Be­rufs­pra­xis hilft beim Jo­b­ein­stieg

Prak­ti­ka und Stu­den­ten­jobs soll­ten aber ei­nen ro­ten Fa­den auf­wei­sen und zum Stu­di­um pas­sen.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - HOCHSCHULE -

HAM­BURG/HEI­DEL­BERG (dpa/tmn) Vie­le Stu­die­ren­de han­geln sich wäh­rend des Stu­di­ums von Prak­ti­kum zu Prak­ti­kum. An­de­re ar­bei­ten über meh­re­re Jah­re als stu­den­ti­sche Aus­hil­fe. Und man­che ver­zich­ten gänz­lich auf ein­schlä­gi­ge Er­fah­rung, da sie fi­nan­zi­ell ums Über­le­ben kämp­fen und Jobs nach­ge­hen, die für den spä­te­ren Be­ruf ir­re­le­vant sind. Doch muss man als frisch ge­ba­cke­ner Uni-ab­sol­vent über­haupt schon pas­sen­de Be­rufs­er­fah­rung vor­wei­sen? Und wenn ja: wie viel?

Dar­auf zu ver­zich­ten ist aus Sicht von Ra­gn­hild Struss nicht emp­feh­lens­wert. „Prak­ti­ka stel­len als ein­schlä­gi­ge Pra­xis­er­fah­rung ei­nen kla­ren Wett­be­werbs­vor­teil ge­gen­über rein theo­re­tisch aus­ge­bil­de­ten Be­rufs­ein­stei­gern dar“, sagt die Ex­per­tin vom Ham­bur­ger Kar­rie­r­e­be­ra­tungs-un­ter­neh­men Struss und Part­ner. „Da­her gilt: Je mehr Prak­ti­ka man ab­sol­viert hat, um­so bes­ser.“

Aber die Men­ge al­lein ist nicht al­les. In je­dem Fall sei es wich­tig, dass ein ro­ter Fa­den er­kenn­bar ist und die Tä­tig­kei­ten nicht wild durch­ein­an­der ge­wür­felt wir­ken, er­läu­tert Struss. „Pas­sen Sie ex­trem gut zu ei­ner aus­ge­schrie­be­nen Stel­le, kön­nen mit­un­ter schon ein bis zwei Prak­ti­ka aus­rei­chend sein, um zu punk­ten.“

Kla­ra Feicht stu­diert Son­der­päd­ago­gik an der Lud­wig-ma­xi­mi­li­ans-uni­ver­si­tät Mün­chen und ist als päd­ago­gi­sche Mit­ar­bei­te­rin an ei­ner of­fe­nen Ganz­tags­schu­le tä­tig. Für die Lehr­amts­stu­di­en­gän­ge sei­en zwar Prak­ti­ka vor­ge­ge­ben. „Da­nach fol­gen zwei Jah­re Re­fe­ren­da­ri­at, in der die ge­sam­te Er­fah­rung ge­sam­melt wer­den soll.“Es sei für sie aber sehr wich­tig, an­de­re Be­rei­che des schu­li­schen Kon­tex­tes ken­nen­zu­ler­nen. „Im Be­reich des of­fe­nen Ganz­ta­ges hat man ei­ne völ­lig an­de­re Be­zie­hung zu den Schü­lern als ei­ne Lehr­kraft“, er­läu­tert sie.

Ob es Pra­xis­er­fah­rung braucht, hängt auch vom Stu­di­en­fach ab. „Grund­sätz­lich ha­ben es Ab­sol­ven­ten tech­ni­scher und na­tur­wis­sen­schaft­li­cher Stu­di­en­gän­ge ein­fa­cher mit dem Be­rufs­ein­stieg. Aber auch hier sind prak­ti­sche Er­fah­run­gen von Vor­teil“, sagt Pe­tra Leh­mann von der Zen­tra­len Stu­di­en­be­ra­tung der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg. In den geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en­gän­gen je­doch sei­en prak­ti­sche Er­fah­run­gen un­ab­ding­bar.

