tritt in der Zdf-sil­ves­ter-show 1971 mit Tän­ze­rin­nen des Zdf-bal­letts.

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