Über­do­sis?

Kli­ma­be­we­gung

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - LESERBRIEF­E - Max Be­ver Neuss

Zu „Die Kli­ma­be­we­gung scha­det sich selbst“(RP vom 26. Sep­tem­ber): Im Grun­de ist es gut, dass auch die­ser Aspekt der Kli­ma­be­we­gung be­trach­tet und vor ei­ner Spal­tung der Ge­sell­schaft in Grün und Grau so­wie ei­ner Ra­di­ka­li­sie­rung der Kli­ma­be­we­gung ge­warnt wird. Aber wer­den nicht Ur­sa­che und Wir­kung ver­wech­selt, wenn ei­ner 16-jäh­ri­gen vor­ge­wor­fen wird, ge­fühl­voll je­ne Po­li­ti­ker an­zu­kla­gen, die uns in sach­li­chem und po­li­tisch kor­rek­tem Sprach­ge­brauch ih­re Pla­ce­bos als Me­di­zin ge­gen den Kli­ma­wan­del ver­kau­fen wol­len? Und ja: Es ist hier­zu­lan­de heu­te in Groß­städ­ten selbst­ver­ständ­lich, sich über­mo­to­ri­siert zu be­we­gen; und je­dem steht es frei, ei­nen SUV zu er­wer­ben oder für ein Wo­che­n­en­de nach Mallor­ca zu flie­gen. Al­ler­dings gab es hier­zu­lan­de auch Zei­ten, in de­nen es bei­spiels­wei­se selbst­ver­ständ­lich war, dass Frau­en nicht wäh­len durf­ten oder es dem Ehe­mann frei stand, sei­ner Ehe­frau das Ar­bei­ten zu ver­bie­ten. Die­se Zei­ten sind zum Glück über­wun­den, doch dies ge­schah nicht al­lein durch sach­li­che De­bat­ten in Par­la­men­ten oder de­ren Hin­ter­zim­mern. Da­zu war laut­star­kes und mit­un­ter ge­fühl­vol­les Auf­tre­ten ei­ner Be­we­gung er­for­der­lich, was sich für den ei­nen oder an­de­ren wie ei­ne Über­do­sis an­ge­fühlt ha­ben moch­te.

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