Ho­nig vor der Haus­tür

Am Ran­de der Mett­man­ner In­nen­stadt le­ben hin­ter dem Haus von Dör­te und Sa­bi­ne Hei­lig­tag sechs Bie­nen­völ­ker. Bis zu 100 Ki­lo Ho­nig ern­ten die Hob­by-im­ke­rin­nen je­des Jahr. Ihr Na­tur­pro­dukt ist sehr ge­fragt – und schnell ver­grif­fen.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CO­RIN­NA KUHS UND MAR­TI­NA STÖ­CKER

METT­MANN Es gibt Win­ter­ta­ge, an de­nen ste­hen Dör­te und Sa­bi­ne Hei­lig­tag vor ih­ren sechs Bie­nen­stö­cken und lau­schen be­sorgt. Im­mer dann, wenn sie sich nicht ab­so­lut si­cher sind, ob es ih­ren Bie­nen­völ­kern gut geht. Ha­ben sie die Tie­re mit aus­rei­chend Zu­cker­si­rup ge­füt­tert, um die In­sek­ten durch die kal­te Jah­res­zeit zu brin­gen? Hat die all­jähr­li­che Be­hand­lung vor dem Frost an­ge­schla­gen und schützt die Bie­nen vor der Var­roa-mil­be, ei­nem Pa­ra­si­ten? Manch­mal, wenn sie sich un­si­cher sind, ob noch Le­ben ist wäh­rend der Win­ter­pau­se im Bie­nen­stock, klop­fen die bei­den Frau­en vor­sich­tig vor das Holz und hö­ren ge­nau hin. Brummt ih­nen dump­fes Pro­test­ge­summ­se aus dem Kas­ten ent­ge­gen, sind die Hob­by-im­ke­rin­nen er­leich­tert: ein si­che­res Le­bens­zei­chen.

Seit fünf Jah­ren le­ben bis zu 360.000 Ho­nig­bie­nen in sechs Bie­nen­stö­cken im Mett­man­ner Gar­ten des Paa­res und sor­gen für „Mett­man­ner Bie­nen­gold“, selbst­ge­schleu­der­ten Stadt­bie­nen­ho­nig. Es ist ein ech­tes Nach­bar­schafts­pro­dukt, das dort un­ter den kon­trol­lie­ren­den Bli­cken der Hob­by-im­ke­rin­nen ent­steht, und des­sen Far­be oder Ge­schmack sie nie vor­aus­sa­gen kön­nen. Die Bie­nen sam­meln Nekt­ar in ei­nem Um­kreis von drei bis fünf Ki­lo­me­tern – und da­mit aus den Gär­ten in der Kreis­stadt. Ent­spre­chend ist das Na­tur­pro­dukt mal von hel­le­rer, mal von gol­di­ge­rer Far­be, mal sü­ßer und mal her­ber. Das Blü­ten-an­ge­bot ent­schei­det, und das ist, da sind sich die Frau­en si­cher, in pri­va­ten Gär­ten ge­sün­der, da kaum bis gar nicht ge­spritzt.

Mehr als 11.000 Im­ker sind nach An­ga­ben des Lan­des-um­welt- und Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums in Nord­rhein-west­fa­len re­gis­triert. Die meis­ten von ih­nen sind Hob­by-im­ker wie Sa­bi­ne und Dör­te Hei­lig­tag, die ih­ren Ur­laub auf den Bie­nen­ka­len­der ab­stim­men. Zwi­schen April und Ju­ni vier Wo­chen am Stück zu ver­rei­sen, ist für Im­ker nicht drin. „Man hat nun mal ei­ne Ver­ant­wor­tung für die­se Le­be­we­sen“, sagt Sa­bi­ne Hei­lig­tag. „Wer Bie­nen züch­tet, kann sich nicht ein­fach Bie­nen­stö­cke in den Gar­ten stel­len und sich dann nicht dar­um küm­mern.“Sehr zeit­auf­wän­dig ist das Gan­ze den­noch nicht: Ein­mal pro Wo­che schau­en sie nach, ob es Kö­ni­gin und dem Vol­ke gut geht.

