Papst for­dert von Bischöfen mehr Mut zur Ve­rän­de­rung

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - POLITIK -

ROM/MÜNS­TER (epd) Papst Fran­zis­kus hat am Sonn­tag bei ei­ner fei­er­li­chen Mes­se zur Er­öff­nung der Ama­zo­nas-syn­ode im Va­ti­kan zu mu­ti­gen Re­for­men auf­ge­ru­fen. Das ka­tho­li­sche Kir­chen­ober­haupt äu­ßer­te vor den rund 280 Teil­neh­mern im Pe­ters­dom die Hoff­nung auf „wa­ge­mu­ti­ge Be­son­nen­heit“, um das Le­ben der Kir­che im Ama­zo­nas-ge­biet zu ver­än­dern.

Der Papst wies auf das Lei­den der in­di­ge­nen Be­völ­ke­rung in der Re­gi­on hin – her­vor­ge­ru­fen durch die Ab­hol­zung und Brand­ro­dung des Re­gen­walds so­wie durch die Ko­lo­ni­al­herr­schaft der Ver­gan­gen­heit. Er pran­ger­te skru­pel­lo­se Wirt­schafts­in­ter­es­sen an, die jüngst mit aus­ge­dehn­ten Wald­brän­den zur Zer­stö­rung brei­ter Land­stri­che im Ama­zo­nas-ge­biet ge­führt hät­ten. Zu­gleich be­klag­te Fran­zis­kus, dass der christ­li­che Glau­be den Ur­ein­woh­nern ehe­mals oft „nicht an­ge­bo­ten son­dern auf­ge­zwun­gen“wor­den sei. Da­bei ha­be es häu­fig „Ko­lo­ni­sie­rung statt Evan­ge­li­sie­rung“ge­ge­ben. Auch heu­te be­dro­he die Gier mo­der­ner Ko­lo­ni­al­her­ren das Le­ben der In­di­ge­nen.

An­ge­sichts von Über­le­gun­gen, die Pries­ter­wei­he ver­hei­ra­te­ter Män­ner als Ant­wort auf den Pries­ter­man­gel im Ama­zo­nas-ge­biet zu­las­sen, be­schei­nig­te Fran­zis­kus sei­nen Geg­nern, Angst vor Ve­rän­de­run­gen zu ha­ben. Dem Papst wird vor­ge­wor­fen, sei­ne Leh­re ste­he im Wi­der­spruch zu den Glau­bens­grund­sät­zen der ka­tho­li­schen Kir­che, Fran­zis­kus kri­ti­sier­te die Ten­denz, nur die ei­ge­nen Ide­en gel­ten zu las­sen. Wer Un­ter­schie­de nicht gel­ten las­se und statt­des­sen Men­schen und Ide­en ver­ein­heit­li­chen wol­le, schü­re ein zer­stö­re­ri­sches Feu­er.

Bei der drei­wö­chi­gen Ama­zo­nas-syn­ode un­ter dem Ti­tel „Ama­zo­ni­en – Neue We­ge für die Kir­che und ei­ne ganz­heit­li­che Öko­lo­gie“geht es vor­ran­gig um Um­welt­zer­stö­rung, die La­ge der In­di­ge­nen und Pries­ter­man­gel in dem neun Län­der um­fas­sen­den Ge­biet. Von den rund 180 Bischöfen, die an der Ver­samm­lung ge­mein­sam mit Or­dens­leu­ten und Ex­per­ten teil­neh­men, stam­men 113 aus dem Ama­zo­nas-ge­biet. Der bra­si­lia­ni­sche Bi­schof Jo­han­nes Bahl­mann er­hofft sich von der Syn­ode Lö­sungs­an­sät­ze, et­wa zur Be­he­bung des Pries­ter­man­gels. Um dem Sen­dungs­auf­trag ge­recht zu wer­den, sei­en im Ama­zo­nas­ge­biet neue We­ge und For­men für das christ­li­che Le­ben not­wen­dig, sag­te der Bi­schof, der an der Syn­ode teil­nimmt, am Sams­tag in Müns­ter. In dem von ihm ge­lei­te­ten Bis­tum Óbi­dos – flä­chen­mä­ßig halb so groß wie Deutsch­land, aber dünn be­sie­delt und teils schwer zu­gäng­lich – ge­be es rund 30 haupt­amt­li­che Pries­ter. Vie­le Ge­mein­den wür­den des­halb be­reits von eh­ren­amt­li­chen Lai­en ge­lei­tet.

Das Latein­ame­ri­ka-hilfs­werk Ad­ve­ni­at mit Sitz in Es­sen kün­dig­te an, in Rom auf Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen und Um­welt­zer­stö­rung auf­merk­sam ma­chen. „Am Ama­zo­nas bren­nen die Wäl­der, in­di­ge­ne Völ­ker wer­den ver­trie­ben oder er­mor­det“, er­klär­te Ad­ve­ni­at-haupt­ge­schäfts­füh­rer Micha­el Heinz am Sams­tag­abend in Rom.

Zum Pries­ter­man­gel sag­te Heinz, vie­le Ge­mein­den könn­ten nur ein, zwei oder drei Mal im Jahr die Eucha­ris­tie fei­ern. „Da­mit wird den Gläu­bi­gen das Recht auf die Qu­el­le ih­res Glau­bens kon­se­quent ver­wei­gert“, kri­ti­sier­te Heinz. Es sei un­aus­weich­lich, über al­ter­na­ti­ve Mo­del­le des Zu­gangs zu Pries­ter­amt und Ge­mein­de­lei­tung nach­zu­den­ken. Mög­lich wä­re die Wei­he ver­hei­ra­te­ter äl­te­rer Män­ner, die im Team ei­ne Ge­mein­de lei­ten. Dar­über hin­aus müs­se über die Be­tei­li­gung von Frau­en ge­spro­chen wer­den.

Zu den als Zu­hö­rer ein­ge­la­de­nen Teil­neh­mern der Ama­zo­nas-syn­ode ge­hö­ren auch 17 Ver­tre­ter der Ur­ein­woh­ner. Aus Deutsch­land neh­men ne­ben dem Vor­sit­zen­den der Bi­schofs­kon­fe­renz, Kar­di­nal Rein­hard Marx, die in Pe­ru le­ben­de Theo­lo­gin Birgit Wei­le, der Ad­ve­ni­at-chef so­wie auch der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des ka­tho­li­schen Hilfs­werks Mi­se­re­or mit Sitz in Aa­chen, Pir­min Spie­gel, teil. Als Ex­per­te wird im Zu­sam­men­hang mit der Zer­stö­rung des Re­gen­walds im Ama­zo­nas-ge­biet der Grün­dungs­di­rek­tor des Pots­dam-in­sti­tuts für Kli­ma­fol­gen­for­schung, Hans Joa­chim Schelln­hu­ber, nach Rom kom­men.

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