Bmw-len­ker nicht mehr reichs­te Deut­sche

Beim Ran­king der wohl­ha­bends­ten Bür­ger wech­selt der Spit­zen­rei­ter. Aus NRW ste­chen die Al­di-er­ben und der Hen­kel-clan her­vor.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KOWALEWSKY

DÜS­SEL­DORF Wie gut geht es den ganz Wohl­ha­ben­den in Deutsch­land? Sehr gut. Das zei­gen die neu­en Zah­len des „Ma­na­ger Ma­ga­zins“über die 1000 reichs­ten Per­so­nen oder Fa­mi­li­en in der Re­pu­blik.

Wäh­rend der Ak­ti­en­in­dex Dax in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren um rund zehn Pro­zent ab­rutsch­te, gibt es seit 2018 kon­stant 200 Mil­li­ar­dä­re und Mil­li­ar­där-clans in Deutsch­land. Sechs der zehn reichs­ten Fa­mi­li­en ha­ben ihr Ver­mö­gen im ver­gan­ge­nen Jahr er­höht. Doch es gab auch­ver­lus­te: Weil der BMW mas­siv un­ter der Auto-kri­se lei­det, ver­lo­ren die Ge­schwis­ter Su­san­ne Klat­ten und Ste­fan Quandt rund acht Mil­li­ar­den Eu­ro. 2018 wa­ren die Bmw-groß­ak­tio­nä­re noch mit 34 Mil­li­ar­den Eu­ro die reichs­te Fa­mi­lie in Deutsch­land, jetzt reicht es mit 26,5 Mil­li­ar­den Eu­ro nur für Platz drei.

Auf­stei­ger ist der Reimann-clan aus Mann­heim, dem frü­her der Che­mie­kon­zern Ben­cki­ser ge­hör­te und die seit­dem über ei­ne Hol­ding­fir­ma un­ter an­de­rem in ei­ne Ket­te an Tier­kli­ni­ken in­ves­tiert. Vor ei­nem Jahr ka­men die Rei­manns auf 33 Mil­li­ar­den Eu­ro Ver­mö­gen, jetzt sind es 35 Mil­li­ar­den Eu­ro. „Die Wohl­ha­ben­den investiere­n oft sehr sta­bil“, sagt Stu­di­en­au­tor Chris­toph Neß­hö­ver, „dar­um er­reicht sie der all­ge­mei­ne Ab­schwung an den Bör­sen et­was zeit­ver­setzt“.

Da­bei zeigt das Ran­king der Rei­chen Stär­ken und Schwä­chen von Deutsch­land und NRW wie in ei­nem Brenn­glas. Auf­fäl­lig ist, wie we­ni­ge neue Grün­der zu den wirk­lich wohl­ha­ben­den Bür­gern ge­hö­ren. Wäh­rend in den USA Ama­zon-grün­der Jeff Be­zos ( Ver­mö­gen rund 130 Mill­li­ar­den Dol­lar), Face­book-grün­der Mark Zu­cker­berg (61 Mil­li­ar­den Dol­lar) und die zwei Goog­le-vor­den­ker Lar­ry Pa­ge und Ser­gey Brin (je­weils mehr als 50 Mil­li­ar­den Dol­lar) ih­re Un­ter­neh­men in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren auf­bau­ten und je­weils zu den zehn Reichs­ten des Lan­des ge­hö­ren, ba­siert das Ver­mö­gen der zehn reichs­ten Fa­mi­li­en Deutsch­lands auf Ak­ti­vi­tä­ten, die vor min­des­tens 40 Jah­ren star­te­ten.

Lidl gibt es seit 1973, Al­di ex­pan­diert seit den 1950er-jah­ren, BMW flo­rier­te schon un­ter Adolf Hit­ler, die Au­to­zu­lie­fe­rer Knorr-brem­se und Scha­eff­ler ge­hör­ten schon in den 1950er Jah­ren zum In­ven­tar, der Ot­to-ver­sand wur­de 1949 ge­grün­det.