Das Paar lern­te im Düs­sel­dor­fer Ver­ein „Api­dea Mel­li­fi­ca – Ar­ge Bie­nen­zucht und Im­ker­nach­wuchs“, mit Brut, Völ­kern, ver­irr­ten Kö­ni­gin­nen oder auch der Ho­ni­gern­te um­zu­ge­hen. An­fangs nutz­ten die bei­den die Schleu­der des Ver­eins, in­zwi­schen steht ein ei­ge­nes Ge­rät im hei­mi­schen Kel­ler. Vor der Ern­te „lo­cken“sie ih­re Bie­nen durch ei­ne Art Ein­bahn­stra­ße in ei­nen be­stimm­ten Teil des Bie­nen­stocks, so dass sie die Wa­ben ent­neh­men und dar­aus Ho­nig schleu­dern kön­nen, den sie in der Kü­che un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Hy­gie­ne­vor­schrif­ten ab­fül­len. Das Gan­ze dau­ert et­wa ei­nen Tag – samt an­schlie­ßen­dem Auf­put­zen kleb­ri­ger Kleck­se.

Dass es bei Hei­lig­tags summt, sprach sich schnell her­um. Die bis zu 100 Ki­lo Ho­nig, die je­des Jahr in 250-Gramm-glä­ser ab­ge­füllt und mit ei­gens de­sign­ten Eti­kett ver­se­hen wer­den, sind ge­fragt. „Wie geht’s denn Eu­ren Bie­nen?“, wol­len Nach­barn und Kol­le­gen re­gel­mä­ßig wis­sen, um dann nach­zu­ha­ken, wann denn wohl der Ho­nig fer­tig sei und ob man schon mal ein Gläs­chen be­stel­len kön­ne. Die dies­jäh­ri­ge Pro­duk­ti­on ist so gut wie ver­grif­fen, und Dör­te und Sa­bi­ne Hei­lig­tag freut das vor al­lem des­we­gen, weil sie be­mer­ken, dass ihr Im­ker­hob­by auch bei an­de­ren Men­schen ein stär­ke­res Be­wusst­sein für die sum­men­den Le­be­we­sen schafft. Die sor­gen nicht nur für Ho­nig, son­dern be­stäu­ben auch bis zu 80

Pro­zent der hei­mi­schen Blüh­pflan­zen. Und das qua­si ganz ne­ben­bei, denn so ei­ne Bie­ne hat auch ziem­lich viel zu tun. Im Win­ter ist sie da­für zu­stän­dig, dass die Kö­ni­gin es ku­sche­lig hat und der engs­te Be­reich des Stocks wie auch den Rest des Jah­res kon­stant 35 Grad warm ist.

Im Früh­jahr und Som­mer in­des sind die Auf­ga­ben ge­nau­es­tens ver­teilt und bil­den Kar­rie­re­stu­fen: Es gibt Wäch­ter­bie­nen, Putz­bie­nen, Am­men­bie­nen. Al­le wis­sen im­mer, wann sie was zu tun ha­ben. Erst am En­de des gut 30-tä­gi­gen Le­bens ei­ner Som­mer­bie­ne – die Win­ter­bie­nen le­ben da­ge­gen meh­re­re Mo­na­te – geht’s dann ans Nekt­ar­sam­meln: Die Tie­re, die den Men­schen auf Bal­kons und in Gär­ten flei­ßig Blü­ten be­su­chend be­geg­nen, sind al­so die be­reits Tod­ge­weih­ten. Die Kö­ni­gin in­des legt wäh­rend­des­sen im Bie­nen­stock bis zu 2000 Ei­er pro Tag und ar­bei­tet mit Phe­ro­mo­nen flei­ßig dar­an, dass die wu­se­li­gen Un­ter­ta­nen nicht au­ßer Kon­trol­le ge­ra­ten.