Vor­er­fah­rung kann sich au­ßer­dem fi­nan­zi­ell aus­zah­len. Mal­te San­der vom In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung sagt: „Prak­ti­ka wir­ken sich in den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten we­sent­lich po­si­ti­ver auf das Ein­stiegs­ge­halt aus als in den Na­tur­wis­sen­schaf­ten oder der Tech­nik­bran­che.“Beim Ein­tritt in geis­tes­wis­sen­schaft­li­che Be­ru­fe he­be Vor­er­fah­rung den Lohn im Schnitt um elf Pro­zent. Grund­sätz­lich sei das Ein­stiegs­ge­halt in den an­de­ren Be­rei­chen aber hö­her.

Laut San­der zei­gen Eras­mus­stu­di­en, dass Stu­die­ren­de, die Be­rufs­er­fah­rung im Aus­land ge­sam­melt ha­ben, schnel­ler ei­nen Job fin­den. „Au­ßer­dem be­kom­men Ab­sol­ven­ten mit Aus­lands­er­fah­rung ein hö­he­res Ge­halt.“Ve­re­na Schultz-cou­lon von der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg prä­zi­siert: „Tä­tig­kei­ten im Aus­land sind sinn­voll und wich­tig, wenn Stu­die­ren­de in in­ter­na­tio­na­len Kon­zer­nen oder bei in­ter­na­tio­na­len Or­ga­ni­sa­tio­nen ar­bei­ten möch­ten.“Im Zu­ge der zu­neh­men­den Glo­ba­li­sie­rung sei es wich­tig, in­ter­kul­tu­rel­le Er­fah­run­gen und ent­spre­chen­de Kom­pe­ten­zen zu er­wer­ben. Das sei auch auf dem deut­schen Ar­beits­markt von Vor­teil.

Wer aber ne­ben dem Stu­di­um Brot­jobs nach­geht, muss sich nicht schä­men. „Zu­nächst ist es sehr wich­tig, die ei­ge­ne Le­bens­la­ge mit Stolz zu be­trach­ten“, sagt Ra­gn­hild Struss. „Wer ne­ben dem Stu­di­um dar­auf an­ge­wie­sen ist, durch fach­frem­de Jobs Geld zu ver­die­nen, dem ge­bührt Re­spekt.“Sie emp­fiehlt die­sen Stu­die­ren­den aber, „al­le mög­li­chen Ar­ten der Wei­ter­bil­dung zu nut­zen: Vhs-kur­se be­le­gen, Vor­trä­ge be­su­chen oder Bü­cher le­sen.“Denn sol­che Be­mü­hun­gen si­gna­li­sier­ten vor al­lem Ei­gen­in­itia­ti­ve, fach­li­ches In­ter­es­se und Lern­be­reit­schaft.

Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit be­steht laut Struss dar­in, staat­li­che För­de­rung zu be­an­tra­gen, um sich dann mit Prak­ti­ka oder an­de­ren Tä­tig­kei­ten be­schäf­ti­gen zu kön­nen. Auch Mal­te San­der rät Stu­die­ren­den, sich fi­nan­zi­el­le Hil­fe zu ho­len. „Es ist mög­lich, sich ei­nen Über­brü­ckungs­kre­dit von bei­spiels­wei­se ei­nem Jahr aus­zah­len zu las­sen, so dass man sich in­ner­halb die­ses Zei­t­raums mit Be­rufs­er­fah­rung aus­ein­an­der­set­zen kann.“

Fazit: Es ist rat­sam, wäh­rend des Stu­di­ums mög­lichst vie­le Er­fah­run­gen zu sam­meln. Ein ro­ter Fa­den soll­te aber er­kenn­bar sein. Ab­sol­ven­ten oh­ne Be­rufs­pra­xis, ha­ben es et­was schwe­rer im Wett­be­werb.

FO­TO: DPA

Vie­le We­ge füh­ren zum ers­ten Job.

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