Stu­die: Spal­tung zwi­schen Arm und Reich ist grö­ßer denn je

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - POLITIK - VON KRIS­TI­NA DUNZ

BER­LIN Die Sche­re zwi­schen Arm und Reich in Deutsch­land klafft ei­ner Stu­die zu­fol­ge so stark wie nie zu­vor aus­ein­an­der. „Im­mer mehr Ein­kom­men kon­zen­triert sich bei den sehr Rei­chen“und „im­mer mehr Men­schen sind von Ar­mut be­trof­fen“, heißt es in ei­ner am Mon­tag ver­öf­fent­lich­ten Stu­die des Wirt­schafts- und So­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tuts ( WSI) der ge­werk­schafts­na­hen Hans-böck­ler-stif­tung. Trotz der gu­ten Kon­junk­tur und der güns­ti­gen La­ge auf dem Ar­beits­markt hat dem­nach die Un­gleich­heit bei den Ein­kom­men ei­nen neu­en Höchst­stand er­reicht.

Spd-ge­ne­ral­se­kre­tär Lars Kling­beil sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Ei­ne sol­che Spal­tung ge­fähr­det den Zu­sam­men­halt in un­se­rem Land.“Die wach­sen­de Kluft zwi­schen Arm und Reich ge­hö­re „de­fi­ni­tiv auf die po­li­ti­sche Ta­ges­ord­nung“, sag­te Kling­beil. Die­ser Dy­na­mik wol­le die SPD die Wie­der­ein­füh­rung der Ver­mö­gens­steu­er ent­ge­gen­set­zen. „Und wir brau­chen hö­he­re Löh­ne im un­te­ren Ein­kom­mens­be­reich. Das er­rei­chen wir un­ter an­de­rem mit der Er­hö­hung des Min­dest­lohns auf zwölf Eu­ro und der Aus­wei­tung der Ta­rif­bin­dung.“

Die ho­hen Ein­kom­mens­grup­pen pro­fi­tier­ten laut Stu­die von den spru­deln­den Ka­pi­tal- und Un­ter­neh­mens­ein­kom­men. Da­ge­gen sei die Zahl der Haus­hal­te, die we­ni­ger als 60 Pro­zent des mitt­le­ren Ein­kom­mens zur Ver­fü­gung ha­ben und als arm gel­ten, zwi­schen 2010 und 2016 von 14,2 auf 16,7 Pro­zent ge­wach­sen. Die Ar­muts­lü­cke sei um 779 Eu­ro auf 3400 Eu­ro ge­stie­gen – die­se Sum­me fehlt ar­men Haus­hal­ten rech­ne­risch im Jahr, um die Ar­muts­gren­ze zu über­schrei­ten. Ei­ner der stärks­ten Trei­ber der Ent­wick­lung sei die zu­neh­men­de Sprei­zung der Löh­ne, hieß es. Ei­ne wach­sen­de Be­völ­ke­rungs­grup­pe am un­te­ren Rand ha­be den An­schluss an die Lohn­stei­ge­run­gen in der Mit­te der Ge­sell­schaft ver­lo­ren. Das ar­beit­ge­ber­na­he In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft (IW) be­män­gel­te, dass in der Wsi-stu­die nicht aus­rei­chend die Aus­wir­kung der Zu­wan­de­rung be­rück­sich­tigt wer­de. Die Ein­kom­men der je­weils ärms­ten zehn Pro­zent sei­en im Durch­schnitt ge­sun­ken, weil vie­le Men­schen mit noch ge­rin­ge­ren Ein­kom­men hin­zu­ge­sto­ßen sei­en.

Die Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­bands VDK, Ve­re­na Ben­te­le, warn­te vor ei­nem neu­en Schub für Po­pu­lis­ten. Die­se mach­ten an­geb­lich Schul­di­ge für die Schief­la­ge aus, dass sich die ei­nen die Dritt­woh­nung kau­fen könn­ten und die an­de­ren nicht über die Run­den kä­men. Trotz un­rea­lis­ti­scher For­de­run­gen be­kä­men po­pu­lis­ti­sche Po­li­ti­ker Un­ter­stüt­zung von wü­ten­den Men­schen.

Der Prä­si­dent des Kin­der­schutz­bun­des, Heinz Hil­ges, mahn­te, schon jetzt leb­ten fast 30 Pro­zent der un­ter 18-jäh­ri­gen Kin­der und Ju­gend­li­chen von staat­li­chen Leis­tun­gen. Vie­le von ih­nen blie­ben Leis­tungs­emp­fän­ger und wür­den kei­ne Leis­tungs­trä­ger, weil es ih­nen an Bil­dung und Ge­sund­heit man­ge­le. Er for­der­te die Ein­füh­rung ei­ner un­bü­ro­kra­ti­schen Kin­der­grund­si­che­rung, oh­ne dass die El­tern ei­nen An­trag stel­len müss­ten. „Der Staat hat schon al­le In­for­ma­tio­nen über sie.“

mit dpa

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