Will Smith kämpft ge­gen sich selbst

In „Ge­mi­ni Man“tritt der Schau­spie­ler sei­nem jün­ge­ren Ich ge­gen­über.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - KINO - VON MAT­THI­AS VON VIERECK

(dpa) Als Fil­me­ma­cher hat Ang Lee ei­nen lan­gen und er­folg­rei­chen Weg hin­ter sich. 27 Jah­re ist es her, dass der ge­bür­ti­ge Tai­wa­ne­se mit „Pus­hing Hands“, der Ge­schich­te ei­nes in New York ge­stran­de­ten Tai Chi-meis­ters, sein De­büt vor­leg­te. Es soll nur 400.000 Dol­lar ge­kos­tet ha­ben. Es folg­ten po­pu­lä­re, teils epo­che­ma­chen­de Wer­ke wie „Bro­ke­back Moun­tain“(Re­gie-os­car 2006) oder „Li­fe of Pi“(Re­gie-os­car 2013). Nun legt der Re­gis­seur ei­nen bild­ge­wal­ti­gen, si­cher ziem­lich teu­ren Thril­ler mit ei­nem Us-star vor: Will Smith in ei­ner Dop­pel­rol­le. An des­sen Sei­te agie­ren un­ter an­de­rem Cli­ve Owen, Ma­ry Eliz­a­beth Wins­tead und Be­ne­dict Wong. Am Dreh­buch zum Zwei­stün­der be­tei­ligt war auch der, durch die le­gen­dä­re Fan­ta­sy-se­rie „Ga­me of Thro­nes“be­kann­te Da­vid Be­ni­off.

Man kennt das aus an­de­ren Ac­tion-fil­men: Ein ge­al­ter­ter Re­cke, in die­sem Fall der Agent und Scharf­schüt­ze Hen­ry Bro­gan (Smith), möch­te sich nach un­zäh­li­gen Ein­sät­zen end­lich zur Ru­he set­zen, end­lich See­le und Kör­per um­sor­gen. Auch Bro­gan aber muss noch dar­ben bis zum ver­dien­ten Ru­he­stand, die 72 Auf­trags­mor­de, die der Be­rufs­kil­ler be­reits in sei­nem Port­fo­lio weiß, die sol­len noch nicht ge­nü­gen. Das An­geln und die Bon­sai-bäum­chen, das al­les muss noch war­ten.

Dass Bro­gan es dies­mal aus­ge­rech­net mit ei­ner jün­ge­ren Ver­si­on sei­ner selbst (der Klon ent­stammt ei­nem ge­hei­men Dna-pro­jekt na­mens „Ge­mi­ni“) zu tun be­kommt, macht die Sa­che nicht eben ein­fa­cher: Ju­ni­or, so der Na­me des ge­klon­ten Bro­gan, sieht die­sem nicht nur zum Ver­wech­seln ähn­lich (wenn auch oh­ne Fal­ten und grau­es Haar), er ist auch an Ge­wehr und Pis­to­le ge­nau­so agil und kun­dig. Und ver­steht es zu­dem, so man­chen Schritt sei­nes fast dop­pelt so al­ten DNA-VOR­bilds vor­her­zu­sa­gen. Nur gut, dass der al­te Bro­gan ei­ne jun­ge Agen­tin ( Wins­tead) an sei­ner Sei­te hat.

Wer will, kann „Ge­mi­ni Man“(in den 1970ern gab es ei­ne Tv-se­rie glei­chen Ti­tels), des­sen ei­gent­li­che Sto­ry nicht all­zu ela­bo­riert ist, auch als Zeug­nis ei­ner Mid­life-cri­sis deu­ten: Ein al­tern­der Agent re­spek­ti­ve Ki­no-star, der sich im Rück­blick auf sein jün­ge­res, am Com­pu­ter ge­ne­rier­tes Selbst sei­ner Ver­gan­gen­heit stellt, um fest­zu­stel­len, dass er die­se nie voll­ends wird ab­schüt­teln kön­nen. Rich­tig emo­tio­nal in­des wird es nie; auch in der dar­auf an­ge­leg­ten Sze­ne, in der bei­de, Ju­ni­or und Bro­gan, feuch­te Au­gen ha­ben, über­trägt sich die­ses Ge­fühl nicht in den Ki­no­saal.

In Kom­bi­na­ti­on aber füh­ren 3D-tech­nik und hö­he­re Bild­ra­te mehr­fach zu fas­zi­nie­ren­den Bild-er­leb­nis­sen: ein sich gleich­sam in den Ki­no­saal hin­ein bie­gen­der, um ei­ne Kur­ve ra­sen­der Zug, flie­gen­de Glas­split­ter, die sich von der zwei­di­men­sio­na­len Lein­wand gen Be­trach­ter zu be­we­gen schei­nen. Nicht zu­letzt ei­ne ziem­lich toll­küh­ne und wun­der­bar ge­film­te Ver­fol­gungs­jagd auf Mo­tor­rä­dern. Und doch: Die teils do­ku­men­ta­risch an­mu­ten­den Ein­stel­lun­gen (Ka­me­ra: Di­on Bee­be, Os­car 2006 für „Die Gei­sha“) sind im­mer wie­der von ei­ner, fast asep­tisch zu nen­nen­den Käl­te, die ei­nen frös­teln lässt.

So oder so: Ang Lee aber zeigt auch mit „Ge­mi­ni Man“, dass er zu den Ki­no­ma­chern ge­hört, über de­ren Fil­me es sich vor­treff­lich dis­ku­tie­ren lässt.

Ge­mi­ni Man, USA 2019 – Re­gie: Ang Lee, mit Will Smith, Ma­ry Eli­sa­beth Wins­tead, Cli­ve Owen, 117 Min.

FO­TO: DPA

Will Smith als Hen­ry Bro­gan in „Ge­mi­ni Man“.

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