Klei­ne Por­tio­nen, aber gro­ßer Ge­nuss

Das Düs­sel­dor­fer Re­stau­rant Fritz’s Frau Fran­zi macht we­gen des ku­rio­sen Na­mens neu­gie­rig. Dem soll­te man un­be­dingt nach­ge­ben.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - MEDIEN -

Gut ge­le­gen? Nein, kann man nicht so sa­gen. Mit­ten in Düs­sel­dorf, ein paar hun­dert Me­ter von der Kö ent­fernt, an der Aders­stra­ße. Das ist ei­ne der Adres­sen, wo man zen­tral wohnt oder ar­bei­tet, aber – fast – nie ei­nen Park­platz fin­det und auch nicht mit dem Na­men der Stra­ße an­ge­ben kann. Ei­ne der eher un­schein­ba­ren Ecken der Lan­des­haupt­stadt, so­zu­sa­gen ur­ba­nes Ar­beits­pferd am Rand des sonst oft schi­cken Am­bi­en­tes. Aber man soll­te sich da­von nicht ab­schre­cken las­sen. Wer mit dem Auto hin­fährt, hat abends nach 20 Uhr trotz­dem ei­ne gu­te Chan­ce, Platz für den Wa­gen zu fin­den, weil die vie­len Bü­ros in der Nach­bar­schaft da längst ver­las­sen sind. Au­ßer­dem gibt es ein paar na­he Park­häu­ser.

Gut ge­schmeckt? Le­dig­lich mit ei­nem Ja zu ant­wor­ten, trä­fe den Kern nur un­ge­nü­gend. Wir ge­hen häu­fig es­sen, und wir er­le­ben ei­ni­ges zwi­schen Brot mit But­ter, Piz­za und Pas­ta, Kohl und Ka­vi­ar, def­tig und de­li­zi­ös. Aber lan­ge wa­ren wir nicht so an­ge­nehm über­rascht, ja – re­gel­recht ver­blüfft an­ge­sichts des­sen, was Kü­chen­chef Ben­ja­min Krie­gel mit sei­ner Crew auf un­se­ren Tel­lern an­rich­te­te: Krea­ti­vi­tät ge­paart mit hand­werk­li­cher Per­fek­ti­on und dem Mut, sehr un­ter­schied­li­che Ge­schmacks­nu­an­cen mit­ein­an­der zu ver­ei­nen, so dass am En­de ei­ne un­er­war­te­te Kom­po­si­ti­on vol­ler Har­mo­nie ent­steht. Dass die Schmeck­le­cker von Mi­che­lin so viel Kön­nen mit ei­nem Stern be­lohn­ten, ver­ste­hen wir voll und ganz, der zwei­te könn­te bald fol­gen. Hof­fent­lich hält die Kü­che das durch, denn der An­spruch ist hoch in die­ser Li­ga.

Wir wähl­ten als Vor­spei­se ei­ne Art Su­shi vom Bauch der Gelb­flos­sen­ma­kre­le, das groß­ar­tig zu hauch­dün­ner Gur­ke, Wasa­bi und Gur­ken­fond pass­te. Auch die in Salz ge­gar­te klei­ne Kar­tof­fel auf Zwie­bel­creme emp­fan­den wir, um in der Mu­sik­spra­che zu blei­ben, wie ein schön und leicht ge­spiel­tes So­lo auf dem Kla­vier. Der da­nach ser­vier­te Nord­see-leng, dem Ka­bel­jau ähn­lich, war – wie er­war­tet – auf den Punkt ge­gart. Mit dem wil­den Blu­men­kohl und ro­tem Horntang wur­de er Teil ei­ner fas­zi­nie­ren­den Mi­schung aus Meer und Bo­den – für den Gau­men mit pri­ckelnd-neu­en Ge­schmacks­emp­fin­dun­gen. Auch die Lachs­fo­rel­le, in zwei Tran­chen ser­viert, ver­dien­te ei­nen Stern: roh ma­ri­niert mit Nord­see­krab­ben­fond und ge­räu­chert-ge­dämpft in ei­ner Ta­sche aus ei­nem Kohl­blatt wur­de sie kom­bi­niert mit Bu­chen­pil­zen – sehr le­cker.

Den Preis wert? Wer auf die­sem Ni­veau kocht, bei Zu­ta­ten nicht spart und ei­nen er­heb­li­chen Auf­wand be­treibt, der kann, braucht und will kei­nen Zu­spruch für ei­ne bil­li­ge Mahl­zeit be­kom­men. Das Fritz’s Frau Fran­zi ist al­so nichts für Pfen­nig­fuch­ser. Aber wir ken­nen an­de­re Ster­ne­kö­che, bei de­nen wir schon er­heb­lich mehr ge­zahlt ha­ben. Die bei­den Vor­spei­sen (Gelb­flos­sen­ma­kre­le) und Kar­tof­feln kos­te­ten 21 bzw 17 Eu­ro. Der Nord­see-leng steht mit 22 Eu­ro auf der Kar­te, der Lachs mit 24. Nicht be­rech­net wur­de ein köst­lich-kros­ses Brot vor­ab mit ei­ner mild ge­sal­ze­nen But­ter und ein Gruß aus der Kü­che aus ei­nem Möh­ren­mus mit hauch­dünn ge­ras­pel­tem Weiß­kohl.

Über­ra­schend? Auf je­den Fall der Na­me. Und sein Hin­ter­grund. Es gibt näm­lich kei­nen. Das Re­stau­rant ist Teil des Ho­tels „The Fritz“. Als man ei­nen Na­men such­te, kam man auf Fritz’s Frau Fran­zi – ob­wohl es ei­ne Frau na­mens Fran­zi (bis­her) nicht gibt, wie ei­ne Da­me vom Ser­vice uns er­zähl­te.

Gut be­dient? Pas­send zum Stern ist auch der Ser­vice von ho­hem Ni­veau. Zu­rück­hal­tend, kom­pe­tent und nie zu na­he. Nett der Hin­weis auf die klei­nen Por­tio­nen, als wir es ab­lehn­ten, ein Me­nü zu be­stell­ten. Drei oder vier Gän­ge soll­te man schon neh­men, riet man uns. Kön­nen wir be­stä­ti­gen – auf dem Tel­ler geht es sehr über­sicht­lich zu. Aber den­noch wa­ren wir an­ge­nehm satt nach der oben be­schrie­be­nen Aus­wahl.

Fazit Den Gruß an die Kü­che hät­ten wir mit ei­nem kur­zen Wort zu­sam­men­fas­sen kön­nen: Wow! Wir sind tief be­ein­druckt.

In­fo Aders­str. 8, 40215 Düs­sel­dorf, Tel. 0211 370 750, in­[email protected]­frauf­ran­zi.de. Lunch Do-sa 12-14 Uhr, Din­ner Di-sa 1822.30 Uhr.

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