Auch Axel Spies aus Neuss ist Bie­nen­fan und Hob­by-im­ker. Bei ihm gibt es eben­falls Ho­nig, von dem er ganz ge­nau sa­gen kann, wo­her er stammt. Er hat sei­ne 14 Völ­ker auf meh­re­re Stand­or­te ver­teilt. Ma­xi­mal drei Völ­ker, rund 150.000 Bie­nen, sum­men an Or­ten wie den Klein­gär­ten Rö­mer­la­ger in Neuss-gna­den­tal, in den Rhein­au­en oder im Stadt­teil Grim­ling­hau­sen. „Das macht zwar mehr Ar­beit, die Bie­nen dan­ken es ei­nem aber mit ei­nem tol­len Ho­nig“, sagt der Un­ter­neh­mens­be­ra­ter.

Die Bie­nen be­stäu­ben auch in Streu­obst­wie­sen der Stadt und brin­gen das Aro­ma von al­ten re­gio­na­len Ap­fel­sor­ten zu­rück in den Stock. „Wenn ei­nem sor­ten­rei­ne Ho­ni­ge wie et­wa Rap­sho­nig schme­cken, ist das völ­lig okay“, meint der 57-Jäh­ri­ge. Doch er schätzt die gro­ße Aro­men­brei­te. Sein per­sön­li­cher Fa­vo­rit ist der Ho­nig aus Grim­ling­hau­sen, der schme­cke sehr blu­mig. Zu­dem, so merkt er an, ent­hal­te solch ein lo­ka­ler Ho­nig ge­nau die Pol­len, die in der ei­ge­nen Um­ge­bung vor­kom­men. Das kön­ne zum Bei­spiel All­er­gi­kern oder von Heu­schnup­fen Ge­plag­ten bei der De­sen­si­bi­li­sie­rung hel­fen. Da­für ist aber auch der Zeit­punkt des Schleu­derns wich­tig.

Zu Hoch­zei­ten zwi­schen April und Ju­ni summt und brummt es im hin­te­ren Be­reich des Mett­man­ner Gar­tens an den sechs Bie­nen­stö­cken. Dör­te und Sa­bi­ne Hei­lig­tag ste­hen dann ger­ne da­vor und gu­cken dem ge­schäf­ti­gen Trei­ben ein­fach nur zu. Das sei, be­teu­ern sie glaub­haft, „wirk­lich sehr ent­span­nend“. Ein­mal, ganz zu An­fang, hat ei­nes der im Som­mer so wu­se­li­gen Völ­ker je­doch den Win­ter nicht über­lebt. „Das ging mir na­he“, sagt Sa­bi­ne Hei­lig­tag. Seit­dem schau­en die bei­den Hob­by-im­ke­rin­nen lie­ber ein­mal mehr nach. Da­mit sie den Kol­le­gen ant­wor­ten kön­nen: „Un­se­ren Bie­nen? De­nen geht’s gut.“

In­fo Kon­takt zu Fa­mi­lie Hei­lig­tag über holy­[email protected], Kon­takt zu Axel Spies un­ter [email protected]

Wer ei­nen Im­ker in sei­ner Nä­he sucht, wird bei den Kreis­ver­bän­den fün­dig, ei­ne Lis­te gibt es zum Bei­spiel hier: https://im­ker­ver­band­rhein­land.de/cms/ wp-con­tent/uploads/2018/07/2018-0718-Krei­se-und-ver­ei­ne.pdf

FO­TO: ACHIM BLAZY

Die Hob­by-im­ke­rin­nen Dör­te (l.) und Sa­bi­ne Hei­lig­tag aus Mett­mann küm­mern sich um ih­re Bie­nen­völ­ker.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.