Flücht­lings- Con­tai­ner sol­len län­ger blei­ben

Die Stadt will fast al­le Stand­or­te ver­län­gern, teil­wei­se um fünf Jah­re. Ein Grund sind neue Pro­gno­sen zu Neu­an­künf­ten.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - VORDERSEIT­E - VON HEN­DRIK GAASTERLAN­D UND ARNE LIEB

Die Stadt Düs­sel­dorf will fast al­le Stand­or­te ver­län­gern, teil­wei­se um fünf Jah­re. Ein Grund sind neue Pro­gno­sen zu Neu­an­künf­ten.

Die so­ge­nann­ten Mo­dul­hei­me für Flücht­lin­ge sol­len ei­ni­ge Jah­re län­ger blei­ben. Die Stadt wird vor­aus­sicht­lich für fast al­le 13 Stand­or­te ei­ne Ge­neh­mi­gung zur Wei­ter­nut­zung be­an­tra­gen, teil­wei­se für wei­te­re fünf Jah­re. Dass die­se Op­ti­on be­steht, war be­reits beim Bau kom­mu­ni­ziert wor­den. Die Con­tai­ner­an­la­gen sei­en nö­tig, ob­wohl die Zahl der Flücht­lin­ge deut­lich zu­rück­ge­gan­gen ist. „Wir kön­nen der­zeit nicht ab­schät­zen, wie die Ent­wick­lung wei­ter­geht“, sagt die Lei­te­rin des Amts für Mi­gra­ti­on, Mi­ri­am Koch. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) hat­te zu­letzt vor er­heb­lich mehr Flücht­lin­gen ge­warnt, falls sich die EU nicht auf ei­ne ge­mein­sa­me Po­li­tik ei­ni­gen kann. Dar­über hin­aus sind vie­le an­de­re Un­ter­künf­te weg­ge­fal­len oder zu Ob­dach­lo­sen­hei­men um­ge­wan­delt wor­den. „Wir ge­hen da­von aus, dass wir ei­ne Ge­neh­mi­gung zu­min­dest be­an­tra­gen wer­den“, sagt Koch.

Die Stadt hat­te die An­la­gen auf dem Hö­he­punkt der Flücht­lings­kri­se 2015 und 2016 be­stellt und die Stand­or­te per Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung von der Bau­auf­sicht für zu­nächst fünf Jah­re ge­neh­mi­gen las­sen. Als ers­tes läuft die Un­ter­kunft an der Mos­kau­er Stra­ße in Ober­bilk 2020 aus. Dort steht we­gen der Plä­ne für ei­nen Neu­bau des Tech­ni­schen Rat­hau­ses nur ei­ne Wei­ter­nut­zung für drei Jah­re im Raum. Vie­le wei­te­re Stand­or­te wür­den 2021 weg­fal­len. Ab­ge­baut wird dann auf je­den Fall das Heim an der Blanckertz­stra­ße in Lu­den­berg. Grund ist, dass mit der Schlie­ßung des dor­ti­gen Al­ten­heims die tech­ni­schen An­schlüs­se weg­fal­len.

Der­zeit le­ben rund 4278 Men­schen (Stand: Au­gust) in den städ­ti­schen Un­ter­künf­ten. Dar­un­ter be­fin­den sich ne­ben Asyl­be­wer­bern auch 1680 Per­so­nen, die be­reits als Flücht­lin­ge für ein oder drei Jah­re an­er­kannt sind. Weil sie ih­ren Wohn­sitz in Düs­sel­dorf be­hal­ten müs­sen und bis­lang kei­ne Woh­nung ge­fun­den ha­ben, dür­fen sie in den Ein­rich­tun­gen blei­ben. Rund 2000 Flücht­lin­ge ha­ben seit Ein­füh­rung der Wohn­sitz­auf­la­ge im De­zem­ber 2016 ei­ne Woh­nung ge­fun­den. Die Un­ter­künf­te sind laut Koch zu 91 Pro­zent be­legt. Auf dem Hö­he­punkt der Flücht­lings­kri­se, als Düs­sel­dorf auch Trag­luft­hal­len an­ge­mie­tet hat­te, leb­ten rund 9000 Flücht­lin­ge in städ­ti­schen Un­ter­künf­ten.

Die Kom­mu­nen be­kla­gen, auf den Kos­ten für die Ver­sor­gung der Flücht­lin­ge sit­zen­zu­blei­ben. Auch in Düs­sel­dorf gibt es of­fen­bar ei­ne Lü­cke. Die Stadt wen­det nach ak­tu­el­len Pro­gno­sen für das lau­fen­de Jahr 57,4 Mil­lio­nen Eu­ro für Leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz auf. Die er­war­te­te Er­stat­tung durch Bund und Land be­trägt laut in­ter­ner Be­rech­nung dem Ver­neh­men nach nur rund 21 Mil­lio­nen Eu­ro. Dies ist auch Streit­punkt im Land­tag. Nach An­ga­ben der Grü­nen-frak­ti­on ent­fal­len auf Düs­sel­dorf vier Mil­lio­nen Eu­ro, weil die Lan­des­re­gie­rung Bun­des­mit­tel nicht kom­plett wei­ter­reicht. Grü­nen-frak­ti­ons­che­fin Mo­ni­ka Dü­ker for­dert ei­ne Aus­zah­lung, da das Geld „bei der In­te­gra­ti­on Ge­flüch­te­ter wei­ter­hin be­nö­tigt wird“.

Hil­de­gard Dü­sing-krems hilft Ge­flo­he­nen seit fünf Jah­ren bei der In­te­gra­ti­on. Die Vor­sit­zen­de des Ver­eins „Flücht­lin­ge will­kom­men in Düs­sel­dorf“steht bei ih­rer Ar­beit im­mer wie­der vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen. Die wohl größ­te ist ak­tu­ell die In­te­gra­ti­on von Frau­en in den Ar­beits­markt, denn sie dürf­ten – wo­mög­lich wie in ih­rer Hei­mat – nicht nur auf das Er­le­di­gen des Haus­halts re­du­ziert wer­den. „Wenn ara­bi­sche Män­ner ar­bei­ten, dann zu uns kom­men und sa­gen, dass das Geld für sie und ih­re Frau nicht aus­reicht, dann müs­sen wir deut­lich ma­chen, dass in Deutsch­land auch die Frau­en ar­bei­ten ge­hen und ih­ren Bei­trag leis­ten“, sagt Dü­sing-krems. Bis zu 150 Be­ra­tungs­ge­sprä­che führt der Ver­ein in der Wo­che, neu­es­tes Pro­jekt ist die Hil­fe für Ge­flo­he­ne, die sich selbst­stän­dig ma­chen wol­len. Als nächs­ten Schritt will der Ver­ein im kom­men­den Jahr ei­ne Job­mes­se nur für Flücht­lin­ge ver­an­stal­ten. Mög­lich macht das al­les die Un­ter­stüt­zung von vie­len Eh­ren­amt­li­chen – da­bei hat die Hilfs­be­reit­schaft in der Be­völ­ke­rung zu­letzt nach­ge­las­sen. „Wir sind glück­lich, dass es Leu­te gibt, die sich im­mer noch en­ga­gie­ren“, sagt die Vor­sit­zen­de.

FO­TO: STADT

Auch die Mo­dul­an­la­ge an der Mos­kau­er Stra­ße soll noch nicht ge­schlos­sen und ab­ge­baut wer­den.

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