Glad­bach-spiel: Hef­ti­ge Kri­tik an tür­ki­scher Po­li­zei

Der Fuß­ball­ver­ein will sich bei der Ue­fa über die Be­hand­lung sei­ner Fans beim Eu­ro­pa-le­ague-spiel ge­gen Istan­bul Basak­se­hir be­schwe­ren.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - VORDERSEIT­E - VON GI­AN­NI COS­TA, KARS­TEN KEL­LER­MANN UND GRE­GOR MAYNTZ

ISTAN­BUL/BER­LIN Das Ver­hal­ten tür­ki­scher Po­li­zis­ten rund um das Eu­ro­pa-le­ague-spiel von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach bei Istan­bul Basak­se­hir hat für Em­pö­rung im Ver­ein und in der Po­li­tik ge­sorgt. Bei den Ein­lass­kon­trol­len soll es zum Streit zwi­schen An­hän­gern der Bo­rus­sia und den tür­ki­schen Si­cher­heits­kräf­ten ge­kom­men sein. Fans be­rich­te­ten un­ab­hän­gig von­ein­an­der un­se­rer Re­dak­ti­on, dass Po­li­zis­ten Fah­nen kon­fis­ziert hät­ten, auf de­nen das Wort „Ul­tra“und das Wap­pen der Stadt Mön­chen­glad­bach zu se­hen ist. Die­se, so hieß es, sei­en nicht zu­läs­sig. Christ­li­che Sym­bo­le sei­en ge­ne­rell im Sta­di­on nicht er­wünscht. Das Mön­chen­glad­ba­cher Stadt­wap­pen zeigt in sei­ner ak­tu­el­len Form un­ter an­de­rem ei­nen Abt­stab und ein Kreuz. Bis 1974 war dar­in der Hei­li­ge Vi­tus zu se­hen – auch die­ses Sym­bol wur­de auf Ban­nern be­an­stan­det.

Die Fans muss­ten mit den Fah­nen das Sta­di­on ver­las­sen, die Po­li­zei rie­gel­te den Gäs­te-block ab. Schwer be­waff­ne­te Si­cher­heits­kräf­te mit Schlag­stö­cken, Ma­schi­nen­pis­to­len und Was­ser­wer­fern be­wach­ten das Fa­tih-te­rim-sta­di­on im eu­ro­päi­schen Teil der Stadt. Auf Vi­de­os sieht man Po­li­zis­ten, die fried­lich wir­ken­de Zu­schau­er pro­vo­zie­ren und schi­ka­nie­ren. Zwei Fans wur­den kurz­zei­tig in Ge­wahr­sam ge­nom­men. Nach Dar­stel­lung der Fans ver­hin­der­te ihr be­son­ne­nes Ver­hal­ten ei­ne Es­ka­la­ti­on. Die tür­ki­sche Po­li­zei äu­ßer­te sich auf An­fra­ge nicht.

„Dass Fuß­ball­fans aus Mön­chen­glad­bach in Istan­bul dar­an ge­hin­dert wer­den, ei­ne Fah­ne mit un­se­rem al­ten Stadt­wap­pen, das den Hei­li­gen Vi­tus als Schutz­pa­tron un­se­rer Stadt zeigt, mit ins Sta­di­on zu neh­men, ist für mich nicht ak­zep­ta­bel“, sag­te Ober­bür­ger­meis­ter Hans Wil­helm Rei­ners. Bei Bo­rus­sia zeigt man sich ent­setzt über das Vor­ge­hen. Sport­di­rek­tor Max Eberl: „Das macht mich ex­trem trau­rig, dass wir 2019 in Eu­ro­pa sol­che Zu­stän­de ha­ben, dass die Po­li­zei dik­tie­ren kann, wel­che Fah­nen mit ins Sta­di­on kom­men. Die­se Re­gel gibt es nicht. Ich ver­ur­tei­le es, wenn un­se­re Fans nicht ins Sta­di­on dür­fen, weil in un­se­rem Stadt­em­blem christ­li­che Sym­bo­le zu se­hen sind.“Glad­bach will nun Be­schwer­de beim eu­ro­päi­schen Fuß­ball­ver­band Ue­fa ein­rei­chen. „Das ist Po­li­zei­dik­ta­tur“, kri­ti­sier­te Eberl.

Rund 1400 An­hän­ger hat­ten Bo­rus­sia nach Istan­bul be­glei­tet. In Istan­bul gibt es ei­ne Spe­zi­al­ein­heit bei der Po­li­zei, die nur für Sport­ver­an­stal­tun­gen zu­stän­dig ist. Der Ver­ein Basak­se­hir wur­de erst 2014 ge­grün­det. Er gilt als re­gie­rungs­na­her Klub und wird von Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan un­ter­stützt.

Auch im po­li­ti­schen Ber­lin ist man über den Vor­fall ent­setzt. „Die Be­schlag­nah­me ist ein gro­bes Foul und muss Kon­se­quen­zen ha­ben. Die be­hörd­li­che Will­kür ist ein ekla­tan­ter Ver­stoß ge­gen Ue­fa-prin­zi­pi­en wie Völ­ker­ver­stän­di­gung und Fair Play“, sag­te Sevim Dag­de­len, stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de „Die Lin­ke“im Bun­des­tag. „Wer meint, ei­ner is­la­mis­ti­schen Agen­da im Sta­di­on hul­di­gen zu müs­sen, kann kei­nen Platz in ei­nem eu­ro­päi­schen Fuß­ball­wett­be­werb für sich be­an­spru­chen.“

„Das schi­ka­nö­se Ver­hal­ten der tür­ki­schen Be­hör­den ist in­ak­zep­ta­bel, und ei­ne Ent­schul­di­gung ist an­ge­zeigt“, sag­te In­nen­staats­se­kre­tär Gün­ter Krings, Cdu-bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter aus Mön­chen­glad­bach. „Die Ue­fa muss der tür­ki­schen Sei­te klar­ma­chen, dass die Mit­glied­schaft in ei­nem eu­ro­päi­schen Sport­ver­band vor­aus­setzt, dass eu­ro­päi­sche Wer­te und Re­geln re­spek­tiert wer­den.“

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