Gna­den­los lus­tig

Kaum et­was ver­kör­pert bri­ti­schen Hu­mor bes­ser als „Mon­ty Py­thon’s Fly­ing Cir­cus“. Die le­gen­dä­re Fern­seh­se­rie der sechs Ko­mi­ker wur­de 1969 erst­mals ge­sen­det. Schon lan­ge ge­nießt das Werk der Trup­pe Kult­sta­tus.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - PANORAMA - VON JÖRG IS­RING­HAUS

Lon­don­die­sen­bri­ten war schlicht­weg gar nichts hei­lig: Mit ih­rem Film „Das Le­ben des Bri­an“ver­äp­pel­te die Ko­mi­ker-trup­pe Mon­ty Py­thon 1979 die Ge­schich­te Je­su und han­del­te sich da­mit Pro­tes­te von Ver­tre­tern al­ler Kon­fes­sio­nen ein. „Wir ha­ben sie al­le ge­trof­fen“, froh­lock­te Mit­glied Ter­ry Gil­li­am. In man­chen Län­dern wur­de der Film ver­bo­ten, heu­te ge­nießt er Kult­sta­tus. Wie fast das ge­sam­te Werk der ge­ni­al-al­ber­nen Hu­mor-an­ar­chis­ten, die am 5. Ok­to­ber 1969 mit ih­rem „Fly­ing Cir­cus“in der BBC an­tra­ten, dem­gu­ten Ge­schmack kräf­tig in den Hin­tern zu tre­ten.

Ob ein Be­such im Mi­nis­te­ri­um für al­ber­ne Gan­gar­ten, ein Fuß­ball­quiz mit Marx, Mao und Le­nin oder ein Ob­stan­griff auf bri­ti­sche Re­kru­ten: In der Welt von Mon­ty Py­thon fand zu­ein­an­der, was nicht zu­sam­men ge­hört und füg­te sich zu der Er­kennt­nis, dass sich die Wid­rig­kei­ten des Le­bens nur er­tra­gen las­sen, wenn man sie or­dent­lich durch den Ka­kao zieht. „Ex­tre­me Al­bern­heit scheint heu­te re­le­van­ter zu sein als je zu­vor“, er­klä­ren sie zum Ju­bi­lä­um auf ih­rer Web­site und stel­len fest:„wir le­ben in ei­ner zu­neh­mend py­tho­nes­ken Welt.“

Vor 50 Jah­ren aber war die­se Welt auf die vol­le Breit­sei­te bri­ti­schen Bra­chi­al-hu­mors nicht vor­be­rei­tet. An­ge­sichts der re­spekt­lo­sen Wit­ze gab der Bbc-un­ter­hal­tungs­chef nach der ers­ten Sen­dung, die kaum je­mand sah, zu Pro­to­koll, dass die Trup­pe wohl „ei­nen To­des­wunsch“he­ge. Bei ei­ner Kri­sen­sit­zung wur­de in ei­ner in­ter­nen Ak­ten­no­tiz fest­ge­hal­ten:„die­se Epi­so­de ent­hielt zwei wirk­lich schreck­li­che Sket­che.“Der ei­ne sei ent­setz­lich ge­schmack­los ge­we­sen, der an­de­re schlicht­weg nicht amü­sant. Die sechs Au­to­ren – John Clee­se, Ter­ry Jo­nes, Micha­el Pa­lin, Gra­ham Ch­ap­man , Eric Id­le und der ame­ri­ka­ni­sche Ka­ri­ka­tu­rist Ter­ry Gil­li­am – hör­ten nichts lie­ber als das. Für die Ver­eh­rung, die ih­nen heu­te ent­ge­gen ge­bracht wird, ha­ben sie nur Spott üb­rig. Er sei ent­täuscht, dass die Leu­te „Fly­ing Cir­cus“jetzt schätz­ten und für eher ku­sche­lig und lie­bens­wert hiel­ten, wäh­rend das Pro­gramm sie frü­her ge­nervt und ver­är­gert ha­be, sag­te Eric Id­le der „Ra­dio Ti­mes“: „Wir be­ka­men ei­ne Men­ge Be­schwer­den. Das ge­fiel mir bes­ser.“

An­ders als kon­ven­tio­nel­le Ko­mi­ker ver­zich­te­ten die Py­thons auf die ob­li­ga­to­ri­sche Po­in­te am Schluss und ver­knüpf­ten die ein­zel­nen Ele­men­te mit sur­rea­len Ani­ma­tio­nen und sa­ti­ri­schen Songs zu ei­ner Art ab­sur­dem Be­wusst­seins­strom. Micha­el Pa­lin er­in­ner­te sich an die Dreh­buch-tref­fen der kon­kur­rie­ren­den Schreib­teams: „John und Gra­ham wa­ren et­was ag­gres­si­ver, wäh­rend Ter­ry und ich die bei­den al­ber­nen wa­ren.“Eric Id­le schrieb al­lei­ne und wur­de für sei­nen Wort­witz ge­schätzt. Und Ka­ri­ka­tu­rist Ter­ry Gil­li­am schaff­te es, „ei­ner Grup­pe von ganz un­ter­schied­li­chen eng­li­schen Ko­mö­di­an­ten ei­nen bei­ßen­den und sehr ele­gan­ten ame­ri­ka­ni­schen Stil zu ver­lei­hen“. Sei­ne ver­rück­ten, to­tal über­dreh­ten Car­toon-ein­spie­ler wur­den zum Mar­ken­zei­chen von Mon­ty Py­thon. Spä­ter griff er als Re­gis­seur ger­ne auf sei­nen al­ten Kol­le­gen zu­rück.

