Kli­ma­schutz­ge­setz in der Kri­tik

Die Bun­des­re­gie­rung ver­zich­tet im Ent­wurf zum Kli­ma­schutz­ge­setz auf ei­ne kon­kre­te Fest­le­gung, dass 2050 Treib­haus­gas-neu­tra­li­tät er­reicht sein muss. Da­mit bleibt sie hin­ter ih­rem ei­ge­nen ur­sprüng­li­chen An­spruch zu­rück

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - WIRTSCHAFT - VON EVA QUADBECK

BER­LIN Wäh­rend Kli­ma­de­mons­tran­ten am Mon­tag in Ber­lin den Ver­kehr lahm­leg­ten, stand die Bun­des­re­gie­rung we­gen ih­res ge­plan­ten Kli­ma­schutz­ge­set­zes im Kreuz­feu­er der Kri­tik. Der Vor­wurf: Die nun zu Pa­pier ge­brach­ten Re­ge­lun­gen sind schwä­cher als im ur­sprüng­li­chen Ent­wurf und ge­ben auch nicht den Ge­halt der Eck­punk­te wie­der, auf die sich die Spit­zen der gro­ßen Ko­ali­ti­on nach mo­na­te­lan­gen zä­hen Ver­hand­lun­gen ge­ei­nigt hat­ten.

Zum Hin­ter­grund: Deutsch­land ver­fehlt seit Jah­ren die selbst ge­steck­ten Kli­ma­zie­le. An­ge­sichts der sich häu­fen­den hei­ßen und tro­cke­nen Som­mer­mo­na­te so­wie der zur Mas­sen­be­we­gung ge­wor­de­nen Kli­ma­pro­tes­te rang die Bun­des­re­gie­rung seit Jah­res­be­ginn um ein neu­es Kli­ma­schutz­ge­setz. Ziel soll­te sein, bis 2050 Kli­ma­neu­tra­li­tät zu er­rei­chen, al­so kei­ne Treib­haus­ga­se mehr oh­ne na­tür­li­chen Aus­gleich aus­zu­sto­ßen. Zu­gleich soll­ten die Bür­ger fi­nan­zi­ell und lo­gis­tisch nicht über­for­dert wer­den.

Die Bun­des­re­gie­rung hat nun ei­nen Ge­setz­ent­wurf vor­ge­legt, der die Kli­ma­schutz­zie­le de­fi­niert und Kon­se­quen­zen bei Nicht-ein­hal­tung vor­gibt. Wäh­rend das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um be­teu­ert, al­le Ver­ein­ba­run­gen von En­de Sep­tem­ber sei­en ein­ge­hal­ten wor­den, ha­gelt es Kri­tik von Op­po­si­ti­on und Um­welt­ver­bän­den.

Das Um­welt­mi­nis­te­ri­um wies die Kri­tik zu­rück. Der Ge­setz­ent­wurf ent­hal­te kei­ne „sub­stan­zi­el­le Ab­schwä­chung“, be­ton­te Staats­se­kre­tär Jo­chen Flas­barth. Fakt al­ler­dings ist, dass die Fest­le­gung, wo­nach bis 2040 ins­ge­samt 70 Pro­zent der Co2-ein­spa­run­gen er­reicht sein müs­sen, aus dem Ent­wurf ver­schwun­den ist. Nun könn­te man ar­gu­men­tie­ren, dass bis 2040 ei­gent­lich mehr als 70 Pro­zent er­reicht sein müs­sen, um dann zehn Jah­re spä­ter Kli­ma­neu­tra­li­tät zu er­rei­chen. Al­ler­dings wird die „Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät“in dem Ent­wurf nur noch als bis 2050 lang­fris­tig zu ver­fol­gen­des Ziel be­schrie­ben.

Das Um­welt­mi­nis­te­ri­um wie­der­um ver­weist auf die kon­kre­ten Vor­ga­ben bis 2030. Dem­nach wer­den die ein­zel­nen Sek­to­ren wie Ver­kehr und Land­wirt­schaft ver­pflich­tet, Jahr für Jahr be­stimm­te Men­gen an Co2-ein­spa­run­gen zu er­brin­gen. Die Mi­nis­te­ri­en sind da­für ver­ant­wort­lich, dass ge­lie­fert wird.

Kri­tik gibt es al­ler­dings auch an der ge­plan­ten Kon­trol­le. Ur­sprüng­lich vor­ge­se­hen war ein Ex­per­ten­gre­mi­um, das im Fall ver­pass­ter Zie­le Vor­schlä­ge ma­chen soll­te, was es zu ver­bes­sern gilt. Nun soll die­ses Gre­mi­um aber nur noch als „No­ta­ri­at“ar­bei­ten, wie Flas­barth er­läu­ter­te. Es stellt al­so nur fest, ob die Zie­le zur Re­duk­ti­on von Treib­haus­gas er­reicht wur­den. Wel­che Maß­nah­men im Fall der Ver­feh­lung zu er­grei­fen sind, das wie­der­um soll die Bun­des­re­gie­rung selbst fest­le­gen. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ver­tei­dig­te das Mo­dell: „Die­ses Mo­ni­to­ring, die­se Über­wa­chung, wird glas­klar in dem Kli­ma­schutz­ge­setz ver­an­kert sein.“.

Grund­sätz­li­che Kri­tik an dem Kli­ma­schutz­ge­setz üb­te der stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­chef der Grü­nen, Oli­ver Kri­scher. „Die Men­schen wol­len lang­fris­ti­ge Pla­nungs­si­cher­heit. Es ist falsch, die kon­kre­ten Kli­ma­zie­le aus dem Ge­setz her­aus­zu­neh­men. Die­ses Kli­ma­ge­setz ver­dient sei­nen Na­men nicht mehr“, sag­te Kri­scher un­se­rer Re­dak­ti­on. „Ich hat­te er­war­tet, dass die Bun­des­re­gie­rung nach der mas­si­ven Kri­tik am Eck­punk­te­pa­pier das Ge­setz ehr­gei­zi­ger macht.“Statt­des­sen feh­le nun die Klar­heit, was wann kon­kret er­reicht wer­den sol­le.

Der öf­fent­li­che Druck für ein schnel­les und kon­kre­tes Han­deln in der Kli­ma­po­li­tik hält un­ter­des­sen an. Die Pro­test­ler von „Ex­tinc­tion Re­bel­li­on“ha­ben an­ge­kün­digt, die gan­ze Wo­che über welt­weit in Groß­städ­ten den Ver­kehr lahm­zu­le­gen. In Ber­lin ver­lie­fen die Blo­cka­de-ak­tio­nen fried­lich. Die Po­li­zei war sehr prä­sent, to­le­rier­te aber die Stra­ßen­sper­run­gen durch die Pro­test­ler. Es gab bis zum Nach­mit­tag kei­ne Fest­nah­men.

FO­TO:DPA

Ak­ti­vis­ten der Kli­ma­be­we­gung „Ex­tinc­tion Re­bel­li­on“blo­ckie­ren zum Auf­takt ih­rer Ak­ti­ons­wo­che „Ber­lin blo­ckie­ren“die Zu­fahr­ten zum Gro­ßen Stern an der Sie­ges­säu­le.

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