Skep­sis

Ge­ne­ra­ti­on El­len­bo­gen

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - LESERBRIEF­E -

In­fol­ge der 1968er Pro­tes­te und der Zer­stö­rung vie­ler ver­krus­te­ter und un­ge­rech­ter ge­sell­schaft­li­cher Struk­tu­ren hat sich ei­ne grund­sätz­li­che Skep­sis ge­gen Macht und Au­to­ri­tät im­mer wei­ter ver­brei­tet, die sich na­tür­lich auch in der Kin­der­er­zie­hung der El­tern­häu­ser nie­der­ge­schla­gen hat. Das In­di­vi­du­um und sei­ne per­sön­li­chen In­ter­es­sen ha­ben mehr Ein­fluss ge­nom­men als die For­de­rung Pflich­ten zu er­fül­len. Die zwei­te Ge­ne­ra­ti­on nach den Kin­der­la­den- und Sum­mer­hill-en­thu­si­as­ten ist in ei­ner ge­sell­schaft­li­chen Stim­mung groß und dann sel­ber El­tern­teil ge­wor­den, in der das In­di­vi­du­um und sei­ne För­de­rung zu­neh­mend in den Brenn­punkt ge­rückt wor­den ist. Die­ser Pro­zess ist durch die Po­li­tik, die sich mit der Ge­wäh­rung im­mer neu­er Rech­te und An­rech­te auch bei dem Wahl­volk be­liebt ma­chen woll­te, vor­an ge­trie­ben wor­den. Da­zu kommt ei­ne ge­wis­se Schwä­che der de­mo­kra­ti­schen Ge­sell­schafts­form, dass sie die all­ge­mein ver­bind­li­chen Nor­men so of­fen for­mu­liert, dass sie nur mit ei­ner er­folg­rei­chen in­di­vi­du­el­len Ge­wis­sens­bil­dung nicht zu dem führt, was wir heu­te in den so­zia­len (manch­mal bes­ser: aso­zia­len) Me­di­en er­le­ben: un­ge­brems­te ver­ba­le Ent­glei­sun­gen. Dass je­der sei­ne Mei­nung frei äu­ßern darf, ist ein hoch zu schät­zen­der Ge­winn un­se­rer Ge­sell­schafts­form, aber oh­ne in der Kind­heit und Ju­gend die nö­ti­gen Leit­li­ni­en für ein Aus­le­ben die­ser Frei­heit in Kant­scher Form auf­ge­nom­men zu he­ben, wird die­se Frei­heit zur Last. Blei­ben Sie an die­sem in­ter­es­san­ten und wich­ti­gen The­ma dran! Hans-pe­ter Schier Hil­den

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