Im­mer­hin ge­hö­ren mit Has­so Platt­ner und Diet­mar Hopp zwei der drei Grün­der des 1972 ge­grün­de­ten Soft­ware­kon­zerns SAP mit je­weils mehr als acht Mil­li­ar­den Eu­ro an Ver­mö­gen zu den Top 20. Auf Platz 56 kommt mit 2,9 Mil­li­ar­den Eu­ro Ralph Dom­mer­muth als Haupt­in­ha­ber von Uni­ted In­ter­net (1&1). Und auf Rang 70 fol­gen die Brü­der Marc, Alex­an­der und Oli­ver Sam­wer, die in Ber­lin die Star­t­up-schmie­de Ro­cket In­ter­net auf­bau­ten. „Deutsch­lands Wirt­schaft ist eher so­li­de als wachs­tums­ori­en­tiert“, sagt Au­tor Neß­hö­ver: „Da muss sich mehr tun.“Nach­hol­be­darf sieht auch Nrw-wirt­schafts­mi­nis­ter Andre­as Pink­wart (FDP): Grün­der­fir­men und eta­blier­te Un­ter­neh­men soll­ten stär­ker zu­sam­men­ar­bei­ten, um von di­gi­ta­len Chan­cen zu pro­fi­tie­ren.

Da­bei zeigt die Un­ter­su­chung auch, wel­che Rol­le NRW beim Ran­king der Rei­chen spielt: Wäh­rend aus den neu­en Län­dern nie­mand zu den 100 reichs­ten­fa­mi­li­en Deutsch­lands ge­hört, sind es aus NRW im­mer­hin 16 Clans in­klu­si­ve den zwei Al­di-fa­mi­li­en, den Oet­kers aus Bie­le­feld, den­reth­manns aus Lü­nen oder den In­ha­bern vonvor­werk in Wup­per­tal, der Fa­mi­lie Mit­tels­ten Scheid. Hin­zu kom­men laut „Ma­na­ger-ma­ga

zin“die In­ha­ber der Braue­rei Krom­ba­cher mit 2,2 Mil­li­ar­den Eu­ro an ge­schätz­tem Ver­mö­gen, die Fa­mi­lie Bo­quoi als Ei­gen­tü­mer von Bo­frost in­strae­len oder auch meh­re­re Fa­mi­li­en, die ihr Ei­gen­tum in Stif­tun­gen über­führ­ten: So ge­hö­ren der Schuh­an­bie­ter Deich­mann aus Es­sen­und der Me­di­en­kon­zern Ber­tels­mann je­weils Stif­tun­gen.

Als Son­der­the­ma un­ter­sucht die Stu­die, wie es um das Ver­mö­gen von Fa­mi­li­en steht, die sich mit min­des­tens 40 Mit­glie­dern das Er­be ih­rer Vor­fah­ren tei­len. So wird der Wert der Neus­ser Wer­hahn-grup­pe auf 3,1 Mil­li­ar­den Eu­ro ein­ge­stuft, die auf rund 420 Fa­mi­li­en­mit­glie­der ver­teilt wer­den müs­sen. Das sind pro Kopf 7,4 Mil­lio­nen Eu­ro. Der­ha­ni­el-clan aus Duis­burg kommt auf sechs Mill­li­ar­den Eu­ro – das macht ein Ver­mö­gen von 8,7 Mil­lio­nen pro Kopf. Am bes­ten schnei­det der von Si­mo­ne Ba­gel-trah an­ge­führ­te Hen­kel-clan ab, der den gleich­na­mi­gen Kon­zern in Düs­sel­dorf kon­trol­liert: Das Ver­mö­gen liegt laut Stu­die bei 20 Mil­li­ar­den Eu­ro. Auf je­des der 132 Fa­mi­li­en­mit­glie­der ent­fal­len 151 Mil­lio­nen Eu­ro.

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