„End­spiel­chen“für Mön­chen­glad­bach

Bei FK Basak­se­hir in Istan­bul geht es be­reits um das Wei­ter­kom­men in der Eu­ro­pa Le­ague.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - SPORT - VON KARSTEN KELLERMANN

ISTAN­BUL Die Kon­tra­hen­ten ha­ben das ers­te Du­ell schon hin­ter sich. Es fand in der vir­tu­el­len Welt statt, bei Twit­ter. Basak­se­hir FK, der Klub aus dem gleich­na­mi­gen Istan­bu­ler Stadt­teil, an des­sen Grün­dung auch der tür­ki­sche Staats­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan be­tei­ligt war, und der Bun­des­li­gist Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach mo­nier­ten beim je­weils an­de­ren, dass des­sen Na­me kaum aus­zu­spre­chen sei. Der tür­ki­sche Vi­ze­meis­ter der Vor­sai­son hat so­gar Sprech­pro­ben ein­ge­holt, und da klang man­ches „Mön­chen­glad­bach“schon arg ra­de­bre­chend. Man ei­nig­te sich schließ­lich dar­auf, die Sa­che all­ge­mei­ner an­zu­ge­hen: „A Tur­kish Team“ge­gen „A Ger­man Team“, das ist die in­of­fi­zi­el­le Sprach­re­ge­lung für das Eu­ro­pa-le­ague-spiel.

An­ge­lehnt ist die Ge­schich­te an ei­ne ver­gan­ge­ne Eu­ro­pa-tour der Bo­rus­sen. Als sie 2016 nach Glas­gow fuh­ren, ver­zwei­fel­te ein ge­wis­ser Bri­an Pi­cke­ring bei der Be­schrif­tung ei­ner Kn­ei­pen­ta­fel mit der Spiel­paa­rung „Cel­tic Glas­gow vs. Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach“und ließ den schot­ti­schen Kult­klub eben ge­gen „A Ger­man Team“an­tre­ten. Die­ses ge­wann 2:0 im Cel­tic-park, es war der ers­te Aus­wärts­sieg Bo­rus­si­as in der Cham­pi­ons Le­ague so­wie die Grund­la­ge für das spä­te­re Er­rei­chen des drit­ten Grup­pen­plat­zes.

Da­mit führt der Exkurs in die jün­ge­re Eu­ro­pa­po­kal-ver­gan­gen­heit Bo­rus­si­as di­rekt in die Ge­gen­wart, nach Istan­bul und ins Fa­tih Te­rim Sta­di, in dem Basak­se­hir FK seit 2014 sei­ne Hei­mat hat. Dort wol­len die Bo­rus­sen das tun, was sie vor drei Jah­ren in Glas­gow be­werk­stel­lig­ten: Die Ba­sis schaf­fen, um in Eu­ro­pa zu über­win­tern. Das ist das er­klär­te Ziel der Bo­rus­sen, und es ist ge­fähr­det seit dem über­ra­schen­den 0:4 im Heim­spiel ge­gen den Wolfs­ber­ger AC im Auf­takt­spiel. Bo­rus­sia hat sich, das ge­ben die Prot­ago­nis­ten durch­aus zu, in die Si­tua­ti­on ge­bracht, nun zu­min­dest ein klei­nes Fi­na­le, ein „End­spiel­chen“zu ha­ben. „Wir ha­ben uns selbst un­ter Druck ge­setzt“, ge­stand Trai­ner Mar­co Ro­se.

„Dar­um wä­re es wich­tig, dass wir am Don­ners­tag an­fan­gen zu punk­ten“, sag­te Ro­se. Bei RB Salz­burg war er ein Ex­per­te für die Eu­ro­pa Le­ague, ge­ra­de, wenn es um spek­ta­ku­lä­re Aus­wärts­spie­le ging. Bei Bo­rus­sia Dort­mund sieg­te Salz­burg, und auch bei RB Leip­zig, ein­mal ging die Rei­se bis ins Halb­fi­na­le. Nun will Ro­se mit Bo­rus­sia „schö­ne Ge­schich­ten“in Eu­ro­pa schrei­ben – und mög­lichst in Istan­bul da­mit an­fan­gen. Aus­wärts klappt es all­ge­mein gut bei Ro­ses Team. Sai­son- und wett­be­werbs­über­grei­fend ist Glad­bach seit fünf Spie­len sieg­reich, ent­spre­chend selbst­be­wusst dürf­ten die Bo­rus­sen sein.

Es gibt Fak­ten, die man für Bo­rus­sia in­ter­pre­tie­ren kann. Das klei­ne Sta­di­on Basak­se­hirs (17.319 Plät­ze) ist sel­ten stark be­völ­kert, der Schnitt liegt bei 5000 Be­su­chern. Da rund 1000 Glad­ba­cher in Istan­bul sein wer­den, könn­ten die Bo­rus­sen in Sa­chen Sup­port so­gar vorn lie­gen. Auch aus der Sta­tis­tik lässt sich Mut­ma­chen­des fil­tern. Bis­lang gab es ei­nen Ver­gleich mit ei­nem tür­ki­schen Team. Das war 2012 in der Eu­ro­pa Le­ague, da war Fe­ner­bah­ce der Geg­ner. In Glad­bach gab es zwar ein 2:4, doch in Istan­bul wur­de 3:0 ge­won­nen. Wie Sie­ge ge­hen am Bo­spo­rus, ist al­so am Nie­der­rhein be­kannt. In­des: Da­mals war es ein sport­lich be­lang­lo­ses Spiel, weil bei­de Team schon wei­ter wa­ren.

FO­TO: DPA

Glad­ba­cher Ju­bel in Flo­renz 2017: Die­se Aus­wärts­auf­ga­be lös­te die Bo­rus­sia.

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