Ein neu­es Ka­pi­tel des Sy­ri­en-kon­flikts

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - POLITIK -

ger der Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on PKK gilt. Mit der In­ter­ven­ti­on will die Tür­kei die YPG aus dem Ge­biet ent­lang ih­rer Gren­ze ver­trei­ben. Die tür­ki­sche Ar­mee will bis zu 30 Ki­lo­me­ter weit auf sy­ri­sches Ge­biet vor­drin­gen. „Wir ha­ben im­mer ge­sagt, dass wir ei­nes Nachts oh­ne Vor­war­nung ein­mar­schie­ren kön­nen“, er­klär­te Er­do­gan am Mon­tag. Nur­man Kur­tu­lus, ein Vi­ze­chef von Er­do­gans Re­gie­rungs­par­tei AKP, ver­brei­te­te Zu­ver­sicht: „Mit Got­tes Hil­fe wer­den wir die­sen Krieg ge­win­nen“, sag­te er. Die re­gie­rungs­treue tür­ki­sche Pres­se for­der­te, der Ein­marsch müs­se so schnell wie mög­lich be­gin­nen. Laut Me­dien­be­rich­ten sol­len 14.000 An­ka­ra-treue sy­ri­sche Kämp­fer an dem An­griff teil­neh­men.

Ein tür­ki­scher Vor­stoß bei Ak­ca­ka­le wür­de ei­nen Keil in das von der YPG do­mi­nier­te Ge­biet in Sy­ri­en trei­ben. Bei In­ter­ven­tio­nen 2016 und 2018 hat­te Er­do­gans Ar­mee die Ge­gen­den um die Städ­te Ja­rab­lus und Afrin west­lich des Eu­phrats be­setzt. Am Sonn­tag­abend gab Trump dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten nun te­le­fo­nisch grü­nes Licht für ei­ne wei­te­re In­ter­ven­ti­on öst­lich des Eu­phrats. Das Wei­ße Haus er­klär­te, ab so­fort sei die Tür­kei für die Be­wa­chung von meh­re­ren Zehn­tau­send An­hän­gern des Is­la­mi­schen Staa­tes ver­ant­wort­lich, die in La­gern der YPG sit­zen. An­ka­ra ist da­mit aus Sicht der USA auch da­für zu­stän­dig, ein neu­er­li­ches Er­star­ken des Is­la­mi­schen Staa­tes in der Re­gi­on zu ver­hin­dern.

Die USA müss­ten „raus aus die­sen lä­cher­li­chen end­lo­sen Krie­gen“, er­klär­te Trump zur Be­grün­dung. Er hat­te be­reits im De­zem­ber den Rück­zug der da­mals rund 2000 Us-sol­da­ten aus Sy­ri­en ver­kün­det, war in der ei­ge­nen Re­gie­rung aber auf Wi­der­stand ge­sto­ßen. Auch dies­mal gab es Kri­tik. Der ein­fluss­rei­che Us-se­na­tor und Trump-un­ter­stüt­zer Lind­sey Gra­ham nann­te den Be­schluss des Prä­si­den­ten „kurz­sich­tig und un­ver­ant­wort­lich“. Trumps ehe­ma­li­ge Un-bot­schaf­te­rin Nik­ki Hai­ley warf Trump vor, die kur­di­schen Ver­bün­de­ten der USA an­ge­sichts der tür­ki­schen In­ter­ven­ti­ons­plä­ne „zum Ster­ben“zu ver­ur­tei­len. Of­fen­bar un­ter dem Ein­druck die­ser Kri­tik twit­ter­te Trump: „Wie ich es schon ge­sagt ha­be, und nur um das zu wie­der­ho­len, wenn die Tür­kei ir­gend­et­was tut, das ich, in mei­ner gro­ßen und un­über­trof­fe­nen Weis­heit als falsch be­wer­te, wer­de ich die Wirt­schaft der Tür­kei to­tal zer­stö­ren und aus­lö­schen (ich ha­be das schon ge­tan)“.

Die Dro­hung ließ die Fra­ge auf­kom­men, ob der Us-prä­si­dent sei­ne Zu­sa­ge an Er­do­gan wie­der zu­rück­neh­men könn­te. Trump wer­de mit ei­nem „Zick­zack“-kurs den tür­ki­schen Ein­marsch aber nicht mehr ver­hin­dern kön­nen, schrieb die Tür­kei-ex­per­tin Gönül Tol vom Nah­ost-in­sti­tut in Wa­shing­ton in ei­ner Analyse. Im Nor­den Sy­ri­ens droh­ten „Cha­os und Kon­flikt“.

Ein tür­ki­scher An­griff wür­de weit­rei­chen­de Fol­gen ha­ben. Die YPG hat­te mit den Ame­ri­ka­nern ge­gen den Is­la­mi­schen Staat ge­kämpft und da­bei meh­re­re Tau­send Kämp­fer ver­lo­ren. Im Ge­gen­zug er­war­te­ten die Kur­den ame­ri­ka­ni­schen Schutz in ih­rem Herr­schafts­ge­biet ent­lang der tür­ki­schen Gren­ze. Nun se­hen sie sich von den USA ge­täuscht. Die von den Kur­den do­mi­nier­te Streit­macht SDF sprach von ei­nem „Dolch­stoß“der USA.

Be­son­ders ver­bit­tert die Kur­den­kämp­fer, dass sie in den ver­gan­ge­nen Wo­chen vie­le ih­rer Ver­tei­di­gungs­stel­lun­gen an der tür­ki­schen Gren­ze zer­stört hat­ten, weil die USA er­klär­ten, da­mit wer­de ein tür­ki­scher Ein­marsch ver­hin­dert. Nun steht die YPG ge­gen die mo­der­ne Ar­mee der Tür­kei zu­sätz­lich ge­schwächt da.

Als Re­ak­ti­on dürf­te sich die YPG ver­stärkt um ei­ne Ver­stän­di­gung mit der sy­ri­schen Zen­tral­re­gie­rung in Da­mas­kus be­mü­hen, die seit Jah­ren kei­nen Zu­griff mehr auf die Lan­des­tei­le öst­lich des Eu­phrats hat.

FO­TO: DPA

Us-mi­li­tär­fahr­zeu­ge fah­ren ei­ne Haupt­stra­ße im Nord­os­ten Sy­ri­ens ent­lang. Die Trup­pen zie­hen sich aus der sy­risch-tür­ki­schen Grenz­re­gi­on zu­rück.

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