Land­wir­te brau­chen Durch­hal­te­ver­mö­gen

Frü­hes Auf­ste­hen, sel­ten freie Wo­chen­en­den: Die Ar­beit als Land­wirt ist an­stren­gend. Auch wenn Di­gi­ta­li­sie­rung und Nach­hal­tig­keit den Be­ruf ver­än­dern.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - BERUF&KARRIERE - VON CHRISTINA SPITZ­MÜL­LER

Wie wird aus ei­nem klei­nen Körn­chen ei­ne gro­ße Pflan­ze und wie aus ei­nem Ba­by­fer­kel ein schlachtre­i­fes Schwein? Da­für zu sor­gen, ist Ni­na Lang­re­ders Job. Die 20-Jäh­ri­ge ist fast am En­de ih­rer Aus­bil­dung zur Land­wir­tin. Sie ist in ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Be­trieb in der Nä­he von Han­no­ver auf­ge­wach­sen.

Von klein auf hat ihr die Ar­beit mit Tie­ren und Pflan­zen Spaß ge­macht. „Ich war mit mei­nem Va­ter im Stall und bin im­mer mit dem Tre­cker mit­ge­fah­ren“, er­zählt sie. Nach dem Abitur kam für Lang­re­der kein Bü­ro­job in­fra­ge. Sie woll­te kör­per­lich ak­tiv ar­bei­ten und viel an der fri­schen Luft sein.

Wich­tig ist, dass künf­ti­ge Land­wir­te kör­per­lich be­last­bar sind und Durch­hal­te­ver­mö­gen mit­brin­gen. Eben­so wie hand­werk­li­ches Ge­schick und lö­sungs­ori­en­tier­tes Den­ken, er­klärt Wil­helm Sie­bel­mann, Re­fe­rent der Land­wirt­schafts­kam­mer Nord­rhein-west­fa­len. Ei­nen Schul­ab­schluss braucht es hin­ge­gen nicht zwin­gend.

Wer Land­wirt wer­den möch­te, muss grund­sätz­lich be­reit sein, in länd­li­chen Re­gio­nen zu ar­bei­ten. Das ist für Azu­bis mit­un­ter ei­ne Hür­de, er­klärt Mar­kus Bret­schnei­der, der beim Bun­des­in­sti­tut für Be­rufs­bil­dung (BIBB) für ge­werb­lich-tech­ni­sche Be­ru­fe zu­stän­dig ist.

Früh auf­ste­hen, kei­ne ge­re­gel­ten Ar­beits­zei­ten, sel­ten freie Wo­chen­en­den – auch das müs­sen Land­wir­te in Kauf neh­men. „Das Schö­ne ist: Es zahlt sich al­les aus, wenn man dann sei­ne zu­frie­de­nen Tie­re sieht“, sagt Ni­na Lang­re­der. Oder, wenn die Ern­te er­trag­reich war.

Ih­re Freun­de und ihr Part­ner müs­sen Ver­ständ­nis da­für ha­ben, dass ihr Job obers­te Prio­ri­tät hat. Wenn da ge­ra­de ei­ne Kuh kalbt oder die Ern­te ein­ge­fah­ren wird, kann sie eben nicht pünkt­lich weg. Da­mit kommt Ni­na Lang­re­der klar. Was sie stört sind die vie­len Vor­ur­tei­le, die ihr ent­ge­gen­ge­bracht wer­den. Da wer­de schon mal die gan­ze Zunft als Tier­quä­ler dar­ge­stellt. „Ich per­sön­lich ken­ne kei­nen Kol­le­gen, der sei­ne Tie­re quält. Uns liegt im­mer das Wohl­er­ge­hen der Tie­re am Her­zen“, ist Lang­re­ders Sicht. Auch der rich­ti­ge Auf­zug von Pflan­zen spielt in ih­rer Aus­bil­dung ei­ne gro­ße Rol­le. Dün­ger et­wa ist für je­de Flä­che ge­nau zu be­rech­nen. Wie vie­le Nähr­stof­fe sind schon im Bo­den, wie vie­le darf der Land­wirt hin­zu­fü­gen, wel­ches Mit­tel ist da­für ge­eig­net? Das lernt Lang­re­der in der Be­rufs­schu­le.

Die An­for­de­run­gen an den Be­ruf neh­men zu, denn die Di­gi­ta­li­sie­rung hält Ein­zug in die Land­wirt­schaft. Land­wir­te müs­sen kom­ple­xe Ma­schi­nen ein­rich­ten und steu­ern kön­nen – vom Melk­ro­bo­ter, über Gps-ge­steu­er­te Land­ma­schi­nen bis zum Füt­te­rungs­sys­tem. Eben­so wird das The­ma Nach­hal­tig­keit wich­ti­ger. Ni­na Lang­re­der hat ei­nen Teil ih­rer Aus­bil­dung auf ei­nem öko­lo­gisch wirt­schaf­ten­den Be­trieb in Schles­wig-hol­stein ge­macht – um zu se­hen, wel­che As­pek­te sie im Be­trieb ih­rer El­tern um­set­zen kann.

Das ta­rif­li­che Mo­nats­ge­halt für an­ge­hen­de Land­wir­te lag nach An­ga­ben des BIBB 2017 in den west­deut­schen Bun­des­län­dern im Schnitt bei 661 Eu­ro pro Mo­nat, in Ost­deutsch­land wa­ren es 607 Eu­ro.

Nach ih­rer Aus­bil­dung will Ni­na Lang­re­der ein Jahr in die Pra­xis, dann wird sie die Fach­schu­le für Land­wirt­schaft in Schles­wig Hol­stein be­su­chen. Mit die­ser Wei­ter­bil­dung darf sie spä­ter selbst aus­bil­den. Vi­el­leicht setzt sie noch ein Stu­di­um oben­drauf.

Was Ni­na Lang­re­der schon weiß: Sie möch­te ir­gend­wann den el­ter­li­chen Be­trieb wei­ter­füh­ren. Bis­her wird dort vor al­lem Acker­bau be­trie­ben. Sie möch­te spä­ter am liebs­ten ein paar Kü­he hal­ten. „Mir ist wich­tig, dass ich den Tie­ren ei­nen gu­ten Le­bens­stan­dard bie­ten kann. Al­so un­ter an­de­rem Aus­lauf auf der Wei­de und art­ge­rech­te Stäl­le.“

FO­TO: PE­TER STEFFEN/DPA-TMN

Die Ar­beit mit Tie­ren hat ihr schon von klein auf Spaß ge­macht: Ni­na Lang­re­der ist auf ei­nem land­wirt­schaft­li­chen Be­trieb auf­ge­wach­sen, jetzt wird sie selbst Land­wir­tin.

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