Bei­fall für See­ho­fers Flücht­lings­kurs

Der In­nen­mi­nis­ter will 25 Pro­zent der Boots­flücht­lin­ge auf­neh­men – die­se Zu­sa­ge löst ei­ne kon­tro­ver­se De­bat­te aus. Der Csu-po­li­ti­ker warnt vor ei­ner neu­en Flücht­lings­wel­le wie 2015.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - VORDERSEIT­E - VON BIRGIT MARSCHALL

BERLIN Füh­ren­de Cdu-po­li­ti­ker ha­ben In­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) ge­gen Kri­tik an sei­ner neu­en Li­nie in der Flücht­lings­po­li­tik ver­tei­digt. See­ho­fer hat­te un­längst in ei­ner Ver­ein­ba­rung mit Frank­reich, Ita­li­en und Mal­ta zu­ge­sagt, dass die Bun­des­re­pu­blik künf­tig 25 Pro­zent der Boots­flücht­lin­ge über­nimmt, die im Mit­tel­meer auf­ge­grif­fen wer­den. Fach­leu­te se­hen dar­in die Chan­ce für ei­nen ge­ne­rel­len Ver­teil­me­cha­nis­mus in­ner­halb der EU, der seit Jah­ren am Wi­der­stand ein­zel­ner Staa­ten ge­schei­tert war.

„Es ist scha­de, dass See­ho­fer vor­her nie­man­den über sei­ne Plä­ne in­for­miert hat. Denn tat­säch­lich ver­dient sei­ne Initia­ti­ve al­le Un­ter­stüt­zung“, sag­te der Cdu-in­nen­po­li­ti­ker Ar­min Schus­ter un­se­rer Re­dak­ti­on. „Sie könn­te der Ein­stieg in die lan­ge er­sehn­te Lö­sung ei­ner eu­ro­päi­schen Flücht­lings­ver­tei­lung sein, viel­leicht so­gar der An­lass für neue Ver­hand­lun­gen zu ei­nem eu­ro­päi­schen Asyl­sys­tem.“Es sei wich­tig, dass Frank­reich, Ita­li­en und Deutsch­land ge­mein­sam ei­nen Ver­such un­ter­näh­men, ei­nen Ver­teil­me­cha­nis­mus für Flücht­lin­ge zu ver­ein­ba­ren. „Wir brau­chen ein fai­res Ver­teil­re­gime für Flücht­lin­ge in der EU. Das müs­sen wir er­rei­chen, be­vor die Zahl der Flücht­lin­ge wie­der deut­lich an­steigt“, sag­te auch der Cdu-au­ßen­po­li­ti­ker Jür­gen Hardt. Er schränk­te je­doch ein: „Deutsch­land re­prä­sen­tiert nur et­wa ein Fünf­tel der Ein­woh­ner der EU. Die­se Grö­ßen­ord­nung soll­te auch Richt­schnur für die Ver­ein­ba­rung der Eu-staa­ten zur Ver­tei­lung von Flücht­lin­gen sein.“

Zu­vor war Uni­ons­frak­ti­ons­chef Ralph Brink­haus auf Dis­tanz zu See­ho­fer ge­gan­gen. „Das C in un­se­rem Na­men ge­bie­tet, Men­schen aus See­not zu ret­ten“, sag­te Brink­haus der Fun­ke Me­di­en­grup­pe. Et­was an­de­res sei aber die Fra­ge, wel­ches Si­gnal man sen­de, wenn man pau­schal 25 Pro­zent der Ge­ret­te­ten auf­neh­men wol­le. „Das war ei­ne Initia­ti­ve des In­nen­mi­nis­ters, nicht der Cdu/csu-bun­des­tags­frak­ti­on“, be­ton­te Brink­haus. „Wir wer­den uns die Plä­ne von Horst See­ho­fer da­her sehr ge­nau an­schau­en.“

Auch AFD und FDP kri­ti­sier­ten die Ver­ein­ba­rung, wo­nach Deutsch­land künf­tig je­den vier­ten Boots­flücht­ling auf­neh­men soll. Wei­te­re Eu-staa­ten sol­len sich dem an­schlie­ßen. Dar­über wird am Di­ens­tag bei ei­nem In­nen­mi­nis­ter­tref­fen in Brüs­sel ver­han­delt. Kri­ti­ker mo­nie­ren, dass die Ver­ein­ba­rung Schlep­per und Mi­gran­ten zur Über­fahrt er­mu­ti­gen könn­te. Zu der Ab­ma­chung ge­hört al­ler­dings auch, dass je­der Un­ter­zeich­ner aus­stei­gen kann, falls plötz­lich deut­lich mehr Boo­te un­ter­wegs sein soll­ten.

Die 25-Pro­zent-quo­te könn­te von den üb­ri­gen Eu-staa­ten als Richt­grö­ße für al­le wei­te­ren Flücht­lings­grup­pen ver­stan­den wer­den, die nach Deutsch­land ver­teilt wer­den. Auch da­ge­gen regt sich Wi­der­stand, zu­mal See­ho­fer selbst vor ei­ner neu­en Flücht­lings­wel­le warn­te. „Wir müs­sen un­se­ren eu­ro­päi­schen Part­nern bei den Kon­trol­len an den Eu-au­ßen­gren­zen mehr hel­fen. Wir ha­ben sie zu lan­ge al­lei­ne ge­las­sen“, sag­te See­ho­fer. „Wenn wir das nicht ma­chen, wer­den wir ei­ne neue Flücht­lings­wel­le wie 2015 er­le­ben – viel­leicht so­gar ei­ne noch grö­ße­re als vor vier Jah­ren.“

Die Grü­nen se­hen in der ver­ein­bar­ten Flücht­lings-quo­te in­des ei­ne gu­te Ba­sis. „Die 25 Pro­zent ent­spre­chen un­ge­fähr dem deut­schen An­teil an ei­ner fai­ren Ver­teil­quo­te in­ner­halb Eu­ro­pas und sind des­we­gen ei­ne gu­te Grund­la­ge“, sag­te Grü­nen-frak­ti­ons­che­fin Ka­trin Gö­ring-eckardt un­se­rer Re­dak­ti­on. Leit­ar­ti­kel

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