Die Sam­mel­lei­den­schaft von Pfar­rer Hanck

Der Kunst­pa­last zeigt in der wun­der­ba­ren Ka­bi­nett­aus­stel­lung „Cos­mos Hanck“ei­nen Teil der ge­schenk­ten Pri­vat­samm­lung.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - DÜSSELDORF­ER KULTUR - VON CLEMENS HENLE

An den 29. Fe­bru­ar 1988 er­in­nert sich Wolfang Hanck sehr ger­ne zu­rück. Da­mals be­gann für Pfar­rer Hanck ei­ne gro­ße Lei­den­schaft, die den heu­te 80-Jäh­ri­gen nicht mehr los­las­sen wür­de: Er fing an, Kunst zu sam­meln. Denn an die­sem kal­ten Fe­bru­ar­tag des Schalt­jah­res 1988 er­stand er ei­ne Zeich­nung auf Pa­pier der Düs­sel­dor­fer Künst­le­rin Ti­na Ju­ret­zek. Tau­sen­de wei­te­re Wer­ke auf Pa­pier folg­ten in den kom­men­den 30 Jah­ren.

Von dem ganz be­son­de­ren Fo­kus in sei­ner Samm­lung kann man sich jetzt in der wun­der­ba­ren Ka­bi­nett­aus­stel­lung „Cos­mos Hanck“im Mu­se­um Kunst­pa­last über­zeu­gen. Nach ei­ner Schen­kung ei­nes Kon­vo­luts von sa­gen­haf­ten 1800 Kunst­wer­ken an den Kunst­pa­last im Jahr 2008, über­reicht er nun noch­mal 80 Ar­bei­ten. Da­von sind rund 30 Kunst­wer­ke zu se­hen, dar­un­ter zwei Ra­die­run­gen der re­nom­mier­ten Künst­ler­z­wil­lin­ge Gert und Uwe To­bi­as, fi­li­gra­ne und fra­gi­le Pa­pier­ar­bei­ten der jun­gen Aka­de­mie­ab­sol­ven­tin Le­na von Go­e­de­cke oder sur­rea­le Zeich­nun­gen der Ja­pa­ne­rin Aka­ne Kim­ba­ra.

All die­se Ar­bei­ten hat Hanck auch zu Hau­se bei sich an den Wän­den hän­gen ge­habt. Denn Kunst war für ihn im­mer ei­ne per­sön­li­che Freu­de, die er im­mer noch ger­ne mit an­de­ren teilt. „Ich ha­be im­mer das ge­sam­melt, was mich per­sön­lich an­spricht und da­zu be­zahl­bar ist“, sagt Wolf­gang Hanck.

Dann schaut er auf ei­ne hand­ko­lo­rier­te Ra­die­rung von Gert und Uwe To­bi­as. Auf ei­nem gra­fisch an­ge­deu­te­ten Kör­per sitz ein kar­ne­val­es­ker Kopf mit ei­ner ziem­lich lan­gen und spit­zen Na­se. „Die­se Fan­ta­sie­fi­gu­ren ha­be ich zum ers­ten Mal bei ei­ner Aus­stel­lung im Mu­se­um Mors­broich ge­se­hen“, sagt Hanck. Und ob­wohl schon da­mals viel zu teu­er für sein Sä­ckel, hat er die Su­che nach ei­nem klei­nen To­bi­as für zu Hau­se nicht auf­ge­ge­ben. Bis er Jah­re spä­ter auf der Art Co­lo­gne auf eben je­ne Blät­ter stieß, mit der Spür­na­se und dem Durch­hal­te­ver­mö­gen ei­nes ech­ten Samm­lers. „Wenn man ein­mal da­mit an­ge­fan­gen hat, ist es schwie­rig, da­von weg­zu­kom­men“, gibt Hanck un­um­wun­den zu.