Ei­ner ih­rer bes­ten Sket­che wur­de „The De­ad Par­rot“, der to­te Pa­pa­gei. „Die­ser Pa­pa­gei exis­tiert nicht mehr... Das ist ein Ex-pa­pa­gei!“Selbst 50 Jah­re spä­ter wirkt John Clee­se als hys­te­ri­scher Kun­de in ei­ner Zoo­hand­lung ko­misch, wäh­rend La­den­be­sit­zer Micha­el Pa­lin im­mer neue Er­klä­run­gen da­für fin­det, war­um der Pa­pa­gei sich nicht mehr rührt. Da­mit schrieb die Trup­pe Tv-ge­schich­te. Be­vor­zug­tes Ziel ih­res Ge­spötts war die Kir­che, aber auch die Deut­schen be­ka­men ihr Fett weg und das Mi­li­tär, über­haupt je­de Spiel­art bri­ti­scher Ob­rig­keit. Zwi­schen­durch schritt „der Co­lo­nel“ein, um die schlimms­ten Sket­che zu un­ter­bre­chen.

Wirk­lich po­pu­lär wur­de die Py­thons durch ih­re Ki­no­fil­me. „Rit­ter der Ko­kos­nuss“nahm 1975 die Su­che nach dem Hei­li­gen Gral aufs Korn und al­ber­te sich durch das Gen­re in­klu­si­ve ei­nem Kil­ler­ka­nin­chen, der hei­li­gen Hand­gra­na­te von An­tio­chi­en und der ver­fres­se­nen Burg „Spam-a-lot“. In „Le­ben des Bri­an“(1979) er­setz­ten sie Je­sus durch den Töl­pel Bri­an von Na­za­reth, der un­frei­wil­lig in ei­ne Ver­schwö­rung der „Volks­front von Ju­däa“ge­gen die rö­mi­schen Be­sat­zer ge­rät. Am En­de singt­bri­an am Kreuz „Al­ways Look on the Bright Si­de of Life“– das von Eric Id­le kom­po­nier­te Lied wur­de zum Gas­sen­hau­er.

Nach ih­rem letz­ten, epi­so­disch er

„Ex­tre­me Al­bern­heit scheint heu­te re­le­van­ter zu sein als je zu­vor“Mon­ty Py­thon

„Die­ser Pa­pa­gei exis­tiert nicht mehr . . . Das ist ein Ex-pa­pa­gei!“De­ad-par­rot-sketch

zähl­ten Film „Der Sinn des Le­bens“trenn­te sich die Grup­pe 1983. Das Pul­ver war ver­schos­sen, die teils eher spe­zi­el­len Cha­rak­te­re brauch­ten ei­ne Pau­se von­ein­an­der. Ge­le­gent­lich fan­den ei­ni­ge von ih­nen bei Film­pro­jek­ten zu­sam­men, et­wa 1985 bei „Bra­zil“oder 1988 mit „Ein Fisch na­mens Wan­da“. Erst 2014 stan­den al­le wie­der ge­mein­sam mit der Show „Mon­ty Py­thon Live (most­ly)“auf der Büh­ne, die Kar­ten für die zehn Aben­de in Lon­don wa­ren in­ner­halb von Mi­nu­ten aus­ver­kauft. Dass die Trup­pe noch ein­mal ei­ne ge­mein­sa­me Büh­nen­show an­geht, hält Ter­ry Gil­li­am für aus­ge­schlos­sen: „Es sind nur noch vier von uns üb­rig, die rich­tig funk­tio­nie­ren“, sag­te er der Zei­tung „Dai­ly Star“. Ch­ap­man ist ver­stor­ben, und Ter­ry Jo­nes lei­det an De­menz. „Das ist nicht Py­thon, al­so macht das kei­nen Sinn.“

Den­noch blie­ben die Py­thons sich und ih­rer re­spekt­lo­sen Welt­sicht im­mer treu. Bei der Re­de an Ch­ap­mans Gr­ab be­zeich­ne­te Clee­se den Ver­stor­be­nen als Spiel­ver­der­ber und wan­del­te den De­ad-par­ro­tSketch ab: „Er ist nicht mehr, ruht in Frie­den, gab den Löf­fel ab, ging über den Jor­dan, biss ins Gras, nahm sei­nen letz­ten Atem­zug. Er ging, um den Haupt­ab­tei­lungs­lei­ter für leich­te Un­ter­hal­tung im Him­mel zu tref­fen. Er ist ein Ex-ch­ap­man.“

Kom­men wir nun zu et­was völ­lig an­de­rem. ( mit dpa)

FO­TO: AP

Die Ko­mi­ker­trup­pe Mon­ty Py­thon zur Grün­dungs­zeit 1969: (u., v.l.) Ter­ry Jo­nes, John Clee­se, Micha­el Pa­lin, (o, v.l.) Gra­ham Ch­ap­man, Eric Id­le und Ter­ry Gil­li­am.

FO­TO: MO­VIES­TO­RE COLLEC­TION

In „Das Le­ben des Bri­an“wird am Kreuz ge­sun­gen: Eric Id­le (l.) und Gra­ham Ch­ap­man als Bri­an.

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