Mr. Bun­des­li­ga

Am Frei­tag steht Fried­helm Fun­kel zum 500. Mal als Trai­ner in der Bun­des­li­ga an der Li­nie. Der 65-Jäh­ri­ge sagt, er sei in die­ser Zeit ge­las­se­ner ge­wor­den.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - DÜSSELDORF­ER SPORT - VON PATRICK SCHE­RER

Als Fried­helm Fun­kel das ers­te Mal in der Bun­des­li­ga auf der Trai­ner­bank sitzt, ist der ICE ge­ra­de mal seit sechs Ta­gen auf Deutsch­lands Schie­nen un­ter­wegs, der Bun­des­tag hat sei­nen Sitz noch in Bonn und Ro­ter Stern Bel­grad hat so­eben den Eu­ro­pa­po­kal der Lan­des­meis­ter ge­won­nen. Es ist der 8. Ju­ni 1991. Fun­kel ver­liert am vor­letz­ten Spiel­tag mit 1:2 ge­gen Her­tha BSC. Sein Team Bay­er 05 Uer­din­gen ver­schießt da­bei zwei Elf­me­ter und kas­siert das ent­schei­den­de Tor in der 89. Mi­nu­te. Am kom­men­den Frei­tag, mehr als 28 Jah­re da­nach, wird Fun­kel zum 500. Mal in der Bun­des­li­ga auf der Trai­ner­bank sit­zen (20.30 Uhr). Wie­der geht es ge­gen Her­tha BSC. Den Uer­din­ger Trai­nings­an­zug hat er nicht mehr an, son­dern den von Fortu­na Düs­sel­dorf. Und in Ber­lin geht es für ihn vor al­lem um drei Punk­te. „500 ist ei­ne tol­le Zahl, das in­ter­es­siert mich aber recht we­nig, das ist nur ei­ne Ran­der­schei­nung“, sagt der 65-Jäh­ri­ge.

Nun, mehr als ei­ne Ran­der­schei­nung ist Fun­kel in der Bun­des­li­ga mitt­ler­wei­le auf je­den Fall. Und das ist ei­ne be­acht­li­che Ent­wick­lung. Über wei­te Stre­cken sei­ner Kar­rie­re galt er vor al­lem als ver­bis­se­ner Grant­ler, der sei­ne Er­fol­ge meist un­an­sehn­li­cher De­fen­siv­tak­ti­ken zu ver­dan­ken hat­te. Doch die­ses Bild hat sich ge­wan­delt. Mitt­ler­wei­le gilt der ge­bür­ti­ge Neus­ser als El­der Sta­tes­man der Bun­des­li­ga. Als ei­ner, dem man ger­ne zu­hört, dem die Sym­pa­thi­en bun­des­weit zu­flie­gen. Es scheint so, als wä­re die Sym­bio­se zwi­schen Fortu­na und Fun­kel ei­ne klas­si­sche Win-win-si­tua­ti­on – mit sport­li­cher Er­folgs­ga­ran­tie.

Fun­kel sagt über sich: „Ich bin ge­las­se­ner ge­wor­den. Ich ma­che mich nicht mehr so ver­rückt wie frü­her, weil ich je­de Si­tua­ti­on im Fuß­ball schon er­lebt ha­be.“Die­se Ge­las­sen­heit strahlt er aus. Und er gießt sie in Wor­te, oh­ne da­bei über Kon­se­quen­zen nach­zu­den­ken. Fun­kel hat sich qua­si in­di­rekt pro­por­tio­nal zum Fuß­ball­ge­schäft ent­wi­ckelt. In der bis ins kleins­te De­tail durch­kom­mer­zia­li­sier­ten Fuß­ball­welt sor­gen zahl­rei­che Pr-be­ra­ter für glatt­ge­bü­gel­te Aus­sa­gen, wo man nur hin­hört. Der Fan sehnt sich längst wie­der nach ker­ni­gem Fuß­bal­ler­sprech. Fun­kel be­dient die­se Ni­sche, die häu­fig mit dem La­bel Au­then­ti­zi­tät be­klebt wird. Auch, weil er es nie an­ders kann­te.

Nicht nur die Fans, auch die Prot­ago­nis­ten spre­chen mit Hoch­ach­tung über Fun­kel, den Re­kord-auf­stiegs­trai­ner, der sechs Mal den Sprung von der zwei­ten in die ers­te Li­ga schaff­te. „Als Trai­ner­kol­le­ge ha­be ich höchs­ten Re­spekt da­vor, was er ge­leis­tet hat“, sagt An­te Co­vic, der am Frei­tag mit Her­tha sein erst sieb­tes Spiel als Bun­des­li­ga­trai­ner be­glei­ten wird. Her­tha-ge­schäfts­füh­rer Micha­el Preetz nennt Fun­kel „ei­nen fei­nen Kerl“, der seit Jahr­zehn­ten oh­ne Un­ter­bre­chung im Fuß­ball­ge­schäft ar­bei­tet. „Das ist ei­ne Wahn­sinns­mar­ke“, er­gänzt Preetz: „Er ist ein wahn­sin­nig er­fah­re­ner Trai­ner.“

Die­se Lob­hu­de­lei­en fol­gen ei­ner ein­fa­chen Weis­heit: Wie es in den Wald hin­ein­schallt, so schallt es wie­der her­aus. Denn: Auch wenn Fun­kel mit sei­ner Mei­nung nicht hin­ter dem Berg hält, wahrt er doch im­mer Re­spekt vor sei­nen Mit­men­schen. Nicht sel­ten gilt ein gro­ßer Teil sei­ner Wor­te bei den wö­chent­li­chen Pres­se­kon­fe­ren­zen dem geg­ne­ri­schen Trai­ner und sei­nen be­ach­tens­wer­ten Leis­tun­gen.

Wenn Fun­kel am Frei­tag ins Olym­pia­sta­di­on geht, wer­den in ihm nach ei­ge­ner Aus­sa­ge vie­le Er­in­ne­run­gen hoch­kom­men: vor al­lem der Po­kal­sieg 1985 als Spie­ler mit Uer­din­gen. Aber auch die ver­lo­re­nen Fi­nal­spie­le mit Duis­burg (1998) und Frank­furt (2006). „Es war die bes­te Ent­schei­dung des DFB, aus Ber­lin das Wem­bley Deutsch­lands zu ma­chen“, sagt Fun­kel. „Des­halb ist mein letz­ter Wunsch als Trai­ner: noch ein­mal ins Po­kal­fi­na­le ein­zie­hen.“

FO­TOS: DPA (2), IMA­GO IMAGES (4)

Fried­helm Fun­kel in der Düs­sel­dor­fer Are­na.

2018 als Fortu­nas Auf­stiegs­trai­ner nach ei­ner Bier­du­sche in Dres­den.

2009 als stets en­ga­gier­ter Trai­ner bei Ein­tracht Frank­furt.

1984 als Uer­din­gens Spie­ler ge­gen Wald­hof Mann­heim.

1992 als Uer­din­gens Trai­ner im Nie­der­sach­sen­sta­di­on in Han­no­ver.

2000 als Duis­bur­ger Trai­ner ge­gen den VFB Stutt­gart.

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