Zu Be­ginn stand für den Pfar­rer aber erst ein­mal die Be­schäf­ti­gung mit der Kunst im Vor­der­grund; die Sam­mel­lei­den­schaft pack­te ihn erst spä­ter. Als Re­li­gi­ons­leh­rer an ei­ner Haupt­schu­le merk­te er, dass sei­ne Schü­ler viel bes­ser lern­ten, wenn sie Bil­der zum Stoff sa­hen. Auf Rei­sen ging er dann in Mu­se­en und ar­bei­tet sich so durch die Kunst­ge­schich­te. Im Kunst­his­to­ri­schen Mu­se­um in Wi­en sah er sich Brue­gel an, im Lou­vre die Im­pres­sio­nis­ten und Pi­cas­so. „So ha­be ich mich dann lang­sam in die Ge­gen­wart vor­ge­ar­bei­tet“, sagt Hanck, der lan­ge Zeit Pfar­rer in Christ Kö­nig in Neuss war. Bis er an eben je­nem 29. Fe­bru­ar 1988 selbst zum Kunst­käu­fer wur­de. Und da­bei im­mer wie­der ein sehr gu­tes Nä­schen – oder bes­ser Au­ge – für jun­ge Künst­ler be­wies.

So kauf­te er 1988 fünf Blät­ter der jun­gen Künst­le­rin Ro­se­ma­rie Tro­ckel in der eben­falls noch jun­gen Ga­le­rie von Mo­ni­ka Sprüth in Köln – lan­ge be­vor bei­de Welt­stars in der Kunst­sze­ne wur­den. So­gar ein Tref­fen mit Tro­ckel or­ga­ni­sier­te die Ga­le­ris­tin Sprüth für Hanck. „Das war ei­ne sehr in­ter­es­san­te Be­geg­nung, denn Frau Tro­ckel hat auch mal Theo­lo­gie stu­diert“, sagt der Samm­ler heu­te. Über­haupt hat er in den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren vie­le in­ter­es­san­te Be­kannt­schaf­ten mit Künst­lern und Ga­le­ris­ten ge­macht. „Ich hat­te mitt­wochs im­mer mei­nen frei­en Tag, da bin ich dann in die Ga­le­ri­en in Düs­sel­dorf und Köln ge­gan­gen, ir­gend­wann kann­ten mich dann dort al­le“, sagt der 80-Jäh­ri­ge. So er­ga­ben sich vie­le Be­kannt­schaf­ten und vor al­lem ein sehr ver­trau­ens­vol­les Ver­hält­nis zu den Ga­le­ris­ten, das sich auch auf fi­nan­zi­el­le Aspek­te der Sam­mel­lei­den­schaft be­zog. Denn vie­le der von ihm ge­kauf­ten Ar­bei­ten durf­te der Pfar­rer bei den Ga­le­ris­ten „ab­stot­tern“, wie er sagt.

So wie ihn Ge­ne­ra­tio­nen von Ga­le­ris­ten am Rhein ken­nen, so gut kennt er auch die­se. Dann sagt Hanck im Ge­spräch ganz ne­ben­bei über ei­ne Ga­le­rie, dass „die ei­ne rich­ti­ge Apo­the­ke“ist. Da­bei in­ter­es­sier­te die Wert­stei­ge­rung sei­ner Bil­der ihn nie.

So hat er auch nie ei­nes sei­nes Bil­der wie­der ver­kauft und den Ge­winn, der auf dem Kunst­markt auch schnell hun­der­te Pro­zent be­tra­gen kann, mit­ge­nom­men. Denn für Hanck steht die Freu­de, sich mit zeit­ge­nös­si­scher Kunst um­ge­ben zu kön­nen, im Mit­tel­punkt. „Ich bin mit der Kunst ge­wach­sen“, sagt Hanck über 30 Jah­re Sam­mel­lei­den­schaft.

FOTO: LOTHAR KONITZER

Pfar­rer Wolf­gang Hanck mit Wer­ken, die er dem Kunst­pa­last ge­schenkt hat und die jetzt in der neu­en Ka­bi­nett­aus­stel­lung zu se­hen sind.

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